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Finanzinstitute Frisches Kapital für Münchener Geldhäuser

26.03.2003 ·  Der Reigen von Kapitalmaßnahmen aus München wird sich am Donnerstag fortsetzen. Die Münchener Rück wird Details zu ihrer Anleihe über bis zu drei Millairden Euro bekanntgeben. Die HVB braucht wohl 1,5 Milliarden Euro.

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Der Reigen von Kapitalmaßnahmen aus München wird sich am Donnerstag fortsetzen. Nach der Allianz, die die Aufnahme von 5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt angekündigt hat, wird die Münchener Rück Details zu ihrer beabsichtigten nachrangigen Anleihe bekanntgeben. Am Markt wird über ein Volumen bis zu 3 Milliarden Euro spekuliert.

Kapitalmaßnahmen erwarten viele Analysten am selben Tag auch von der Bilanzpressekonferenz der Hypo-Vereinsbank. Zuletzt war über eine Zwangswandelanleihe spekuliert worden. HVB-Vorstandssprecher Dieter Rampl hat eine solche Anleihe als Option bezeichnet. Eine Zwangswandelanleihe entspricht einer Kapitalerhöhung, da sie am Ende ihrer Laufzeit automatisch in Aktien zurückgezahlt wird. Analyst Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler schätzt den Kapitalbedarf der HVB auf mindestens 1,5 Milliarden Euro, damit sie Ende 2003 die für ein „A“-Rating nötige Kernkapitalquote von 7 (Ende 2002: 5,6) Prozent erreicht. Dabei hat der Analyst schon einkalkuliert, daß die HVB die angestrebten Verkäufe von Norisbank und Vereins- und Westbank über die Bühne bringt.

Auch die bisher als finanziell am stärksten eingeschätzte Münchener Rück gerät aufgrund ihrer schwindenden Reserven unter den Druck der Rating-Agenturen. Am Dienstag hat Moody's die Rückversicherung auf die Beobachtungsliste mit negativem Ausblick gesetzt. Die Rück hat bei Moody's mit der Note „Aa1" noch das zweitbeste mögliche Rating. Standard & Poor's führt die Rück schon seit Dezember eine Stufe niedriger mit „AA+". An der Börse hat die Münchener Rück seit Jahresbeginn mit einem Kursverlust um 31 Prozent fast so schlecht abgeschnitten wie die Allianz (minus 38 Prozent), obwohl bei der Rück derzeit keine Kapitalerhöhung auf dem Plan steht. Die HVB übertrifft dies noch mit einem Minus von fast 50 Prozent.

Wie geldknapp die zweitgrößte deutsche Bank und der weltgrößte Rückversicherer sind, haben ihre Aussagen zur Kapitalerhöhung der Allianz gezeigt. Die mit 4,6 Prozent an der Allianz beteiligte HVB will ihre Bezugsrechte verkaufen. Die Münchener Rück kündigte eine sogenannte „Opération Blanche" an. Sie wird einen Teil der Bezugsrechte verkaufen und den Erlös in Allianz-Aktien reinvestieren. Ihr Anteil sinkt dadurch von 20 auf 15 Prozent. Da auch die Allianz ihren Rück-Anteil auf 15 Prozent reduziert, werden sich die beiden größten deutschen Versicherungskonzerne künftig nicht mehr entsprechend der Kapitalanteile („at equity") konsolidieren, sondern nur noch unter den Finanzanlagen ausweisen. Auch an den Kapitalmaßnahmen der HVB werde die Rück voraussichtlich nicht teilnehmen, erwartet Hoymann. In früheren Jahren wäre es für die Finanzdienstleister kaum denkbar gewesen, bei solchen Kapitalerhöhungen nicht mitzuziehen, da damit ein Wertverlust verbunden ist.

Doch der Kursverfall an den Aktienmärkten hat die Aktien von Allianz, HVB und Münchener Rück in den vergangenen Monaten in eine Abwärtsspirale getrieben. Die Aktie der Münchener Rück geriet durch den Wertverfall der Pakete an Allianz (20 Prozent) und HVB (25,7 Prozent) unter Druck, die der HVB durch den Kursverfall von Münchener Rück (13,3 Prozent) und Allianz (4,6 Prozent) und die Allianz durch das Paket an der Rück (22 Prozent). Dadurch hat sich bei allen dreien die Kapitaldecke ausgedünnt - bei HVB und Münchener Rück noch stärker als bei der Allianz. Moody's begründet seine pessimistischere Einschätzung ferner damit, daß die Gewinne der Rückversicherung durch mäßige Kapitalanlageerträge und zusätzliche Wertpapierabschreibungen belastet sein könnten. Man werde zudem die Konzerngesellschaften Ergo und American Re in die Prüfung einbeziehen. Bei American Re wurden 2002 in den Rückstellungen Löcher von 2 Milliarden Euro aufgedeckt, die die Münchener Rück zum Teil durch einen Kapitalzuschuß ausgleichen mußte. Die Ergo mußte im dritten Quartal ihren Wertpapierbestand um 2,2 Milliarden Euro abschreiben und lag nach neun Monaten bereits mit 645 Millionen Euro im Minus.

Für die Münchener Rück insgesamt erwarten Analysten im vierten Quartal im Durchschnitt einen Verlust von 1,3 Milliarden Euro. Wegen eines Sondergewinns im ersten Halbjahr von 4,7 Milliarden Euro aus dem Verkauf von Allianz-Beteiligungen wird für das Gesamtjahr trotzdem noch ein Überschuß von 1,9 Milliarden Euro prognostiziert. In den vergangenen Wochen haben einige Aktienanalysten die Aktie schon herabgestuft. Die Deutsche Bank nahm sie von „Halten" auf "Verkaufen" zurück, mit einem Kursziel von nur noch 55 Euro. Morgan Stanley reduzierte das Kursziel von 144 auf 108 Euro. Sal. Oppenheim senkte das Ziel Anfang März von 160 auf 125 Euro und wird es voraussichtlich nach Bekanntgabe der Zahlen am Donnerstag weiter zurücknehmen, wie Analyst Michael Haid sagte.

Quelle: mag., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2003, Nr. 72 / Seite 27
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