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Finanzdienstleistungen : Vorsicht vor MLP-Beratern

Mehr als 90 Prozent der MLP-Kunden sind Akademiker Bild: dpa

Der Finanzvertrieb MLP wirbt vor allem bei Studenten und Akademikern mit unabhängiger Beratung. Doch die Realität ist anders. Die Berater verkaufen vor allem Versicherungen, weil das viel Provision bringt.

          Nein, MLP ist kein Studentenclub. Auch wenn die drei Buchstaben an fast jeder Universität auftauchen. Und weil sie wohl jedem Studenten irgendwann einmal über ein Karriereseminar, einen Präsentationskurs oder ein Rhetoriktraining näher bekannt werden. Nein, MLP ist ein Finanzvertrieb und lockt mit kostenloser Hilfe für seine Kunden von morgen: die hoffentlich bald gutverdienenden Hochschüler.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Kalkül geht auf. Mehr als 90 Prozent der 730 000 Kunden sind Akademiker. MLP ködert sie mit dem Versprechen von unabhängiger, allumfassender Beratung möglichst noch vor dem Examen. Geldanlage, Versicherungen, Immobilienfinanzierung, Konto – alles stammt aus einer Hand, aber nichts ist von MLP selbst, sondern von den Versicherungs-, Fonds- und Bankpartnern.

          Jetzt sorgt der größte Schweizer Lebensversicherer für Aufruhr bei dem börsennotierten badischen Unternehmen. In der vergangenen Woche gab er bekannt, 27 Prozent der Anteile an MLP und damit eine einflussverschaffende Sperrminorität gekauft zu haben. Swiss Life ist kein Unbekannter. Ende 2006 hat der Konzern schon die Mehrheit am MLP-Konkurrenten AWD übernommen und kontrolliert damit jetzt die Nummer zwei und drei im Markt der Finanzvertriebe. Nur die DVAG ist noch größer.

          Zweifel an der Unabhängigkeit

          MLP sieht nun seine Unabhängigkeit in Gefahr. Der neue Miteigentümer könnte zunehmend Druck ausüben, seine Versicherungen über den Finanzvertrieb loszuwerden. „Das würde unserem Anspruch zuwiderlaufen. Wir sind nur den Interessen unserer Kunden verpflichtet“, entgegnet MLP-Sprecher Jan Berg.

          Doch schon heute, ohne die Übernahme, gibt es Zweifel an der Unabhängigkeit. MLP ist zwar nicht der verlängerte Vertriebsarm einer Versicherung oder Fondsgesellschaft. Das Unternehmen hat 35 von rund 100 Lebensversicherungen im Sortiment. Doch nur im Interesse der Kunden handeln die Berater nicht. Denn sie leben von der Provision. Und da ist die Versuchung groß, solche Produkte zu verkaufen, die mehr Vergütung, aber dem Kunden nicht unbedingt mehr Rendite bringen. Zum Beispiel Renten- oder Lebensversicherungen anstatt Fonds.

          „so viele Versicherungen wie möglich“

          Das bestätigt ein ehemaliger MLP–Berater: „Wir verkauften dem Kunden erst einmal so viele Versicherungen wie möglich: eine Riesterpolice, eine zusätzliche fürs Alter, eine für die Kinder, eine für den Hausbau – das lässt sich ja alles gut begründen. Erst dann vielleicht einen Fondssparplan.“ Diesen Fehlanreiz hat nicht MLP gesetzt, er ist Folge der Unterschiede in den Produkten. Fonds lohnten sich für die Verkäufer erst bei großen Summen und langfristig, während die Abschlussgebühren der Versicherungen schon in den ersten Jahren fließen.

          Und das üppig. „Die Beiträge wurden so stark wie gerade noch vertretbar hochgeschraubt, denn die Provision hängt auch davon ab“, gesteht der ehemalige MLP-Verkäufer. Ein ehemaliger Kunde, damals 22 Jahre alt, hat das auch so erlebt: „Ich hatte als Student vier Renten- und Lebensversicherungen und Mühe, die Beiträge zu zahlen. Aber der Berater hat mir die Notwendigkeit dafür überzeugend erklärt.“

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