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Veröffentlicht: 12.09.2010, 16:03 Uhr

FAZ.NET-Spezial Die Frauenfalle

Frauen und Männer starten gemeinsam in die Berufswelt - und auf der ersten Stufe der Karriereleiter. Doch oben auf der Leiter kommen meist nur die Männer an. Was ist los? Dürfen die Frauen nicht, oder wollen sie nicht?

von und
© Getty Images/fStop Kinder und Karriere - weiterhin nur unter Mühen zu vereinbaren

Ganz oben, wo die kalten Winde pfeifen und die wichtigen Entscheidungen gefällt werden, ist die Welt männlich. Der Befund ist altbekannt und verblüffend zählebig, er gilt für Unternehmen, für die Verwaltung, aber auch für die Wissenschaft und selbst für die Politik im Land der Kanzlerin Angela Merkel. Frauen sind auf den oberen Hierarchieebenen so rar wie vierblättrige Kleeblätter. Man freut sich, sie zu sehen, nicht selten werden sie ausgerupft. Die Konzentration der Topjobs in Männerhand ist schon rein zahlenmäßig grotesk, gibt es doch genauso viele Frauen wie Männer und inzwischen sogar mehr Akademikerinnen als Akademiker. Von den Universitäten und Business Schools strömen qualifizierte Juristinnen, Betriebswirtinnen, Ökonominnen und Ärztinnen auf den Arbeitsmarkt. Und ja, es kommen auch immer mehr Ingenieurinnen, Mathematikerinnen, Chemikerinnen.

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Diese Frauen sind hoch begehrt, lassen sich von ihren Lieblingsarbeitgebern hofieren, verhandeln mit knallhartem Charme, unterschreiben ihren hochkarätigen Vertrag und legen dann so richtig los. Um nach ein paar Jahren von der Bildfläche zu verschwinden. Bis sie ihren 30. Geburtstag feiern, laufen die Karrierewege der Männer und Frauen weitgehend parallel (siehe Grafik). Dann kommen die Frauen von ihrem Weg ab, als seien sie in eine Fallgrube gestolpert. Ein paar von ihnen krabbeln irgendwann aus dieser Grube zurück ans Tageslicht und landen an der Spitze, bejubelt von den Medien als die erfolgreichen Ausnahmen.

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Und wo bleibt der Rest? Irgendetwas passiert in den magischen Jahren zwischen 30 und 40. Wie kann man mehr qualifizierte Frauen im Beruf halten? Und: Wollen sie das überhaupt? Fest steht, dass sie es können. Unterschiede zwischen Mann und Frau in Intelligenz, kognitiven Fähigkeiten oder in anderen Varianten der Führungskompetenz, die Mitte der siebziger Jahre noch als angeboren beschrieben wurden, sind kein Grund für die Disparität. Sie haben sich als künstliche Konstrukte der Männer-Kartelle erwiesen.

Die Frauenfalle Kinder und Karriere - weiterhin nur unter Mühen zu vereinbaren © Getty Images/fStop Bilderstrecke 

Seit Frauen höhere Bildung genießen, zeigt sich, dass aus ihnen genauso viel herausgeholt werden kann wie aus Männern. Häufig schneiden junge Frauen besser in der Schule ab, oft auch in akademischen Abschlüssen. Nur in Mathematik, Naturwissenschaften und Agrarwirtschaft liegen Frauen leicht hinter den Männern. Selbst am Anfang der Karrieren haben Männer und Frauen einen ähnlich guten Start. Frauen unter 30 sind mit einem Anteil von 43 Prozent fast genauso stark in Leitungspositionen vertreten wie gleichaltrige Männer, sie werden auch noch gleich entlohnt. Doch mit 40 sinkt die weibliche Repräsentanz auf 20 Prozent. Insgesamt ist höchstens jede dritte Führungskraft in der Privatwirtschaft weiblich. Das war 2006 so, das war auch 2008 so, beklagt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Ende 2009 sei der Frauenanteil in den Vorständen der Top-100-Unternehmen unter die Ein-Prozent-Marke gerutscht.

Männer stiefeln auf dem Karrierepfad voran, Frauen bleiben zurück

Zwischen 30 und 40 liegt also eine Dekade an Lebensjahren, in denen Männer munter auf ihren Karrierepfaden voranstiefeln, während Frauen zurückbleiben. Und die wenigsten erleben ein großes Comeback. Mutterschaft ist das Thema. Vor allem Frauen haben das Gefühl, sie müssen sich entscheiden zwischen Kind und Karriere. Die Frage wird für Frauen virulent, wenn sie die 30 überschritten haben. Ihre Partner sind entspannter, die Zeitspanne der männliche Zeugungsfähigkeit ist groß.

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