07.11.2006 · Der italienische Medienkonzern Mediaset hat sein Interesse an der deutschen Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe bestätigt. Mediaset wird von der Familie des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrolliert.
Italiens größter privater Medienkonzern Mediaset hat nun auch offiziell sein Interesse an der deutschen Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe angemeldet. Das teilte die von der Familie des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrollierte Mediaset-Gruppe am Dienstagabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit.
Ein möglicher Deal mit der deutschen Senderkette wäre für Berlusconi der erste Schritt auf einen Auslandsmarkt seit der Übernahme eines Mehrheitsanteils an der spanischen Fernsehstation Telecinco vor vier Jahren.
Frist bis Mitternacht
Jetziger Mehrheitseigner von Pro Sieben Sat.1 ist eine Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban. Diese Investorengruppe hatte möglichen Kaufinteressenten eine Frist bis zum Dienstag um Mitternacht für unverbindliche Kaufangebote genannt. Nach Angaben von Mediaset waren Saban und seine Partner über eine Bank an das italienische Unternehmen herangetreten, um sich unverbindlich an einem Auktionsverfahren zu beteiligen.
Mediaset teilte am Dienstag abend keine Einzelheiten zu einem möglichen Angebot mit. Das gesamte Verfahren unterliege strikter Geheimhaltungspflicht, erklärte das Unternehmen, das zugleich seine Quartalszahlen vorlegte.
Weitere Bieter erwartet
Mediaset ist der erste Bieter, der sein Interesse an Pro Sieben Sat.1 öffentlich bekundet hat. Es wird erwartet, daß sich außerdem vor allem Finanzinvestoren um den Kauf der Sendergruppe bemühen. Als potentielle Kaufinteressenten werden unter anderem Apax Partner, Goldman Sachs, Permira und KKR gehandelt. Ein erster Verkaufsversuch an den Axel Springer Verlag war zu Jahresbeginn am Veto des Bundeskartellamts gescheitert.
Dem Vernehmen nach wollen die Verkäufer für ihre Kapitalmehrheit von 50,5 Prozent einen Erlös mehr als 3 Milliarden Euro erzielen, mit Springer war im Sommer 2005 dagegen lediglich ein Preis von 2,45 Milliarden Euro vereinbart worden. Das Geschäft von Pro Sieben Sat.1 hat in den vergangenen Monaten von der anziehenden Werbekonjunktur profitiert. Mediaset berichtete dagegen am Dienstag über schrumpfende Erträgen im laufenden Geschäftsjahr. In den ersten neun Monaten 2006 ist zwar der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozent auf 2,67 Milliarden Euro gewachsen. Zugleich brach aber der Nettogewinn um 20,5 Prozent auf 369 Millionen Euro ein.
Kritik von deutschen Medienaufsehern
Bei deutschen Medienaufsehern war das Interesse von Mediaset in der Vergangenheit auf Vorbehalte gestoßen. „Berlusconi hat nie einen Hehl daraus gemacht, daß er die Medien für politische und persönliche Zwecke instrumentalisiert. Das entspricht nicht unserem Verständnis von Fernsehen“, hatte der Direktor der nordrhein-westfälischen Landesmedienanstalt, Norbert Schneider, gegenüber der F.A.Z. gesagt.
Der frühere italienische Ministerpräsident ist wegen der Verquickung von politischen und geschäftlichen Interessen auch in Italien umstritten. Rechtlich wäre gegen eine Übernahme von Pro Sieben Sat.1 durch Mediaset allerdings nichts einzuwenden, sagte Schneider: „Es gibt keine medienrechtlichen Instrumente, um einen Investor wie Berlusconi auszuschließen. Ob dieser Eigner erwünscht wäre, müßte die Politik diskutieren.“
Skepsis in der Politik
Das Interesse von Mediaset war im Vorfeld auch schon auf Kritik in der Politik gestoßen. Die Beteiligung ausländischer Investoren an deutschen Medienunternehmen sollte begrenzt werden, hatte die SPD-Medienkommission gefordert. „Ausländische Investoren sind uns auf dem Medienmarkt herzlich willkommen, aber sie sollten sich nur mit bis zu 25 Prozent an deutschen Unternehmen beteiligen dürfen“, sagte der Kommissions-Vorsitzende Marc Jan Eumann der Nachrichtenagentur dpa.
Auch in der Union regte sich Widerstand. „Wir betrachten die Bemühungen des italienischen Medienunternehmens Mediaset, den Fernsehsender Pro Sieben Sat.1 zu übernehmen, mit Sorge“, teilten die Unions-Medienexperten Wolfgang Börnsen und Reinhard Grindel am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung in Berlin mit. Es müsse im Interesse aller medienpolitisch Verantwortlichen sein, „daß auch bei privaten Fernseh-Anbietern ein Mindestmaß an qualitativ guten und politisch unabhängigen Programmen gewährleistet ist“, erklärten die CDU-Politiker. Der SPD-Vorschlag, ausländischen Medienunternehmen nur eine Minderheitsbeteiligung zuzugestehen, werde jedoch in der EU auf wettbewerbsrechtlichen Bedenken stoßen.
| Name | Kurs | Prozent |
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