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Finanzen und Partnerschaft Geld oder Liebe?

08.06.2008 ·  Mein Geld, dein Geld, unser Geld. Über nichts streiten Paare so heftig wie über die Finanzen. Getrennte oder gemeinsame Kassen? Fürs Haus sparen oder in den Urlaub fliegen? Allemal gilt: Großzügigkeit macht glücklich und zahlt sich aus.

Von Lisa Nienhaus
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Das mit dem Geld und der Liebe kann böse enden. Da schlittert der Mann in die Insolvenz, und seine Frau bekommt erst gar nichts davon mit, weil er sich doch immer ums Finanzielle gekümmert hat. Da ist das gemeinsame Konto auf einmal leergeräumt, weil die Verlobte ihrer Vorliebe für teure Geländewagen nachgegeben hat. Das sind Extremfälle. Doch Auseinandersetzungen über Geld gibt es in beinahe jeder Beziehung. Ob glücklich oder unglücklich, verheiratet, verliebt, verlobt oder schon seit mehr als 25 Jahren zusammen - Geld ist das Streitthema Nummer eins aller Paare (siehe Grafik). Da kann der Zankapfel Schwiegereltern ebenso wenig mithalten wie die Frage, wer das Bad putzt.

Solche Schwierigkeiten wollte ein Paar, das an einer Studie über Geld in Beziehungen teilnahm, von Anfang an vermeiden. Sie vereinbarten: getrennte Kasse, radikal. Andreas Hirseland vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat sie über viele Jahre beobachtet und erzählt: „Sie haben Geld und Besitz streng getrennt, obwohl sie zusammen wohnten. Jeder hatte sein eigenes Konto, und alle Ausgaben wurden akribisch verrechnet.“ Sogar das Mobiliar hätten sie gekennzeichnet, um immer zu wissen, was wem gehöre.

Die Gelddinge in der Beziehung werden komplizierter

Das wäre vor fünfzig Jahren kaum denkbar gewesen, als der Mann in der Regel allein das Geld verdiente und die Frau von seinem Haushaltsgeld abhängig war. Heute ist die Freiheit größer. Denn oft haben beide Partner einen Beruf, und das Paar kann sich entscheiden: gemeinsame oder getrennte Kasse? Ein Konto zusammen, für jeden ein Konto oder gar drei Konten - eines für jeden und ein gemeinsames?

Das hat Gelddinge in der Beziehung komplizierter gemacht, sagt der Wirtschaftspsychologe Erich Kirchler. Er untersucht, wie Paare über Geld entscheiden. Sein Ergebnis: Die alte Arbeitsteilung funktioniert nicht mehr. In den fünfziger Jahren kaufte der Mann das Auto und die Frau die Wohnungseinrichtung. Heute machen beide beides. „Da muss man sich natürlich viel häufiger auseinandersetzen“, sagt Kirchler. „Es kann nicht mehr jeder in seinem Bereich regieren.“

Geld - das ist nicht mehr gleich Macht

Geld definiert heute auch nicht mehr automatisch, wer die Macht in einer Beziehung besitzt. „Die Durchsetzungsfähigkeit hängt - anders als früher - kaum noch davon ab, wer das Brot verdient.“ Vor allem Interesse und Kompetenz entscheiden heute darüber, wer sich durchsetzt. Das ist mittlerweile genauso häufig die Frau wie der Mann.

Beide reden mit. Das hat aber nicht dazu geführt, dass die Partner einander besser verstehen. Auch das zeigt sich in Kirchlers Untersuchungen. Wenn er dort nämlich Männer und Frauen getrennt befragte, worüber sie an einem Tag gesprochen und gestritten hätten, stimmten nur zwei Drittel der Paare in etwa überein. Bei einem Drittel dagegen „konnte man denken, sie hätten nie miteinander gesprochen“, sagt Kirchler.

Selten bewusste Abmachungen über Geld

Ähnliches fanden zwei Ökonomen der Universität East Anglia in Großbritannien heraus. Sie wollten eigentlich untersuchen, wie großzügig Paare in Gelddingen sind. Die kuriosesten Ergebnisse jedoch lieferte ein Fragebogen, den die Partner getrennt voneinander ausfüllen mussten: Nur ein Drittel der Paare war sich demnach einig, wie sie Gelddinge miteinander geregelt hatten. Die Männer gaben beispielsweise doppelt so häufig wie ihre Frauen an, es gebe eine gemeinsame Kasse.

Paare treffen offenbar selten bewusst Abmachungen über Geld. Geld und Liebe passen eben nicht zueinander. So klingt schon das Arrangement eines Paares, das Gelddinge jahrelang komplett trennte, für viele unvorstellbar unromantisch, erzählt IAB-Forscher Hirseland. Dabei habe das Paar das Modell selbst für den Gipfel der Romantik gehalten. „Sie sind sich materiell nichts schuldig geblieben, also zählte jenseits dieser Grenze das reine Gefühl“, sagt er. „Sie konnten sich jeden Tag neu und völlig frei füreinander entscheiden.“

Zwei Sphären: Die ökonomische und die soziale

Hirseland hat eine Erklärung dafür, wieso Geld und Liebe so schlecht zusammenpassen: „Von außen gesehen ist fast jede Beziehung ein Tausch: Geld gegen Leistung“, sagt er. „Doch wenn man an Liebe und Romantik denkt, will man das nicht sehen. Da klingt Tausch sofort nach Prostitution.“ Es kann sogar völlig rational sein, über diese Tauschgeschäfte nicht offen zu kommunizieren. Das bestätigen Ökonomen, die das Verhalten der Menschen in Experimenten untersuchen. Sie entdeckten, dass für uns zwei Sphären existieren: die ökonomische, in der alles genau verrechnet wird. Und die soziale, in der man etwas tut, ohne gleich eine Gegenleistung zu verlangen, zum Beispiel, weil man helfen will, ein schlechtes Gewissen hat oder einfach Spaß an der Sache. Die soziale Sphäre zu verlassen, etwa indem man über Geld spricht oder explizit Geld anbietet, kann Nachteile bringen, wenn die Entlohnung nicht hoch genug ist.

So erledigten etwa die Teilnehmer an einem Experiment eine Aufgabe schlechter, wenn sie Geld dafür bekamen, als wenn sie nicht entlohnt wurden. Und es fanden sich weniger Anwälte, die bereit waren, Bedürftige für einen ermäßigten Stundensatz von 30 Dollar zu beraten als kostenlos.

Heiraten macht reich

Geld, das ein Partner für den anderen ausgibt, nicht immer genau zu verrechnen, rettet also nicht nur die Romantik. Es kann auch dazu führen, dass jeder seine Aufgaben besser und mit mehr Vergnügen erledigt. Auch Großzügigkeit dem anderen gegenüber macht zufrieden, sagt Psychologe Kirchler. „Sehr glückliche Paare erweisen einander mit dem verdienten Geld Gefälligkeiten.“ Bei unglücklichen Paaren sei das Gegenteil der Fall. „Da geht es darum, sich schnell selbst einen Wunsch zu erfüllen, bevor der andere zum Zug kommt.“

Für Ehepaare, die sich trotzdem immer wieder über Geld streiten, gibt es einen Trost. Denn rein finanziell gesehen lohnt sich ihre Partnerschaft: Heiraten, das haben Studien oft bewiesen, macht reich.

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