17.02.2010 · Bis über den Nachfolger von Jean-Claude Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank entschieden wird, fließt noch viel Wasser den Main hinunter. Axel Weber hat gute Chancen. Ein Selbstläufer ist seine Kandidatur aber noch lange nicht.
Von Holger SteltznerBis über den Nachfolger von Jean-Claude Trichet, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, entschieden wird, fließt noch viel Wasser den Main hinunter. Der „einvernehmliche“ Beschluss der Finanzminister der Euro-Staaten, den Portugiesen Vitor Constncio zum neuen Vizepräsidenten der EZB zu bestellen, darf gleichwohl als eine Art Vorentscheidung zugunsten von Axel Weber, dem Präsidenten der Deutschen Bundesbank, gewertet werden. Schließlich fällt in Brüssel kaum eine Personalentscheidung ohne Rücksicht auf den Proporz zwischen kleinen und großen oder nördlichen und südlichen Ländern. Das spricht gegen einen anderen aussichtsreichen Kandidaten für die Nachfolge Trichets, den italienischen Notenbankgouverneur Mario Draghi.
Ein Selbstläufer ist die Kandidatur Webers, über die offiziell natürlich geschwiegen wird, aber noch lange nicht. Als Geldpolitiker steht Weber für die Stabilität der Währung. In der Finanz- und Bankenkrise hat er entschlossen und umsichtig gehandelt. Auch hat er früh vor den Gefahren der aus dem Ruder laufenden Staatsschulden gewarnt, in Deutschland und anderswo. Doch im Umgang mit seinem schwierigen Vorstandskollegen Thilo Sarrazin, den Landespolitiker nur allzu gern vom Berliner Finanzsenat nach Frankfurt geschickt haben, hat er keine glückliche Figur gemacht. Wer aber, wie mancher Politiker im Europaparlament, meint, die Zeit sei noch nicht reif für einen Deutschen an der Spitze der EZB, der liest die Zeichen der Zeit falsch. Auf einer solch fragwürdigen nationalen Argumentationsebene ließe sich gegen Draghi das vermeintliche Erbe italienischer Weichwährungsgene vorbringen. Dabei steht Draghi genauso wie Weber für Stabilität. In Zeiten, in denen an den Märkten das Menetekel des Bankrotts ganzer Staaten an die Wand gemalt wird, muss die Stabilität an der Spitze von Europas Notenbank über allem anderen stehen.
Sind beide Kandidaten auch politisch unabhängig? Das Gegenteil lässt sich jedenfalls nicht behaupten. Offen ist, wie sie es mit der für Notenbanken gefährlichen Nähe zu großen Geschäftsbanken halten. Hier spricht für Weber, dass er als Wissenschaftler zur Deutschen Bundesbank kam, während Draghi wegen seiner Jahre bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs zwar glänzend auftreten, aber eben auch zum Netzwerk von Goldman gezählt werden kann.
| Name | Kurs | Prozent |
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| EUR/USD | 1,2480 | −0,49% |
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| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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