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Finanzinvestor Carlyle übernimmt Baby-Walz

24.11.2010 ·  Das Versandhaus Baby Walz und fünf weitere Spezialversender aus dem Arcandor-Imperium werden vom Finanzinvestor Carlyle übernommen. Die Arcandor-Sparte Primondo wird damit weiter aufgelöst.

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hpa. FRANKFURT, 24. November. Das Reich von Arcandor-Karstadt ist zerfallen, in den Resten finden sich aber immer noch Schätze. Der amerikanische Finanzinvestor Carlyle erwirbt von der einstigen Arcandor-Tochtergesellschaft Primondo Specialty Group (PSG) insgesamt sechs Spezialversandhändler, darunter das im oberschwäbischen Bad Waldsee beheimatete Versandhaus Baby-Walz, zu dem auch mehr als 80 Filialen gehören. Carlyle übernimmt damit eine Unternehmensgruppe mit rund 500 Millionen Euro Umsatz und 2000 überwiegend in Deutschland beschäftigten Mitarbeitern. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt, dem Vernehmen nach soll es sich aber um einen dreistelligen Millionenbetrag handeln, der zu gut der Hälfte aus Eigenmitteln des europäischen Carlyle-Fonds stammt.

Zu den sechs übernommenen Gesellschaften zählen neben Baby-Walz auch der dänische Versandhändler Bon-a-parte, sowie die Unternehmen Planet Sports, Elégance, Mirabeau und Vertbaudet Deutschland. Baby-Walz ist mit 340 Millionen Euro Umsatz (Stand 2009) der größte Teil des Pakets. Dem Vernehmen nach erwirtschaften alle sechs Versandhändler zwar im operativen Geschäft positive Beiträge, unterm Strich muss Carlyle einzelne Gesellschaften aber noch profitabel machen. Der Finanzinvestor setzt auf eine Stärkung des Online-Geschäfts und erhofft sich in den nächsten Jahren ein signifikantes Wachstum der Gruppe. An den Baby-Walz-Läden soll festgehalten werden, es gibt aber wohl Überlegungen, sie zum Teil zu modernisieren.

Der Verkauf beendet auch alle Spekulationen, wonach der Hamburger Versandhauskonzern Otto den Zuschlag für Baby- Walz bekommen könnte. Zugleich ist mit der Carlyle-Transaktion die Auflösung der einstigen Primondo-Gruppe weit vorangekommen. Nach den ursprünglichen Plänen des Arcandor-Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg hätten Primondo, wozu auch Quelle und der Einkaufssender HSE 24 gehörten, als Gesamtpaket veräußert werden sollen. Dafür fand sich aber kein Käufer, woraufhin Quelle im Oktober 2009 in die Insolvenz ging und Primondo auseinandergenommen wurde. Die Quelle-Markenrechte wurden an Otto verkauft, Küchen Quelle an Privatunternehmer und HSE 24 ging an den Finanzinvestor Axa Private Equity.

Die Primondo Specialty Group gehört indirekt dem Pensionsfonds des Karstadt-Quelle-Pensionsfonds, nachdem dieser eine stille Einlage von anfangs 500 Millionen Euro in die PSG geleistet hatte. Von Anfang an war klar, dass der Fonds dieses Geld durch Verkäufe der PSG-Teile wieder zurückerlangen will. Nach dem Verkauf an Carlyle befinden sich unter dem PSG-Dach noch der hochprofitable, ebenfalls zum Verkauf stehende Öko-Versender Hessnatur sowie das 1999 gegründete Gemeinschaftsunternehmen Tristyle. Darin befinden sich unter anderem das Versandhaus Peter Hahn und das Münchner Atelier Goldener Schnitt. An Tristyle ist der Unternehmer Klaus Wirth mit 49 Prozent beteiligt.

Dem Vernehmen nach hätte Carlyle Hessnatur ebenfalls gerne erworben. Branchenbeobachter vermuten, dass die PSG sich von einen Einzelverkauf von Hess Natur einen höheren Preis erwartet. Der PSG-Geschäftsführer Matthias Siekmann wird künftig auch für Carlyle arbeiten und soll die sechs nun erworbenen Unternehmen weiter leiten.

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