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FAZ.NET-Spezial : Das Aus für die Concorde

Concorde - Ready to take off Bild: AP

Ende Oktober ist Schluss: Nach 27 Jahren stellen British Airways und Air France den Linienverkehr mit dem Überschallflugzeug Concorde ein.

          Die Transatlantikflüge mit dem Überschallflugzeug Concorde werden eingestellt. Das teilten am Donnerstag die Fluggesellschaften Air France und British Airways (BA) mit. Den Angaben zufolge soll die Concorde am 31. Oktober 2003 außer Dienst gestellt werden. Air France will schon ab 31. Mai nur noch vereinzelte Flüge durchführen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Concorde ist seit 27 Jahren im Einsatz. Sie ist das einzige Überschallflugzeug, das dauerhaft im zivilen Reiseverkehr eingesetzt wurde. Vor wenigen Tagen war noch spekuliert worden, dass die Concorde 2007 außer Betrieb gehen könne.

          Symbol des Fortschritts und der Unvernunft

          Die Concorde gilt als Symbol des technischen Fortschritts, des nationalen Prestigedenkens und der industriepolitischen Unvernunft. 1962 beschlossen die Regierungen Großbritanniens und Frankreichs den Bau des „Supervogels“, der den Flugverkehr revolutionieren sollte. Gemeinsam wollte man den Amerikanern zeigen, dass Europa in technologischer Sicht mit den Vereinigten Staaten mithalten könne. Der Name „Concorde“ (Eintracht) sollte zugleich europäische Einheit demonstrieren.

          Rank und schlank und pfeilschnell

          Britische und französische Steuerzahler kam die politisch hoch fliegende Idee teuer zu stehen. Über die Höhe der Entwicklungskosten gibt es unterschiedliche Angaben: 1976, vor Beginn des Linienverkehrs, wurden Kosten zwischen 2,4 bis 6,8 Milliarden Dollar genannt. Die staatliche Fluggesellschaft British Airways, die wie die Air France zum Kauf des Überschalljets genötigt wurden, ließ sich politische Zusagen für den Ausgleich der damit verbundenen Verluste zusichern. Die Verluste schätzte die BA 1974 auf 25 Millionen Pfund (rund 40 Millionen Dollar) pro Jahr.

          All diese Zahlen sind unsicher. Sicher ist allein: Es war ein kostspieliges Vergnügen, das Prestigeprojekt in die Luft zu bringen - von dem dann nicht wie geplant mehrere Hundert, sondern gerade mal 16 gebaut wurden. Die Ölkrise und der hohe Kerosinverbrauch des Überschallflugzeugs mit ursprünglich gerade mal 100 Sitzen dämpften das Interesse der Fluggesellschaften rapide und nachhaltig.

          „Wir sind äußerst stolz darauf, dieses wunderbare und einzigartige Flugzeug geflogen zu haben“, sagte BA-Chef Rod Eddington am Donnerstag. „Dies ist das Ende einer fantastischen Ära in der Welt-Luftfahrt.“

          Betrieb nicht rentabel

          Die Gründe sind wirtschaftlicher Natur: Der Betrieb des Überschallflugzeugs rentiert sich nicht mehr - wenn er es je war. Die Kosten für den Unterhalt der Flugzeuge steigen, während vor allem der Geschäftsverkehr auf der Transatlantikroute nachgelassen hat. Airbus hatte in Gesprächen erklärt, dass die Concorde in den kommenden Jahren einer umfassenden Erneuerung hätten unterzogen werden müssen. Diese Investition sei nicht mehr rentabel, hieß es bei British Airways. Die Vorgängergesellschaft von Airbus hatte die Concorde vor 40 Jahren entwickelt und gebaut.

          Bei British Airways mit ihren sieben Concorde fallen durch das Ende des Flugbetriebs Abschreibungskosten über 84 Millionen Pfund (rund 122 Millionen Euro) an. Nach Angaben von Air France kostet die Einstellung des Betriebs der fünf französischen Concorde rund 50 bis 60 Millionen Euro. Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta sagte, die Concorde habe im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von 50 Millionen Euro eingeflogen.

          Vier statt acht Stunden Flugzeit über den Atlantik

          Air France hatte in den vergangenen Monaten nur noch eine Concorde-Auslastung von etwa 40 Prozent erzielt - obwohl die Fluggesellschaft wie auch British Airways Sonderangebote auslobte. Mit Beginn des Irak-Kriegs fiel die Auslastung auf etwa zwanzig Prozent. Am Donnerstag startete eine Concorde der Air France von Paris nach New York mit nur zwölf Passagieren an Bord. Gerade mal 16 der 92 Plätze waren reserviert. Ein Ticket Paris-New York hin und zurück kostet laut Internetseite bei Air France derzeit 8729,86 Euro. British Airways bietet den Flug London-New York und zurück für 3999 Pfund an.

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