http://www.faz.net/-gqe-93wms

F.A.S. exklusiv : Millionen-Betrug mit erfundenen Briefen

Der Tatort: Das Briefzentrum Frankfurt. Millionen echte Briefe kommen hier täglich an. Etliche Millionen wurden offenbar nur erfunden. Bild: Wolfgang Eilmes

Staatsanwälte sind einem riesigen Betrugsfall in der Deutschen Post auf der Spur. Offenbar sind hunderte Millionen Briefe abgerechnet worden, die nie geschrieben wurden und frei erfunden waren.

          Staatsanwälte sind einem großangelegten Betrugsfall in der Deutschen Post auf der Spur. Offenbar wurden dort Hunderte Millionen an Briefen abgerechnet, die erfunden, also nie geschrieben wurden. Der Schaden beläuft sich nach Schätzungen in der Branche auf 50 bis 100 Millionen Euro. Das Geld zahlte die Deutsche Post als Geschädigte an Zulieferfirmen für Ware, die nie angeliefert wurde.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In den Akten der Ermittler, die der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vorliegen, ist von massenhaften „fingierten“ und „nicht existenten Briefen“ die Rede. Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt, das Landeskriminalamt ist eingeschaltet, die Bundesnetzagentur ist ebenso alarmiert. 14 Personen (im Alter von 39 bis 58 Jahren) werden als Beschuldigte geführt, bestätigt der Koblenzer Oberstaatsanwalt Rolf Wissen der F.A.S. „Drei Beschuldigte sitzen in Untersuchungshaft.“

          „Der Betrug ist kinderleicht“

          Aufgeflogen ist der Schwindel im Frühjahr durch Zufall, im Zuge von Ermittlungen in einer Steuersache. Seither gab es mehrere Razzien, zeitweise lag - von der Öffentlichkeit unbemerkt - wegen der Vorfälle für mehrere Tage der Briefverkehr lahm, weil die Deutsche Post wenigstens einmal genau nachzählen wollte: Wie viele Briefe gehen tatsächlich rein und raus, und nicht nur auf dem Papier?

          Der Schwindel funktioniert so: Private Post-Dienstleister erhalten von der Deutschen Post für jeden angelieferten Brief eine Prämie, die bis zu 44 Prozent des Portos beträgt: Je mehr Briefe abgegeben werden, desto mehr. Überprüft wird die Zahl nur in Stichproben. „Der Betrug ist kinderleicht“, berichtet ein Unternehmer aus der Branche. Jede erfundene Sendung ist bares Geld wert. Daraus hat sich offenbar ein großangelegtes kriminelles System entwickelt, mutmaßlich mit Komplizen in der Deutschen Post.

          Ein wichtiger Tatort ist das Briefzentrum in Frankfurt. Vor allem samstags, als die Kontrolle schlecht oder gar nicht besetzt war, wurden dort Briefe registriert, die nie eingegangen sind. Die „Samstagsmengen sind zum größten Teil nicht existente Sendungsmengen“, heißt es in den Akten der Ermittler. Die Deutsche Post bestätigt den groß angelegten Schwindel, schweigt wegen des „laufenden Verfahrens“ zu den Details, sieht sich aber in jedem Fall als Opfer der „Manipulation mit Scheinsendungen“.

          Erfahren Sie mehr über den Betrugsfall bei der Post: ausführlicher Bericht in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 19.11.2017

          Quelle: F.A.S.

          Weitere Themen

          Lichtermeer in Lyon Video-Seite öffnen

          Glühende Stadt : Lichtermeer in Lyon

          Vier Millionen Besucher lassen sich jedes Jahr vom spektakulären Lichterfest in der französischen Stadt bezaubern, die durch Illuminationen, echte Kerzen, Feuerwerk und Kinoprojektionen erstrahlt.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Zwei F-35 Kampfflugzeuge von Lockheed Martin: Das Unternehmen mit Sitz in Bethesda im Bundesstaat Maryland steigerte zuletzt seine Waffenverkäufe um 10,7 Prozent.

          Sipri-Studie : Rüstungskonzerne verkaufen wieder mehr Waffen

          Nordkorea, Nahost, Ukraine - die Spannungen nehmen zu. Davon profitieren internationale Rüstungskonzernen. Wie groß deren Gewinne sind, zeigt eine aktuelle Studie. Ein Land beherrscht den weltweiten Markt.
          Anne Will diskutiert mit ihren Gästen Trumps Nahost-Politik. Dabei kommt es zu manch schrägem Vergleich.

          TV-Kritik „Anne Will“ : Das Recht des Stärkeren

          Bei Anne Will geht es um die Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem. Es kommt zu schrägen Vergleichen. Man redet von der „Anerkennung von Realitäten.“ Doch welche sollen das sein?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.