07.02.2003 · Das erfolgreiche Filmstudio Pixar ist im Vertrieb an Disney gebunden. Doch bald darf Pixar sich einen neuen Partner suchen. Das wird eine filmreife Inszenierung. In den Hauptrollen: Apple-Chef Steve Jobs und Disney-Chef Michael Eisner.
Steve Jobs, der Chef und Mitbegründer des Computerherstellers Apple, geht einem Streit nur selten aus dem Weg. Das gilt für Apple ebenso wie für Pixar, dem Filmstudio, an dem Jobs rund 60 Prozent des Kapitals hält. Zur Zeit pokert Jobs mit seinem Pixar-Vertriebspartner, dem Medienkonzern Walt Disney.
Grund für den Zwist ist nicht etwa mangelnder Erfolg. Im Gegenteil: Das 16 Jahre alte Unternehmen, das Jobs 1986 für 10 Millionen Dollar George Lucas, dem Regisseur der „Star Wars“-Filme abgekauft hat, produziert computeranimierte Kassenschlager mit Namen wie „Die Monster AG“, „Toy Story“ oder „Das große Krabbeln“ - einen nach dem anderen.
Pixar wird vom Kapitalmarkt inzwischen mit mehr als 2,8 Milliarden Dollar bewertet. Noch vor einem Jahr hatte der Wert um rund 1 Milliarde Dollar niedriger gelegen. Erst jüngst wurde die Ergebnisprognose für das vierte Quartal 2002 deutlich übertroffen. Jobs und Disney bewegt aber mehr die Frage, wieviel von dem mit den Filmen verdienten Geld künftig in der Kasse von Pixar ankommen soll.
Der Vertrag von Disney und Pixar sieht vor, daß die Einnahmen geteilt werden. Dies soll aber erst nach Abzug einer Gebühr zwischen 10 und 15 Prozent für die Marketing- und Vertriebskosten so sein, die in der Kasse von Disney landet. Im Gegenzug schultern beide Partner Produktionskosten in gleicher Höhe. Zudem hat Disney sämtliche Rechte an der Vermarktung der Pixar-Filmfiguren, muß sich aber auch die Einnahmen aus diesem Geschäft mit Pixar teilen.
Lucas macht mit seinem Vertriebspartner 20th Century Fox bei den Star Wars-Filmen ein sehr viel besseres Geschäft. Fox darf eine Vertriebsgebühr von 6 Prozent von den Einnahmen abziehen, der Rest geht an Lucas, der die Filme dann aber auch auf eigene Kosten produziert.
Noch ist Pixar an Disney gebunden
Pixar ist zwar noch für drei weitere Filme und damit bis zum Jahr 2005 an Disney als Vertriebspartner gebunden. Doch mit der Fertigstellung des nächsten Films, einer Unterwassergeschichte, die in Amerika im Sommer mit dem Titel „Finding Nemo“ in die Kinos kommen wird, kann Jobs beginnen, nach einer Alternative zur Zusammenarbeit mit Disney zu suchen. Schon stehen die Interessenten in der Pixar-Zentrale im kalifornischen Emeryville vor den Toren von San Francisco Schlange. Vor wenigen Tagen wurden Führungskräfte des Filmstudios Warner Brothers auf dem Pixar-Gelände gesehen.
Auch Vertreter von Sony waren schon da. „Natürlich würden wir gerne mit Pixar Geschäfte machen“, sagte dazu Sony Vice-Chairman Yair Landau. Auf einen Besuch von 20th Century Fox wartet Jobs offenbar noch, doch hat er nun auch offiziell eingeräumt, daß Gespräche mit anderen Vertriebspartnern geführt werden.
Monster AG versus Treasure Planet
Eine Verlängerung der Partnerschaft mit Disney „in einer neuen Form“ sei zwar wünschenswert, aber „alles andere als sicher“. Sicher ist hingegen, daß Disney den Erfolg von Pixar im Moment besonders gut gebrauchen kann, und Disney-Chef Michael Eisner in einer schlechten Verhandlungsposition steckt. So hat die jüngste Pixar-Produktion „Die Monster AG“ allein an amerikanischen Kinokassen 256 Millionen Dollar eingespielt.
Der letzte Zeichentrickversuch von Disney mit dem Titel „Treasure Planet“ war dagegen ein Flop, der über Einnahmen von 36 Millionen Dollar nicht hinausgekommen ist, während die geschätzten Produktionskosten bei rund 140 Millionen Dollar gelegen haben. Und selbst „Lilo & Stich“, der erfolgreichste Disney-Zeichentrickfilm der jüngsten Vergangenheit, hat auf dem Heimatmarkt lediglich ein Einspielergebnis von 146 Millionen Dollar erzielt.
Pixar wiederum hat seit 1999 rund 680 Millionen Dollar zum Betriebsergebnis der Disney Filmstudios beigetragen, was einem Anteil von 35 Prozent entspricht. Deshalb wundert es nicht, daß Jobs für Pixar gerne einen größeren Teil des Kuchens abschneiden würde. Jobs weiß aber auch, daß Pixar mehrfach vor dem Ruin gestanden hat, bevor mit „Toy Story“ und der Disney-Vertriebsunterstützung die Tür zum Erfolg aufgestoßen worden ist.
Gegenüber der „Los Angeles Times“ hat Jobs das Verhältnis zu Disney im vergangenen Jahr deshalb mit einer langen Beziehung von zwei Menschen verglichen, die ebenfalls ihre Höhen und Tiefen habe. Auf die Frage, wie er seine Beziehung zu Eisner beschreiben würde, sagte Jobs: „Darüber sollten wir besser nächstes Jahr wieder sprechen.“
In Sturheit vereint
Damals hatte Eisner vor einem Ausschuß des amerikanischen Kongresses einen Werbeslogan von Apple („Rip, Mix, Burn“) als Aufforderung an Computernutzer bezeichnet, urheberrechtlich geschützte Musikstücke zu kopieren. Das hatte Jobs Eisner übel genommen, doch soll sich Eisner für seine Aussage entschuldigt haben.
Der Disney-Chef weiß, daß Pixar es sich inzwischen ebenso wie Lucas leisten könnte, die Produktion seiner Filme allein zu bezahlen. Das Unternehmen hat rund 350 Millionen Dollar liquide Mittel, keine Schulden und freut sich über eine Bruttomarge von rund 40 Prozent.
Die bisher vier Pixar-Filme haben auf der ganzen Welt ein Einspielergebnis von rund 1,7 Milliarden Dollar erzielt. Wie zu hören ist, hat Eisner deshalb inzwischen signalisiert, verhandlungsbereit zu sein. Doch hat er mit Jobs einen ihm in seiner Sturheit ebenbürtigen Verhandlungspartner gefunden. (Kno.)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.562,70 | +0,87% |
| EUR/USD | 1,2494 | −0,37% |
| Rohöl Brent Crude | 106,64 $ | −0,58% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
Anonym bewerben? Ist das gut?