Der in die Schlagzeilen geratene Finanzdienstleister MLP kommt nicht zur Ruhe. Im dritten Quartal 2002 halbierte sich der Vorsteuergewinn im Jahresvergleich nahezu und lag nur noch bei 7,7 Millionen Euro (2001: 15,3). Vorstandschef Bernhard Termühlen musste am Freitag einräumen, dass das angepeilte Jahresergebnis vor Steuern von 100 Millionen Euro vermutlich nur noch durch einen Beteiligungsverkauf zu erreichen sein wird.
Bereits mit den Halbjahreszahlen hatte MLP seine Erwartungen für das Geschäftsjahr drastisch nach unten korrigiert. Nach den ersten sechs Monaten veröffentlichte das Heidelberger Unternehmen eine Gewinnwarnung. Es wurde erklärt, für das Gesamtjahr werde nur noch ein Vorsteuergewinn von 100 Millionen Euro angepeilt. Nach dem ersten Quartal hatte der Finanzdienstleister für 2002 noch 195 Millionen Euro Gewinn in Aussicht gestellt.
Lawine von Skandalen
Nun teilte der Vorstandsvorsitzende mit, operativ sei die gesenkte Prognose von 100 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr wegen schlechter Rahmenbedingungen nur noch schwer zu schaffen.
Fortwährende Gerüchte über Bilanzfälschungen, Sexskandale im Vorstand und staatsanwaltliche Ermittlungen lassen den Stern des Dax- Aufsteigers weiter sinken.
Der Börsenstar wird seit Mai von einer Lawine von Vorwürfen bis ins Mark erschüttert. Nach zwei anonymen Anzeigen wurden die Firmenräume von MLP durchsucht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation und des Insiderhandels. Inzwischen hat auch die Aufsichtsbehörde BAFin eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Insiderhandel mit der Aktie des Finanzdienstleisters eingeleitet. MLP hat die Vorwürfe zwar stets zurückgewiesen. Die MLP-Aktie rutschte wegen der fortwährenden Gerüchte aber immer tiefer in den Keller.
Aktie im Sinkflug
Die enttäuschende Prognose von Freitag drückte die Aktie des Finanzdienstleisters MLP nun bis zum Mittag um über zwei Prozent ins Minus. Anfang Oktober war das Papier zwischenzeitlich bis auf 7,20 Euro eingebrochen. Wegen des Sinkflugs musste MLP im Sommer sogar schon fürchten, dem DAX nicht mehr anzugehören. Das Heidelberger Unternehmen ist seit Juli 2001 notiert.
Für die aktuelle Entwicklung macht Vorstandschef Termühlen die andauernde Verunsicherung des Kapitalmarktes, die geplanten Änderungen bei Steuern und Versicherungsbeiträgen sowie die Diskussion über die Riester-Rente verantwortlich. Dass das Vorsteuerergebnis in 2002 dennoch deutlich über 100 Millionen Euro liegen wird, soll durch den Verkauf der ersten Tranche der 50- prozentigen Beteiligung an der MLP-Lebensversicherung AG (Wien) erreicht werden.
Die Gesamterlöse stiegen im dritten Quartal um 14 Prozent auf 246,5 Millionen Euro. Der Kundenbestand des Finanzdienstleisters sei um 9000 auf 495.000 gestiegen. Ein Jahr zuvor hatte MLP 434 000 Kunden gehabt. „Für die kommenden Jahren“ rechnet MLP Termühlen zufolge wieder mit deutlich zweistelligen Wachstumsraten.