http://www.faz.net/-gqe-8dlo3

Bargeld : EZB-Rat will offenbar 500-Euro-Schein abschaffen

  • Aktualisiert am

Der EZB-Rat hat die Abschaffung der höchsten Euro-Banknote offenbar bereits schriftlich vereinbart. Nur die technischen Einzelheiten müssen noch geklärt werden.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) denkt nach Aussagen ihres Präsidenten Mario Draghi über eine Abschaffung der 500-Euro-Banknote nach. Allerdings versicherte Draghi am Montag vor dem Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments, dass ein mögliches Ende der 500-Euro-Note nichts mit einer Begrenzung des Bargelds zu tun habe. Kritiker der Maßnahme hatten zuvor auf die Gefahr hingewiesen, dass ein Ende der 500er-Note der erste Schritt hin zur einer kompletten Abschaffung des Bargelds sein könnte.

          Auf die Frage, ob die 500-Euro-Note tatsächlich abgeschafft werden solle, wollte Draghi vor den Parlamentariern nicht eingehen. Er verwies allerdings darauf, dass die größte Banknote im Euroraum für kriminelle Zwecke genutzt werde. „Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten", betonte der Notenbankchef. Eine Abschaffung der größten Banknote würde die Menschen in der Eurozone nicht vom Sparen abhalten, versicherte Draghi weiter. „Wenn sie nicht in 500-Euro-Scheinen sparen, dann eben in 200-Euro-Scheinen.“ Über die Zukunft der größten der insgesamt sieben Euro-Banknoten muss im EZB-Rat entschieden werden. Im obersten Entscheidungsgremium der EZB sitzen die sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums sowie die Chefs der 19 nationalen Notenbanken der Eurozone.

          Der EZB-Rat habe vor kurzem mit großer Mehrheit eine Absichtserklärung zur Abschaffung der größten Euro-Banknote getroffen, berichtete das „Handelsblatt“ am Montag unter Berufung auf Notenbankkreise. Die schriftlich vereinbarte Willensbekundung sei ein Fingerzeig darauf, wie eine in wenigen Monaten geplante endgültige Entscheidung ausgehen werde. Der 25-köpfige Rat habe den Banknotenausschuss beauftragt, die technischen Details zu klären, wie der 500-Euro-Schein aus dem Verkehr gezogen werden könne. Der Ausschuss solle dies innerhalb von zwei bis drei Monaten klären. Die endgültige Entscheidung trifft der EZB-Rat. Eine einfache Mehrheit reiche, schrieb das Blatt.

          500-Euro-Schein wurde auf Druck Deutschlands geschaffen

          Das EZB-Direktorium beschäftigt sich nach früheren Aussagen Draghis schon länger mit dem Thema. Die EU-Finanzminister hatten bei ihrem jüngsten Treffen am Freitag in Brüssel deutlich gemacht, dass sie von der EZB "angemessene Maßnahmen" mit Blick auf den 500-Euro-Schein erwarten. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist allerdings skeptisch, ob eine Abschaffung der 500ers wie auch ein Verbot größerer Bargeldgeschäfte tatsächlich kriminelle Aktivitäten eindämmen können.

          Der 500-Euro-Schein war einst auf Druck Deutschlands und einiger anderer Länder geschaffen worden. In Deutschland hatte es vor der Euro-Einführung einen Schein mit einem Nennwert von 1000 Mark gegeben.

          Die 500-Euro-Banknote macht nur drei Prozent der Euro-Geldscheine aus, steht laut EZB aber für 28 Prozent des Nennwerts des Euro-Bargelds. Der Schein gilt auch als das wichtigste Hilfsmittel, um illegale Einkünfte etwa vor dem Fiskus zu verschleiern und grenzüberschreitend Geldwäsche zu betreiben. Die Terrorfinanzierung war nach den Pariser Anschlägen im November wieder in den Fokus gerückt.

          Weitere Themen

          Wirtschaftsboom nimmt ab Video-Seite öffnen

          Gedämpfte Stimmung : Wirtschaftsboom nimmt ab

          Die Hochstimmung in den deutschen Chefetagen sei vorüber, sagt ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Viele Firmen hätten Kapazitätsgrenzen feststellen müssen. Es gebe jedoch ein Gewerbe, das gegen den Trend läuft.

          Topmeldungen

          Besuch bei Trump : Macrons Mission

          Der Staatsbesuch von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Washington bringt schöne Bilder und herzliche Gesten. Hinter den Kulissen wird seit Wochen hart verhandelt – denn Macron will nicht mit leeren Händen nach Europa zurückkehren.
          Türkische Prediger in Deutschland: Im Auftrag Erdogans?

          Türkische Prediger : 350 Ditib-Imame kamen 2017 nach Deutschland

          Der Dachverband der türkischen Moscheegemeinden werde von Erdogan kontrolliert, heißt es. Im Schnitt reiste vergangenes Jahr fast ein Ditib-Imam pro Tag ein. Die Bundesregierung sei „naiv oder verantwortungslos“, kritisiert die Linke.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.