Home
http://www.faz.net/-gqe-7q3gf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

EZB-Entscheidung Euro-Strafzins

Das ist eine historische Zäsur: Die Europäische Zentralbank hat einen Strafzins für Banken beschlossen, die Geld bei ihr parken. Niemand kann vorhersagen, welche Folgen das haben wird.

© Wresch, Jonas Vergrößern Banken müssen künftig dafür bezahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank parken.

Das ist eine historische Zäsur. Seit Donnerstag befindet sich die Eurozone in einer unbekannten Welt. Erstmals in der Geschichte senkt eine der große Notenbanken den Zins unter die Schwelle von Null. Die Europäische Zentralbank hat einen Strafzins für Banken beschlossen, die Geld bei ihr parken. Wie groß muss im Euro-Tower die Verzweiflung sein, um so viel zu riskieren? Schließlich beruht die gesamte Architektur der Finanzmärkte auf positiven Zinsen. „Das ist das, was normal ist“, hatte einen Tag zuvor Jaime Caruana, der Chef der Zentralbank der Zentralbanken (BIZ), zu bedenken gegeben.

Holger Steltzner Folgen:    

Niemand kann vorhersagen, welche Folgen das haben wird. Was bedeutet das psychologisch? Wird sich das Sparverhalten ändern? In Japan fiel während der Nullzinspolitik die Sparquote fast auf null – und es wurde mehr Bargeld gehortet. Ist es Zufall, dass Zentralbanker in Amerika und Europa ausgerechnet jetzt über die Abschaffung von Bargeld debattieren? Werden die Banken die Strafen in Form von Kosten auf die Kunden überwälzen, wie das in Dänemark geschah? Und was heißt das für die Investitionen von Unternehmen, wenn Kapital keinen Preis mehr hat oder Sparen sogar bestraft wird?

Die Märkte haben ihre Antwort schon gegeben. Die Freude über das Geschenkpaket des EZB-Präsidenten Mario Draghi ist groß, weil zusätzlich die Banken eine weitere Liquiditätsspritze in Höhe von 400 Milliarden Euro bekommen, auf dass sie mehr Kredite an Unternehmen vergeben mögen. Später will die EZB sogar selbst in das Geschäft mit Kreditverbriefungen einsteigen. Auch an der Idee eines Kaufprogramms für Staatsanleihen wird weiter gearbeitet. Diese Botschaften hören die Anleger gern: Es wird solange Geld in die Märkte gepumpt, bis die Wirtschaft der Eurozone wieder wächst. Prompt sprang der Dax über 10.000 Punkte, verlor der Euro zum Dollar ein wenig, fielen die Zinsen der Krisenländer noch ein bisschen.

Mehr zum Thema

Für deutsche Sparer, die sich noch immer an Sparpläne und Lebensversicherungen klammern, obwohl ihr Vermögen ohne Zinseszins entwertet wird, gab es auch einen Rat. Die Zinsen gingen schon wieder nach oben, wenn das Wachstum zurückkehre, sagte Draghi. Was er nicht hinzufügte: Das könnte dann auch für die Inflation gelten. Bis dahin kann es aber noch dauern. Denn die Zinsen sollen für lange Zeit ganz niedrig bleiben.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.06.2014, 17:07 Uhr

Geld rettet Japan nicht

Von Carsten Germis

Die japanische Zentralbank überrascht die Märkte mit einer noch weiteren Öffnung der geldpolitischen Schleusen. Doch das rettet das Land nicht. Mehr 5 9

Umfrage

Sparen Sie angesichts der niedrigen Zinsen noch?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutschland sticht in See

Das „Traumschiff“ steuert in die Insolvenz: Es erwirtschaftet schlicht zu wenig Geld – obwohl das Interesse an Kreuzfahrten so groß ist wie nie zuvor, wie unsere Grafik des Tages zeigt. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden