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Filmindustrie Wall Street und Hollywood finden nur schwer zusammen

30.08.2006 ·  Tom Cruise sucht nach der Trennung von Paramount neue Partner. Das versprochene Engagement von Hedge-Fonds bleibt allerdings weiter fraglich.

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Die Filmindustrie in Hollywood kannte in der vergangenen Woche kein anderes Thema als die spektakuläre Trennung des Schauspielers Tom Cruise und seiner Produktionsfirma von seinem langjährigen Heimat-Filmstudio Paramount. Der Schauspieler verlor damit einen der großzügigsten Verträge, die es für einen einzelnen Filmstar in der Branche je gab.

Cruise reagierte trotzig und ließ ausrichten, er habe ohnehin schon neue Geldgeber gefunden. So seien zwei Hedge-Fonds bereit, 100 Millionen Dollar in eine neue Produktionsgesellschaft zu investieren. Eine solche Partnerschaft würde einem Trend in der Branche folgen: dem zunehmenden Engagement von Hedge-Fonds und anderen Finanzinvestoren in der Filmindustrie.

Rückschläge für Finanzinvestoren

Der Erfolg der Partnerschaft von Wall Street und Hollywood ist allerdings fraglich. Einige Finanzinvestoren mußten bei ihren Engagements in jüngster Zeit Rückschläge hinnehmen, nachdem Filmprojekte zu Publikumsflops geworden sind. Vor diesem Hintergrund wurden in der Branche Zweifel laut, ob sich tatsächlich Hedge-Fonds auf eine Verbindung mit Tom Cruise einlassen, zumal dessen einstiger Ruf als sicherer Kassenmagnet mittlerweile in Frage steht. Tatsächlich konnte oder wollte das Lager von Cruise bislang nicht sagen, um wen es sich bei den beiden angeblich interessierten Hedge-Fonds handeln soll.

Zumindest hat Cruise nun einen ersten Erfolg bei seinem Werben um Finanziers erzielt: Eine Gruppe von prominenten Investoren hat einen Vertrag mit der Produktionsgesellschaft von Cruise abgeschlossen. Die Konditionen sollen allerdings deutlich unattraktiver sein als bislang bei Paramount.

Neue Geldgeber investieren rund 3 Millionen Dollar jährlich

Nach dem alten Vertrag durfte die Cruise-Firma auf dem Paramount-Gelände Büros betreiben und auf Kosten des Studios an Filmprojekten arbeiten. Paramount, eine Tochtergesellschaft des Medienkonzerns Viacom, zahlte dem Unternehmen von Cruise jährlich 10 Millionen Dollar. Dieses Geld floß nicht in die Produktion von Filmen, sondern diente allein dazu, um die Gemeinkosten der Gesellschaft zu decken.

Amerikanischen Medienberichten zufolge investieren die neuen Geldgeber nun jährlich rund 3 Millionen Dollar in die Produktionsgesellschaft von Cruise. Einer der neuen Investoren ist Daniel Snyder, dem der Football-Club Washington Redskins gehört und der Verwaltungsratschef und Großaktionär bei der Freizeitparkkette Six Flags ist. Auch der Vorstandsvorsitzende von Six Flags, Mark Shapiro, ist unter den neuen Cruise-Finanziers.

Geschäft an den Kinokassen katastrophal

Diese Allianz ist aber völlig unabhängig von dem in Aussicht gestellten angeblichen Engagement von Hedge-Fonds für die tatsächliche Produktion von Filmen. Solche Engagements gab es in den vergangenen Jahren zuhauf, Finanzinvestoren haben Milliardenbeträge in die Filmindustrie gepumpt. Dabei geht es der Branche alles andere als glänzend: Das Geschäft an den Kinokassen im vergangenen Jahr war katastrophal, in diesem Jahr läuft es zwar etwas besser, dafür gerät das Geschäft mit DVDs zunehmend ins Stocken.

In diesem Jahr gab es gerade bei Projekten, die von Finanzinvestoren gestützt wurden, Mißerfolge. Der Hedge-Fonds Stark Investments hat zum Beispiel mehr als 500 Millionen Dollar in eine Reihe von Filmen der Warner-Studios investiert. Einige dieser Streifen wurden zu Kassenflops, vor allem der Katastrophenfilm „Poseidon“.

„Mission Impossible III“ verfehlt Erwartungen

Mäßig erfolgreich waren auch Projekte des Investmentfonds Legendary Pictures, hinter dem bekannte amerikanische Finanzdienstleister wie die Bank of America stehen. Zu den Investitionen von Legendary Pictures gehört der kürzlich in Amerika schwach gestartete Animationsfilm „Lucas, der Ameisenschreck“.

Ob gerade Tom Cruise ein attraktives Investitionsprojekt wäre, ist ohnehin fraglich. Viacom-Vorstandschef Sumner Redstone hatte Cruise in der vergangenen Woche vorgeworfen, dessen „Verhalten in jüngster Zeit“ habe dem Einspielergebnis seines letzten Films „Mission Impossible III“ geschadet. Damit dürfte Redstone vor allem das zunehmend aggressive Eintreten von Cruise für die Scientology-Sekte gemeint haben, deren prominentestes Mitglied er ist. Redstone meinte, das ramponierte Image von Cruise habe den Film 100 Millionen bis 150 Millionen Dollar an den Kinokassen gekostet. Der im Mai angelaufene Streifen „Mission Impossible III“ hat bisher 400 Millionen Dollar im Kino eingespielt, weniger als erwartet.

Quelle: F.A.Z., 30.08.2006, Nr. 201 / Seite 16, lid.
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