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Familienförderung Führt die Kinderrente ein!

Gegen die Trittbrettfahrer im Rentensystem: Paare ohne Nachwuchs dürfen nicht länger bevorzugt werden. Ein Plädoyer des Wirtschaftsforschers Hans-Werner Sinn für Familienförderung.

© picture-alliance / dpa/dpaweb Vergrößern Gibt's fast nur noch im Film: Steve Martin, Bonnie Hunt u.a. in „Im Dutzend billiger”

Deutschland hat die Rentenversicherung erfunden und steht in der OECD- Statistik der Geburten pro tausend Einwohner an letzter Stelle. Diese Koinzidenz ist kein Zufall. Während viele der Gründe für Kinderarmut auch in anderen Ländern gelten, hat in Deutschland die Rentenversicherung die Bedeutung der Kinder für die Altersvorsorge früher aus dem Bewußtsein der Menschen ausgeblendet als andernorts. Kein junges Paar denkt heute noch an seine Versorgung im Alter, wenn es sich für Kinder entscheidet.

Die drei klassischen Motive für Kinder sind Sex, Kinderliebe und Alterssicherung. Die Medizin hat den Sex abgekoppelt, Bismarck die Alterssicherung. Nur noch die Kinderliebe blieb übrig, aber offenkundig reicht sie nicht aus, die für den Erhalt der Bevölkerung und die Sicherung der Renten hinreichende Kinderzahl zu gewährleisten.

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Double income, no kids

Bismarck hat die Lebensplanungen und das Wertesystem der Deutschen so nachhaltig verändert, weil er die ökonomischen Erträge der Erziehungsleistung sozialisiert hat. Vor Bismarck war klar, daß man Kinder brauchte, um im Alter auskömmlich leben zu können. Nach Bismarck funktionierte das Leben auch ohne Kinder. Die Tante und der Onkel, die keine Kinder hatten, kamen im Alter gut zurecht, und ihr Lebensstil fand von Generation zu Generation immer mehr Nachahmer. Heute wird die Dink-Familie als attraktives Lebensmodell angesehen: „Double income, no kids“. Mit zwei Einkommen für zwei Personen lebt es sich besser als mit einem für fünf.

Hans-Werner Sinn Kinderrente © picture-alliance/ dpa/dpaweb Vergrößern Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn

Man kann die Rentenversicherung als Versicherung gegen Kinderlosigkeit rechtfertigen. Wenn alle Menschen gleich viele Kinder hätten, brauchte man diese Versicherung eigentlich nicht, denn jeder könnte seine Rente von den eigenen Kindern beziehen. Doch einige Menschen können keine Kinder bekommen, und auch sie sollen im Alter nicht hungern. Also erlaubt man ihnen den Zugriff auf die Kinder anderer Leute. Das ist ein im Grundsatz sinnvoller Gesellschaftsvertrag.

Trittbrettfahrer im Rentensystem

Das Problem ist nur, daß die Rentenversicherung einen Vollkaskoschutz gegen Kinderlosigkeit bietet, der auch eine Vollkaskomentalität erzeugt. Immer mehr Deutsche entscheiden sich im heutigen Rentensystem für das Trittbrettfahren. Die Rentenversicherung hat die Krise, unter der sie leidet, selbst mit herbeigeführt. Wegen der fehlenden Kinder müssen in Deutschland schon in dreißig Jahren doppelt so viele Rentner pro Beitragszahler ernährt werden wie heute.

Die Riester-Rente ist eine prinzipiell sinnvolle Reaktion zur Linderung der absehbaren Verteilungsprobleme zwischen den Generationen. In dem Maße, wie heute gespart wird, stehen später mehr Mittel für den Lebensunterhalt der Rentner zur Verfügung. Die richtige Devise, die der wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft ausgab, als er die Riester-Rente entwarf, lautet: Was an Humankapital fehlt, muß durch Realkapital ersetzt werden, denn eine Gesellschaft, die weder Kinder kriegt noch spart, muß im Alter hungern. Von nichts kommt nun mal nichts.

Der Konstruktionsfehler von Riester

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