24.02.2007 · Das MP3-Format hat das Geschäftsmodell der Musikindustrie völlig auf den Kopf gestellt. Kaum eine andere Technik hat im Alltag der Menschen so tiefe Spuren hinterlassen. Ein Überblick von FAZ.NET anlässlich des entflammten MP3-Streits.
„Sie wissen, dass das, was Sie da tun, die Musikindustrie zerstören wird?“ Diese Frage richtete Mitte der neunziger Jahre der junge indisch-britische Geschäftsmann Ricky Adar an Karlheinz Brandenburg, der damals am Fraunhofer Institut für integrierte Schaltkreise in Erlangen an einem neuen Format zur Speicherung und Übermittlung von Musik arbeitete.
Heraus kam das MP3-Format, und Adar wollte einer der Ersten sein, der einen Musikvertrieb auf der Basis des MP3-Formates im gerade wachsenden Internet anbieten wollte. Medienberichte wiesen dieser Entwicklung schon damals die „Sprengkraft einer Atombombe für die Musikindustrie“ zu. Beide Sätze haben sich in der Folge als zutreffend herausgestellt, auch wenn man von Ricky Adars Musikvertrieb nie wieder etwas gehört hat.
Frequenzen-Filter
Kaum eine andere Technik hat ihre Spuren in den vergangenen Jahren so tief im Alltag der Menschen hinterlassen wie die Erfindung des MP3-Formats zur Speicherung von Musik- oder sonstigen Tondokumenten. Das Kürzel MP3 steht für „Iso MPEG Audio Layer 3“ und bezeichnet nichts anderes als eine Software, die es ermöglicht, Musik auf dem Computer auf einem Bruchteil des Platzes zu speichern, der bisher dafür erforderlich war. MP3 reduziert den Speicherbedarf auf weniger als ein Fünftel der ursprünglichen Datenmasse für Musik - ohne einen wirklich hörbaren Qualitätsverlust.
Der Trick dabei ist einfach: Die Software filtert einfach alle Frequenzen aus den Musikstücken heraus, die vom menschlichen Gehör sowieso nicht differenziert wahrgenommen werden können, da der Unterschied zu den vorherigen Tönen zu gering war. Erst dadurch wurde es möglich, größere Musiksammlungen auf dem Rechner zu speichern und vor allem über das Internet zu übertragen.
Napster und Apple als Wegbereiter
Den endgültigen Durchbruch schaffte MP3 aber dank zweier Unternehmen. Auf der einen Seite stellte Shawn Fenning mit seiner Musiktauschbörse Napster Anfang des Jahres 2000 endgültig klar, dass das klassische Modell des Musikgeschäftes angesichts der unbegrenzten und einfachen Reproduzierbarkeit der MP3-Stücke ausgedient hatte. Millionen von Nutzern bedienten sich an dem üppig bestückten Napster-Büffet, und die Verkäufe der Plattenindustrie mussten bis dahin ungekannte Rückgänge hinnehmen.
Auf der anderen Seite kam der bis dahin eher auf Computer und Software fokussierte Apple-Konzern auf die Idee, einen kleinen Musikabspieler namens iPod auf den Markt zu bringen, der genau auf das MP3-Format setzte. Am 23. Oktober des Jahres 2001 wurde die erste Generation dieser Geräte vorgestellt.
Absatz steigt um dreistellige Prozentsätze
Parallel dazu wurde von Apple die iTunes-Software kostenlos ins Internet gestellt, die noch immer als das beste Programm zur Verwaltung größerer Musikarchive auf dem Computer gilt. Der Erfolg des iPod war so durchschlagend, die Schlangen vor den Apple-Läden rund um den Globus so lang, dass sich sämtliche Wettbewerber aus der Unterhaltungselektronik sofort auf den Weg machten, um diesen Markt nicht an sich vorbeigehen zu lassen. Der Nachfolger des Walkman, der einst Sony groß gemacht hatte, war geboren.
Die Absatzzahlen für diese Geräte stiegen bis heute um dreistellige Prozentsätze pro Jahr und dürften auch in den kommenden Jahren weiter zulegen. Dies gilt, obwohl die offizielle Statistik für das vergangene Jahr erstmals ein leichtes Minus im Absatz in Deutschland ausweist. Fast 850 Millionen Euro haben die Deutschen im Jahr 2006 für rund 7,4 Millionen dieser Geräte ausgegeben.
Musikindustrie kapituliert
Nicht eingerechnet werden in diese Zahl allerdings die Handys, die inzwischen zu einem großen Teil mit sehr leistungsfähigen MP3-Playern ausgestattet sind und dem iPod und ähnlichen Geräten deutliche Konkurrenz machen. Daher ist das jüngst von Apple vorgestellte iPhone auch weniger der Angriff auf den Handymarkt, sondern eher die Absicherung des Kundenstammes für den iPod gegenüber der wachsenden Konkurrenz durch die integrierten Geräte.
Heute hat sich MP3 als Format völlig etabliert, und viele Geräte wie zum Beispiel die meisten neueren Autoradios oder auch die DVD-Player im Wohnzimmer sind in der Lage, das Format zu lesen. Die Musikindustrie hingegen hat eingelenkt und verkauft ihre Titel jetzt auch online - zum Beispiel im Apple-Music-Store und natürlich im MP3-Format
Mp3 Bombe
harald schneider (asklepion)
- 24.02.2007, 10:02 Uhr
Der Begriff Bombe...
Andreas Wessels (PhunkyData)
- 24.02.2007, 17:25 Uhr
MP3 bei iTunes?
Bastian Doetsch (bdoetsch)
- 24.02.2007, 18:03 Uhr
falsch
Jochen H. (joho21)
- 24.02.2007, 19:25 Uhr
Download ist genauso strafbar
Friederine Teich-Erdmann (Teich-Erdmann)
- 24.02.2007, 19:28 Uhr
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