23.07.2010 · Die Durchfallquote beim Banken-Stresstest hält sich in Grenzen. Kritiker nennen den Test harmlos, doch Europas Bankenaufseher sehen das anders. Der Test liefert in jedem Fall wichtige Informationen darüber, wie viel Geld einzelne Banken verschiedenen Staaten geliehen haben.
Von Stefan Ruhkamp und Hanno MußlerEuropas Bankenaufseher haben sich am Freitag gegen Kritik gewehrt, der Stresstest der Banken sei zu harmlos. Jochen Sanio, Präsident der deutschen Aufsichtsbehörde Bafin, sagte: „Der Stresstest ist hart.“ Die Annahmen seien so pessimistisch gewählt, dass selbst Banken, die ihn nur knapp bestanden hätten, gar nicht so schlecht daständen.
Die Durchfallquote hielt sich mit sieben von 91 getesteten Großbanken zwar in Grenzen. Das am Freitag vom Ausschuss der Bankenaufseher CEBS veröffentlichte Ergebnis liefert aber wichtige Informationen über die Verfassung der Banken. Die Belastungsprobe geht über die im Mai auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise beobachteten Verwerfungen an den Finanzmärkten hinaus. So wird zum Beispiel vom CEBS für griechische Anleihen ein Anstieg der Risikoprämien angenommen, der mit Kursverlusten von 23 Prozent für fünfjährige Titel verbunden wäre. Der Kursrückgang betrug auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise im Vergleich zum Jahresbeginn nur etwa 12 Prozent. Zudem müssen die Banken offenlegen, wie viel Geld ihnen jeder einzelne Staat der Europäischen Union schuldet. Allerdings ist die im Szenario enthaltene Rezession mit einem Rückgang der Wirtschaftstätigkeit um insgesamt 0,8 Prozent in den Jahren 2010 und 2011 relativ mild.
In Deutschland würde die durchschnittliche Kernkapitalquote der 14 getesteten Banken im schärfsten Szenario von 10,3 auf 8,2 Prozent sinken. Die Quote der verstaatlichten HRE, die den Test neben sechs anderen europäischen Banken nicht bestanden hat, sinkt unter den Stressannahmen von 5,3 auf 4,7 Prozent. Nord LB und Postbank bleiben mit 6,2 und 6,6 Prozent nur relativ knapp über der geforderten Marke von 6 Prozent.
Für die Banken ist der Test kein Selbstläufer. Selbst für deutsche Bundesanleihen mittlerer Laufzeit wird wegen der hypothetischen Verschärfung der Schuldenkrise ein Wertverfall von 4,7 Prozent angenommen, obwohl auch Kursgewinne denkbar sind, weil Anleger in solchen Situationen sichere Anlagen bevorzugen. Die skizzierten Wertverluste für finanzschwache Euro-Mitglieder betragen in der mittleren Laufzeit 12 bis 14 Prozent, bei griechischen Anleihen sogar die besagten 23 Prozent, ohne dass etwaige Absicherungsgeschäfte berücksichtigt werden. Hinzu kommen Wertverluste wegen der Annahme, dass das Zinsniveau insgesamt steigt.
Allerdings haben die Tester den Zahlungsausfall eines der staatlichen Schuldner ganz ausgeschlossen. Für die Annahme einer Verschärfung der Schuldenkrise werden nur Forderungen im Handelsbestand der Banken dem Stresstest unterzogen, nicht aber solche im Anlagebestand, in dem Forderungen stehen, die bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden sollen. Der Anlagebestand sei ausgespart worden, weil alles dafür getan werde, dass kein Staat zahlungsunfähig werde, hieß es aus dem Umfeld der EZB. Deshalb müssten die Banken auch nicht zeigen, ob sie für dieses Ereignis gerüstet seien.
Gleichwohl ist die Belastungsprobe nicht harmlos, denn es wird auch ein Anstieg der Ausfallraten privater Kredite in den Handelsbeständen der Banken geprobt. Für Kredite griechischer Unternehmen und Haushalte wird zum Beispiel ein Anstieg der Ausfallrate um rund 3,6 Prozentpunkte angenommen. Im Durchschnitt aller EU-Länder sieht der Test einen Anstieg der Ausfallraten um 0,6 Prozentpunkte vor. Dieser Teil der Simulation sei eine härtere Belastung der Bilanzen als der bloße Wertverfall der Staatsanleihen, hieß es bei der EZB.
In einem ersten Schritt geht der Stresstest von einer Rezession in diesem und dem nächsten Jahr aus, der zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote in Europa von 10 auf 11,5 Prozent führt. Erst im zweiten Schritt kommt die beschriebene Belastung aus der Schuldenkrise hinzu. Die Banken müssen zeigen, dass ihr Kernkapital (Tier 1) auch unter diesen widrigen Umständen reicht und mindestens 6 Prozent der mit dem Risiko gewichteten Vermögenswerte entspricht.
Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) ist die einzige von 14 getestenen deutschen Banken, die durch den europäischen Stresstest gefallen ist. Die vollständig verstaatlichte Bank in München benötigt weitere 2 Milliarden Euro Eigenkapital. Ein entsprechender Antrag liegt dem Bankenrettungsfonds Soffin, der schon 7,7 Milliarden Euro in die HRE eingebracht hat, seit längerem vor. Anträge anderer Banken auf Kapitalzufuhr in Reaktion auf die Stresstestergebnisse liegen dem Soffin nicht vor. Der Bankenrettungsfonds war im Oktober 2008 nach der Insolvenz von Lehman Brothers aufgelegt worden, um mit 480 Milliarden Euro notleidende Banken mit Eigenkapital, Liquiditätsgarantien und mit in sogenannte Bad Banks auslagerbaren Wertpapieren zu helfen. Am stärksten eingreifen musste der Soffin bei der HRE und der Commerzbank, an der sie nun 25,1 Prozent hält.
Während die mit 18,2 Milliarden Euro gestützte Commerzbank seit Jahresanfang wieder Gewinn macht, hat die HRE weiteren Kapitalbedarf. Der Soffin wird über die weitere Kapitalzufuhr in die HRE entscheiden, sobald das Beihilfeverfahren der Europäischen Kommission abgeschlossen ist. Dies wird noch im dritten Quartal erwartet. Dann wird sich die HRE aufspalten - in eine Abwicklungsanstalt (Bad Bank), die mit Wertpapieren von rund 200 Milliarden Euro gefüllt wird, und eine kleinere Restbank, die allein dauerhaft als überlebensfähig gilt. Nach dem Vorbild der West LB, die als erste deutsche Bank 83 Milliarden Euro an Wertpapieren in eine Abwicklungsanstalt gesteckt hat, dürfte die Abwicklungsanstalt der HRE hinreichend mit Eigenkapital ausgestattet werden. Der Soffin dürfte sich mit dem dann genau festgestellten Kapitalbedarf von rund 2 Milliarden Euro an der übrig gebliebenen neuen Kernbank HRE beteiligen. Insgesamt haben die Banken in Europa von den Staaten 336 Milliarden Euro Eigenkapital erhalten, um die Finanzkrise zu überstehen.
Banken auf der Teststrecke - das Szenario
- Die Wirtschaft schrumpft um 2 Prozent 2010 und 1,25 Prozent 2011.
- Die Zinsen steigen. Bei drei Monaten Laufzeit um 1,2 Prozentpunkte, bei Forderungen mit zehn Jahren Laufzeit um 0,75 Prozentpunkte.
- Obendrein verschärft sich die Schuldenkrise. Griechische Staatsanleihen verlieren mehr als 20 Prozent an Wert, deutsche rund 5 Prozent.
- Das belastet auch die privaten Kreditnehmer. Die Ausfallraten steigen, in Griechenland um 3,6 Prozentpunkte, in Spanien um 1,2 und im Durchschnitt der Europäischen Union um 0,6 Prozentpunkte.
- Das alles belastet jedoch nur den Handelsbestand der Banken, der nach Marktwerten geführt wird. Der Anlagebestand, der im Normalfall bis zu Fälligkeit gehalten wird, bleibt unberührt.
- Der Zahlungsausfall eines Staates ist im Stresstest nicht enthalten.
zur Härte des Testes könnte man Vergleiche anstellen,
Thomas Gehrenberg (tgehrenberg)
- 24.07.2010, 00:20 Uhr
Kaspereletheater
Torlin Monger (TMonger)
- 24.07.2010, 03:32 Uhr
Das Naheliegenste wurde ausgeklammert
Peter Kronenberger (Peter-Kronenberger)
- 24.07.2010, 20:56 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.557,70 | +0,83% |
| EUR/USD | 1,2493 | −0,38% |
| Rohöl Brent Crude | 106,66 $ | −0,56% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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