22.02.2007 · Der Anschub der Wirtschaft durch vorgezogene Käufe vor der Mehrwertsteuererhöhung im Januar ist weniger stark ausgefallen, als Volkswirte und Konjunkturbeobachter es ursprünglich erwartet hatten. Der monatliche Konjunkturbericht der F.A.Z.
Von Patrick WelterDer Anschub der Wirtschaft durch vorgezogene Käufe vor der Mehrwertsteuererhöhung im Januar ist weniger stark ausgefallen, als Volkswirte und Konjunkturbeobachter es ursprünglich erwartet hatten. Das kräftige Wachstum der deutschen Wirtschaft zum Jahresschluss 2006 gründete vor allem im Außenhandel, während die Binnenwirtschaft nur einen moderaten Beitrag leistete.
Diese überraschende Entwicklung zeigt sich in den detaillierten Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, die das Statistische Bundesamt am Donnerstag vorlegte. Danach lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) real im Zeitraum von Oktober bis Dezember 0,9 Prozent höher als im Vorquartal und 3,5 Prozent höher als vor einem Jahr. Der starke Jahresabschluss führte dazu, dass die Wirtschaft im Gesamtjahr 2006 um 2,7 Prozent zulegte. Stärker war die Wirtschaft zuletzt im Jahr 2000 mit 3,2 Prozent gewachsen (Kräftiges Wachstum in Deutschland und im Euro-Raum).
Die dominierende Kraft hinter dem Wirtschaftswachstum am Jahresende war entgegen den Erwartungen nicht die Binnenwirtschaft, sondern der Export. Im Volumen und um saisonale Effekte bereinigt lag der Export ganze 6 Prozent höher als im dritten Vierteljahr, in dem er schon um 4,5 Prozent zugelegt hatte. Deutlich geringer stieg der Import um 1,6 Prozent. Zum Teil ist der Exportschwung indes virtueller Natur, weil die Daten für das vierte Quartal durch zahlreiche Nachmeldungen schon früher getätigter Ausfuhrgeschäfte statistisch kräftig überhöht sind. Trotz dieses Sondereinflusses aber bleibt der Außenhandel eine wichtige Stütze des Aufschwungs.
Moderate Binnenwirtschaft: Lagerabbau
Dies gilt umso mehr, weil die Binnenwirtschaft sich nur moderat entwickelte. Geprägt war die inländische Wirtschaftsentwicklung nach Angaben des Statistischen Bundesamtes durch einen drastischen Lagerabbau der Unternehmen. Um der großen Nachfrage Herr zu werden, griffen die Betriebe offensichtlich auf die Bestände zurück und produzierten vergleichsweise wenig neu. Die Bruttowertschöpfung der Unternehmen stieg im vierten Quartal um 0,4 Prozent, was eine spürbare Verlangsamung anzeigt. Die inländische Nachfrage fiel aufgrund des Lagerabbaus um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
In zweifacher Hinsicht darf man diese Zahl indes nicht ganz für bare Münze nehmen: Zum einen handelt es sich bei der rechnerischen Größe Vorratsveränderungen um einen "statistischen Mülleimer", in den die Statistiker all das hineinpacken, was sie den anderen Komponenten noch nicht zuordnen können. Spätere Revisionen könnten den Lagerabbau so weit weniger drastisch erscheinen lassen. Zum anderen aber verdeckt der Lagerabbau, dass die Investitionen und der Konsum im vierten Quartal gewachsen sind. Ohne Vorratsveränderungen trug die inländische Verwendung 0,4 Prozentpunkte zur Quartalswachstumsrate von 0,9 Prozentpunkten bei.
Moderate Binnenwirtschaft: Schwacher privater Konsum
Die Wachstumsbeiträge aus dem Inland kamen zu gleichen Teilen vom privaten Konsum und von den Bruttoanlageinvestitionen. Der Quartalszuwachs des privaten Konsums schwächte sich dabei im vierten Quartal deutlich ab, von einer Wachstumsrate von 0,7 Prozent im dritten Quartal auf nur noch 0,3 Prozent. Offenbar hat der Versuch der privaten Haushalte, der Mehrwertsteuererhöhung im Januar durch frühe Käufe auszuweichen, den Konsum insgesamt am Jahresschluss kaum noch beflügelt, auch wenn der private Verbrauch 1,5 Prozent höher lag als vor einem Jahr. Zwar profitierten Unternehmen wie Automobilhersteller und Möbelbauer von einer extrem starken Nachfrage. Wohl angesichts einer weiterhin moderaten Einkommensentwicklung aber gerieten die Konsumenten nicht in einen Kaufrausch und verringerten ihr Sparvolumen auch weniger stark als noch im dritten Vierteljahr.
Die Bruttoanlageinvestitionen der Unternehmen wuchsen im vierten Quartal nahezu unverändert wie zuvor um 1 Prozent. Im gesamten zweiten Halbjahr 2006 investierten die Unternehmen vor allem in Ausrüstungen zwar deutlich verhaltener als noch in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres. Der seit 2004 andauernde Aufwärtstrend aber ist ungebrochen. Zuletzt wurde er vor allem von den Bauinvestitionen gestützt, die trotz der vorgezogenen Nachfrage vor der Mehrwertsteuererhöhung dennoch langsamer zulegten als noch im Sommerhalbjahr.
Allgemein erwarten Volkswirte für dieses Jahr einen andauernden Aufschwung, wenn auch der BIP-Zuwachs derzeit mit rund 1,8 Prozent deutlich niedriger prognostiziert wird als die 2,7 Prozent im vergangenen Jahr. Im Verlauf rechnen die Volkswirte mit einem sehr schwachen ersten Quartal, an das sich eine abermalige Beschleunigung anschließen soll. Für die wirtschaftliche Entwicklung im ersten Vierteljahr haben die Sonderfaktoren, die den Jahresschluss 2006 bestimmten, indes Folgen.
Verbrauch hat noch nicht Tritt gefasst
Der drastische Exportzuwachs wird nach Einschätzung von Volkswirten dazu führen, dass der Wachstumsbeitrag des Außenhandels am Jahresanfang 2007 im Quartalsvergleich deutlich geringer ausfallen dürfte. Einen vergleichsweise positiven Effekt auf das Wachstum könnte dagegen haben, dass der allseits prognostizierte kräftige Konsumschub am Jahresende 2006 weniger stark ausfiel. Damit sollte der prognostizierte Konsumeinbruch im ersten Quartal 2007 geringer sein als bislang vermutet. Dafür spricht zudem, dass nach den Preisdaten für Januar die Unternehmen zumindest bislang wenig Chancen hatten, die Mehrwertsteuererhöhung auf ihre Kunden überzuwälzen. Dauert dieser Trend an, bleibt den Unternehmen indes weniger Geld für Investitionen.
Das ausgebliebene Konsumfieber am Jahresende 2006 zeigt freilich auch, dass der private Verbrauch trotz der besseren Entwicklung am Arbeitsmarkt immer noch nicht festen Tritt gefasst hat. Im vergangenen Jahr war der Staat daran nicht unschuldig: Auch als Folge des Beschäftigungsaufbaus stiegen die Bruttolöhne und -gehälter in der Summe um 1,5 Prozent. Nach Anzug der kräftig gestiegenen Sozialversicherungs- und Steuerlast blieb netto nur noch ein Plus von 0,3 Prozent übrig.
Geld aus dem Nichts und keiner der dafür wirklich arbeitet
Andreas Wessels (PhunkyData)
- 24.02.2007, 17:06 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
Anonym bewerben? Ist das gut?