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FAZ.NET-Spezial „Das Zeitalter der erneuerbaren Energien beginnt“

01.06.2004 ·  Mit großen Versprechungen ist die Welt-Energiekonferenz gestartet. Ein „klares Signal“ werde von Bonn aus um den Globus gehen, künftig auf erneuerbare Energien zu setzen. Doch wird das Signal auch gehört?

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Mit eindringlichen Appellen, die Energieversorgung in aller Welt umzustellen, ist am Dienstag in Bonn eine internationale Konferenz für erneuerbaren Energien eröffnet worden. Es gehe nicht um allgemeine Erklärungen, sondern um Aktion, sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin zur Eröffnung. „Das Zeitalter der Erneuerbaren beginnt jetzt“. An der viertägigen Konferenz „Renewables 2004“ nehmen auf Einladung Bundeskanzler Schröders 154 Regierungsdelegationen teil. Insgesamt sind mehr als 3000 Vertreter von internationalen und nationalen Institutionen, Unternehmen, Nichtregierungsorganisation und Umweltverbänden nach Bonn gekommen.

Die Konferenz kann keine rechtlich bindenden Beschlüssen fassen. Vorgesehen ist aber, ein Aktionsprogramm zu verabschieden, in dem Regierungen und Staatengruppen ihre Programme zur Förderung erneuerbaren Energien darlegen. Mehr als 70 Beiträge liegen schon vor. Zudem ist eine gemeinsame politische Erklärung vorgesehen. Darin sollen sich die anwesenden Regierungen verpflichten, bis zum Jahr 2015 eine Milliarde Menschen mit Energie aus erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind, Wasserkraft und Biomasse zu versorgen. Auch von den Vereinigten Staaten, die dem Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz kritisch gegenüberstehen, wird ein Beitrag erwartet. Schließlich soll die Konferenz noch Empfehlungen an die Politik verabschieden, die sich insbesondere an die Entwicklungsländer richten.

Milliarden ohne Zugang zu moderner Energie

Klimaschutz ohne wirtschaftliche Entwicklung werde die Armut nicht beseitigen, sagte Trittin. Entwicklung ohne Klimaschutz zerstöre die Grundlagen der Entwicklung selbst. Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wiczorek-Zeul sagte, Armutsbekämpfung und Wirtschaftswachstum setzten eine ausreichende Energieversorgung voraus. Der hohe Ölpreis schade der Weltwirtschaft und belaste die Entwicklungsländer. Heute hätten zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu moderner Energie. „Die erneuerbaren Energien leisten einen Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Sie wirken dem Klimawandel entgegen, machen alle Volkswirtschaften unabhängiger vom Öl und sie schaffen qualifizierte Arbeitsplätze,“ sagte die SPD-Politikerin.

Der algerische Minister für Öl und Bergbau, Chakib Khelil, sieht den Zeitpunkt für eine neue Partnerschaft zwischen Nord und Süd gekommen. Die Energiepolitik müsse umgestellt werden. Seine Regierung habe sich der Förderung erneuerbarer Energien verschrieben, um Öl, Gas und Kohle als Basis für die Stromerzeugung nach und nach zu ersetzen. Im Widerspruch zu den Erklärungen auf Konferenz stehen neue Zahlen der Internationalen Energie Agentur (IEA), die in Bonn veröffentlicht werden: Ihnen zufolge ist der Anteil des Energieverbrauchs, der aus erneuerbaren Energien gedeckt wird, in den westlichen Industriestaaten von sechs auf 5,5 Prozent im Jahr 2001 gefallen.

Abgesang auf „Energie-Dinosaurier“

Zur Förderung der Energiewende forderten führende regierungsunabhängige Organisationen (NGO) massive Hilfe für arme Länder. „Wir müssen mit dem Thema Ernst machen, indem wir den politischen Willen zeigen und indem wir das Geld zeigen“, sagte der brasilianische Greenpeace-Vertreter Marcelo Furtado. Bei der Energiewende gehe es auch um Entwicklung und arme Regionen, in denen Menschen nicht einmal Zugang zu Elektrizität haben. „Wir reden über das Überleben.“ Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung mahnte, es sei noch kein Erfolg, daß die Konferenz stattfinde. „Wir wollen mehr Selbstverpflichtung und konkrete Aktion sehen.“

Umweltschützer demonstrierten am Rande der Konferenz für die Verbannung von „Energie-Dinosauriern“. Für Energie aus Öl, Kohle und Gas werde zwar noch Geld hinausausgeworfen, die Technologien seien aber hoffnungslos veraltet. „Über die veralteten Dinosaurier der fossilen Energieversorgung werden sich künftige Generationen im Museum wundern“, sagte Angelika Zahrnt vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Mit dem Slogan „Mein Strom kommt aus dem Wald“ warb die Umweltschutzorganisation WWF für nachwachsende Energiequellen.

Quelle: Stü. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2004, Nr. 126 / Seite 1 / @FAZ.NET, mit Material von dpa
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