Der Finanzdienstleister MLP hat erneut alle Vorwürfe wegen angeblicher Bilanztricks zurückgewiesen. Vorstandschef Bernhard Termühlen sagte am Dienstag auf der Hauptversammlung in Mannheim: „Wir haben niemals höhere als die wirklichen Gewinne ausgewiesen.“
Die Bilanz habe zu keiner Zeit Faktoren enthalten, die Risiken für die zukünftigen Gewinne bergen würden. Nach Gerüchten über Unstimmigkeiten bei MLP hatte es in den vergangenen Wochen massive Einbrüche beim Aktienkurs gegeben. Um die Provisionen für neu abgeschlossene Lebensversicherungen zu bezahlen, nutzt MLP Rückversicherungen. Diese bezahlen die Provisionen und bekommen später dafür einen Teil der bezahlten Prämien.
Keine kreative Bilanzpolitik
Daraufhin hatten einige Medien gefolgert, dass MLP außerhalb der Bilanz hohe Schulden aufgebaut habe. Auf der Hauptversammlung erklärte der Versicherungsexperte Peter Albrecht von der Universität Mannheim, unter anderem Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Versicherungsmathematik, dass Verfahren von MLP für zulässig. Es gebe weder eine kreative Bilanzpolitik, noch eine Verschleierung von Schulden außerhalb der Bilanz, noch eine Gewinnaufblähung.
Ernst & Young soll laut MLP dennoch die entsprechenden Posten in der Bilanz für 2001 noch einmal kritisch unter die Lupe nehmen. Der Aufsichtsrat begründete die Einsetzung des Wirtschaftsprüfers mit der zunehmenden Internationalisierung von MLP. Für die Stuttgarter, die die deutsche Andersen-Tochter übernehmen wollen, ist es nach der Deutschen Telekom das zweite „halbe“ Prüfungsmandat eines Dax-Unternehmens.
100.000 neue Kunden
Für das Geschäftsjahr 2002 bekräftigte Termühlen frühere Prognosen. MLP erwarte ein Wachstum von rund 30 Prozent beim Konzernergebnis vor Steuern auf rund 195 Millionen Euro. Für 2003 werde ein Vorsteuer-Ergebnis von rund 250 Millionen Euro angepeilt. Das Konzernergebnis vor Steuern hatte im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent auf 24,5 Millionen Euro zugelegt. Der Quartalsüberschuss stieg ebenfalls um 32 Prozent auf 15 Millionen Euro. Die Gesamterlöse im Konzern verbesserten sich um 21 Prozent auf 242,7 Millionen Euro. Der Heidelberger Finanzdienstleister will in diesem Jahr 100.000 neue Kunden gewinnen. Ende des Jahres sollten dann insgesamt rund 550.000 Kunden betreut werden.