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Fall Sarrazin Bundesbank ohne Geschäftsmodell

10.10.2009 ·  Was macht ein Unternehmen, dem das Geschäftsmodell abhandengekommen ist? Es beschäftigt sich mit sich selbst. Besonders gut eignen sich Intrigen, Stellungs- und Machtkämpfe. Denn die können dauern und überbrücken viel Zeit.

Von Rainer Hank
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Was macht ein Unternehmen, dem das Geschäftsmodell abhandengekommen ist? Es beschäftigt sich mit sich selbst. Besonders gut eignen sich Intrigen, Stellungs- und Machtkämpfe. Denn die können dauern und überbrücken viel Zeit. So ungefähr muss man sich die Deutsche Bundesbank vorstellen, über die man natürlich nie so despektierlich reden dürfte. Doch Fakt ist: Seit es die Europäische Zentralbank gibt (das ist zehn Jahre her), wird der Preis des Geldes nicht mehr von den Bundesbankern bestimmt. Jedoch die Bundesbank gibt es immer noch, nur unwesentlich geschrumpft.

Gewiss, die Bundesbank ist deshalb nicht arbeitslos. Ein Bäcker, der kein Brot und keine Brötchen mehr verkauft, kann trotzdem wie bisher Zeitungen und Gummibärchen verkaufen. Aber Ehre und Nimbus sind doch einigermaßen beschädigt. Unabhängigkeit, das Zauberwort, das die Bundesbank bei jeder Gelegenheit als Schutzschild präsentiert, war ihr ja vor allem deshalb garantiert, damit weder Politiker noch Gewerkschafter eine Senkung der Leitzinsen durchsetzen können, wenn Inflationsgefahren das Gegenteil geboten. Bundesbankpräsident Axel Weber weiß das natürlich: Fieberhaft sucht er neue Bedeutung als künftig alleiniger Bankenaufseher.

Dies alles wirft ein Licht auf die Affäre Sarrazin. Einen "Reputationsschaden" für die Bank, den verbrochen zu haben Präsident Axel Weber seinem Vorstandskollegen Thilo Sarrazin nach dessen Äußerungen über Wärmestuben und Kopftuchmädchen vorwarf, hat die Bank durch die europäische Kastrierung längst hinter sich. Eine Institution, deren Bedeutung inzwischen auf das Normalmaß einer besseren Bundesbehörde herunter gekommen ist, kann durch die ein oder andere törichte Bemerkung eines Mitarbeiters auch nicht mehr ganz so sehr beschädigt werden.

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Jahrgang 1953, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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