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Faule Kredite Spanische Banken sollen 50 Milliarden Euro zurücklegen

Die Banken Spaniens müssen nach dem Willen der neuen Regierung 50 Milliarden Euro für Verluste im Immobiliensektor zurücklegen. Nach der geplatzten Immobilienblase sitzen die Institute auf hohen Verlusten.

© dpa Vergrößern Spaniens Banken sitzen auf hohen Verlusten

Spaniens Banken müssen nach Angaben des spanischen Wirtschaftsministers Luís de Guindos 50 Milliarden Euro wegen fauler Kredite zurückstellen. Die meisten Institute könnten dieses Polster über mehrere Jahre aus ihren Gewinnen bilden, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos in einem am Mittwochabend im Internet veröffentlichten Interview mit der „Financial Times“. Die Regierung habe sich für diesen Puffer entschieden. Damit dürfte die Einrichtung einer staatlich finanzierten Bad-Bank-Struktur vom Tisch sein.

Die Banken müssten ihre Bilanzen ohne weiteres Geld aus der Staatskasse säubern, erklärte de Guindos weiter. „In den meisten Fällen können sie das Geld aus ihren Gewinnen selbst aufbringen.“ Dabei sei es auch möglich, die Rückstellungen über mehrere Jahre zu strecken. Staatliche Hilfen werden laut de Guindos nur in Ausnahmefällen nötig sein.

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Zudem müsse es unter den Sparkassen eine neue Runde der Konsolidierung geben. „Die neuen Rückstellungen sind höher als der Betrag, über den in der Presse gemunkelt wurde“, sagte Javier Sanchez del Val, Händler bei Banco Sabadell in Madrid.

Nach der geplatzten Immobilienblase sitzen die Institute auf großen Verlusten. Rund die Hälfte des noch gehaltenen Engagements bei Immobilienentwicklern im Volumen von insgesamt 338 Milliarden Euro gilt als problematisch. De Guindos sagte der Financial Times jedoch, in den meisten Fällen könnten die Banken die Rückstellung über mehrere Jahre hinweg aus ihren eigenen Gewinnen bilden. Das Finanzministerium bestätigte die Interviewzitate.

Die Caixabank gab gegen Mittag um 2,8 Prozent nach, Banco Santander rutschte 2,9 Prozent ins Minus und die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria fiel um 2,5 Prozent. Auch die Papiere kleinerer Banken gaben nach und der Leitindex IBEX-35 handelte mit minus
1,3 Prozent schwächer als die restlichen Aktienmärkte Europas.

Kabinett berät neue Sparmaßnahmen

Im Anschluss an eine Kabinettssitzung an diesem Donnerstag wird die spanische Regierung voraussichtlich zusätzliche Sparmaßnahmen bekanntgeben. Bislang stellte die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy bereits Pläne zur Einsparung von neun Milliarden Euro und Steuererhöhungen von sechs Milliarden Euro vor. Die zusätzlichen Maßnahmen sollen Spanien ermöglichen, dem Schicksal Griechenlands, Irlands und Portugals zu entgehen und ohne Rettungsgelder des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Union auszukommen.

Spanier fühlen sich betrogen


Neuesten Umfragen zufolge fühlt sich eine Mehrheit der Spanier vom neuen Ministerpräsidenten Rajoy in der Steuerpolitik betrogen. Der konservative Regierungschef habe entgegen allen Versprechungen die Steuern angehoben. Wie aus der am Donnerstag in der Zeitung „El Mundo“ veröffentlichen Umfrage hervorgeht, meinen 58,1 Prozent der Befragten, dass Rajoy gelogen habe. Sogar jeder dritte Wähler der seit dem 22. Dezember regierenden Volkspartei (PP) teile die Ansicht, dass Rajoy in Sachen Steuern sein Wort gebrochen habe.

Rajoy hatte während des Wahlkampfes und nach seinem überwältigenden Sieg am 20. November immer wieder beteuert, dass er als Regierungschef die Steuern nicht anheben werde. Seine erste Maßnahme im Kampf gegen das hohe Haushaltsdefizit war jedoch eine kräftige Erhöhung der Einkommens-, Grund- und Kapitalertragssteuern. Damit will die Regierung rund 6,2 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen.

63 Prozent der Befragten lehnt die Steuererhöhungen ab und ist der Meinung, dass die neue Regierung stattdessen die Staatsausgaben kräftiger hätte kürzen sollen. Die Regierung Rajoy hatte die überraschenden Steuererhöhungen beschlossen, nachdem sie das Haushaltsloch Ende 2011 auf rund 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) statt der von der vorigen Regierung angepeilten 6 Prozent beziffert hatte. Spanien hat sich verpflichtet, den Fehlbetrag im laufenden Jahr auf 4,4 Prozent und 2013 auf den EU-Grenzwert von 3 Prozent des BIP zu senken.
 

Quelle: FAZ.NET mit AFP, Reuters, Dow Jones

 
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