17.05.2008 · Nathalie Hummel arbeitet als freie Texterin, ihr Mann Thomas Kraut, hat voriges Jahr eine Werbeagentur gegründet. Mit ihren zwei Kindern bräuchten sie eigentlich eine Vierzimmerwohnung. Leisten können sie sich aber nur zwei Zimmer. Trotzdem sind sei glücklich: „Uns geht es doch gut.“
Anderthalb Jahre hat sie es im Büro ausgehalten. Dann hat sie gekündigt. Das war 1996. „Seither habe ich nie wieder als Angestellte gearbeitet“, erzählt Nathalie Hummel. Sie mag es nicht, „Vorgesetzten nach dem Mund zu reden“. Seit zwölf Jahren arbeitet die 38-Jährige als Texterin auf eigene Rechnung, macht „alles außer Mode“, vor allem IT und Technik.
Ihr Mann, Thomas Kraut, hat voriges Jahr „Ars Cordis“ gegründet, eine Werbeagentur. Aber das Geschäft braucht Anlaufzeit. „Richtig viel Kohle kommt noch nicht rein.“ Haupternährerin der vierköpfigen Familie ist Nathalie Hummel.
Einmal hat sie sich tatsächlich bei einem Callcenter vorgestellt
Sehr wohlhabend ist die Familie nicht, sie lebt aber auch nicht am unteren Rand der Mittelschicht. „Mit Kindern wäre ein festes Gehalt nicht schlecht“, denkt die Stuttgarterin gelegentlich. Besonders in der Krise nach dem 11. September 2001. Damals hat sie sich tatsächlich einmal bei einem Callcenter vorgestellt. „Es war fürchterlich.“
Auch für ihren Mann kommt eine Festanstellung nicht in Frage. Es geht auch anders, sind beide sicher. Ist die Auftragslage eine Zeitlang „sehr entspannt“, gerät Hummel nicht mehr in Panik. Dann fährt sie mit den Kindern zum Picknick in ihren Schrebergarten und denkt: „Uns geht es doch gut.“ Nicht, dass die Akademikerin je Mitglied im Schrebergarten-Verein werden wollte. „Im Leben nicht.“ Aber was will man machen mit zwei Kindern mitten in Stuttgart in einer Wohnung ohne Balkon?
Eigentlich brauchen sie vier Zimmer
Die Zweizimmerwohnung gehört ihnen auf Dauer, doch sie brauchen eigentlich vier Zimmer. Dafür fehlt das Geld. Es fließt stattdessen in die Aktivitäten der Kinder. Schrebergarten-Miete, Jahreskarten fürs Freibad, Tanzunterricht, Schwimmkurs, der Hort- und der Kindergartenplatz. „Und Biokost ist uns wichtig.“ Hummels Lebensziel ist es, „den Kindern keine Schulden zu hinterlassen“. Fürs Alter haben sie vorgesorgt, mit privater Rentenversicherung, Aktienfonds und Immobilien. Für die Kinder haben sie Ausbildungsversicherungen abgeschlossen.
Einen Abend in der Woche jobbt Nathalie Hummel in einer Bar, auf 400-Euro-Basis. Davon gehen sie essen oder finanzieren einen Wochenend-Trip. Mehr ist nicht drin. „Macht aber nichts“, findet sie. „Am Polarkreis war ich schließlich schon.“ Während eines Auslandssemesters in Finnland.
Zum nächsten Fallbeispiel: Angst vor dem Abstieg: Beispiel Familie Lohner
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