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Faule Kredite Lehren aus der Kreditkrise

08.04.2008 ·  Krisen sind auch Wendepunkte. Sie geben Anlass, zu analysieren, was getan werden muss, um Fehlentwicklungen künftig zu vermeiden. Systemgefährdende Auswüchse muss die Aufsicht in jedem Fall verhindern - auch wenn die Branche aufheult.

Von Benedikt Fehr
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Krisen sind immer auch Wendepunkte. Sie geben Anlass, zu analysieren, was getan werden muss, um solche Fehlentwicklungen künftig zu vermeiden. Daher werden in diesen Tagen mehrere Institutionen, darunter der weltgrößte Bankenverband Institute for International Finance (IF) und das Financial Stability Forum (FSF), ein internationales Gremium der Bankaufseher, Notenbankgouverneure und Finanzminister, Vorschläge vorlegen, wie die aktuelle Finanzkrise einzudämmen ist und welche Lehren aus ihr gezogen werden müssen.

Die einzelnen Institutionen werden dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen – nicht zuletzt, um von eigener Verantwortung abzulenken und unliebsamen Konsequenzen für sich selbst vorzubeugen. Es zeichnet sich daher ein Wirrwarr von Vorschlägen ab: Manche werden eher grundsätzliche Reformen anregen, die das Finanzsystem stabiler machen sollen, andere hingegen werden auf kurzfristiges Krisenmanagement zielen. Tatsächlich gibt es Anlass zu Besorgnis, dass die Stabilität des Finanzsystems bedroht ist.

Es gilt abzuwägen

Um einen Vergleich zu wagen: Um die Unfallhäufigkeit im Straßenverkehr zu verringern, kann man für mehr Geschwindigkeitskontrollen plädieren; oder für härtere Strafen für Schnellfahrer; oder für mehr Ortsumgehungsstraßen; oder für ein Tempolimit auf Autobahnen; oder eine Drosselung der Motoren auf Höchstgeschwindigkeit 110 Stundenkilometer. Jede dieser Maßnahmen hat Vor- und Nachteile, ganz unterschiedliche Kosten für Autofahrer und die öffentliche Hand. Das gilt es abzuwägen. Nicht diskutabel sind die radikalen Rezepte der Rattenfänger, die den ganzen Autoverkehr abschaffen wollen – und überhaupt die Bewegungsfreiheit der Leute durch den Bau von Mauern.

Zu den Grundprinzipien der Marktwirtschaft zählt, dass es jedem Bürger erlaubt ist, nach persönlichem Gewinn zu streben. Unabdingbar ist aber auch, dass der Staat, der diese Freiheit sichert, dieses Gewinnstreben einschränken muss, wenn es die Ordnung selbst in Gefahr bringt. Ein Beispiel ist die staatliche Monopolkontrolle. Unstrittige Ursache der akuten Krise ist, dass in den vergangenen Jahren ein Übermaß an Krediten vergeben wurde. Nun werden so viele davon faul, dass das gesamte Finanzsystem bedroht ist. Deshalb sind über kurzfristige Krisenmaßnahmen hinaus weiterreichende Reformen nötig.

Die Verlustmöglichkeit bildet normalerweise das Korrektiv

An der übermäßigen Zunahme der Kredite waren viele beteiligt: die Kreditnehmer, die Kreditgeber, die Bankaufseher und Notenbanken. Normalerweise ist das Korrektiv zum Gewinnstreben des Einzelnen, dass er auch empfindliche Verluste erleiden kann, die persönliche Haftung mit dem Privatvermögen. Im gegenwärtigen Vergütungssystem im Finanzgewerbe ist dieses Korrektiv weitgehend ausgehebelt: Die Händler in den Banken und die Manager von Hedge-Fonds sind über Boni zwar stark daran beteiligt, wenn sie in großem Stil Kredite aufnehmen und so kurzfristig die Gewinne steigern; wenn aus ihren Engagements später für ihre Unternehmen und die Volkswirtschaft insgesamt Verluste entstehen, bleiben sie davon aber weitgehend unbehelligt. Das kann so nicht bleiben, dem Korrektiv „persönliche Haftung“ muss wieder mehr Geltung verschafft werden, am besten durch Regeln, die sich die Privatwirtschaft selbst gibt.

Die kreditgebenden Banken unterliegen zwar einer weitreichenden Kontrolle durch die Aufsichtsbehörden. Das hat manche Banken aber nicht daran gehindert, Geschäft in unregulierte Zweckgesellschaften zu verlagern. Gleichzeitig haben Investmentbanken Billionen Euro an Krediten gewährt und daneben noch größere Positionen in Derivate-Geschäften aufgebaut. Die Investmentbank Bear Stearns hatte Derivate-Engagements von mehr als 13 Billionen Dollar. Das lässt erahnen, welches Chaos ein Zusammenbruch ausgelöst hätte. Auch wenn der Finanzbranche das nicht passt: Aufgabe der Aufseher ist es, solche systemgefährdenden Auswüchse zu verhindern. Da ist viel versäumt worden. Ein Ansatzpunkt ist, dass die Kreditgeber Geschäfte, die den „Kredithebel“ vergrößern, künftig progressiv mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen.

Übereifrige Notenbanken

Verantwortung für die Kreditblase tragen auch die Notenbanken. Zum einen waren sie wohl übereifrig, die Konjunktur durch niedrige Leitzinsen zu stimulieren. Zum anderen fühlen sie sich – manche aufgrund ihres gesetzlichen Mandats – vorrangig für die Stabilität der Verbraucherpreise verantwortlich. Weil die übermäßige Kreditexpansion aber vor allem die Vermögenspreise nach oben trieb, unterließen sie es, dem Treiben beizeiten energisch entgegenzutreten. Zu der Krise beigetragen hat zudem, dass die massiven Devisenmarktinterventionen von Ländern wie China die Wirkungsmechanismen der nationalen Geldpolitik störten.

In den großen Notenbanken wird schon seit Jahren diskutiert, wie den wiederkehrenden Vermögenspreisblasen zu begegnen ist. Der Schlüssel liegt in der Begrenzung der Kreditvergabe, doch ob ihr Mandat und ihr Instrumentarium aufgabengerecht sind, ist fraglich. Einer Versuchung müssen die Notenbanken aber auf alle Fälle widerstehen: Den Schuldnern ihre Last dadurch zu verringern, dass sie Geldentwertung zulassen – denn Inflation trifft vor allem die Schwächsten.

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