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Bilanzausweitung der EZB : Was bringt Draghis Geldschwemme?

Mario Draghi während einer Pressekonferenz in der Frankfurter EZB-Zentrale Bild: Eilmes, Wolfgang

Der Zentralbank-Chef möchte die EZB-Bilanz um eine Billion ausweiten. Aber: was bedeutet das eigentlich? Welche Effekte sind zu erwarten? Und wie wirkt sich das auf die Inflation aus? Wir haben für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

          Wenn EZB-Chef Mario Draghi sagt, er wolle die Bilanz der Zentralbank auf rund 3 Billionen Euro ausweiten, klingt das furchtbar technisch. Was meint er eigentlich?

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Hinter dem technischen Jargon steht der Wunsch, mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. „Es ist der Versuch, mehr Geld zu drucken“, erklärt der Geldpolitik-Experte Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Die Zentralbank habe verschiedene Möglichkeiten, ihre Bilanz auszuweiten, erläutert er. Sie könnte einfach mehr Geld drucken und es unter den Leuten verteilen - das hat aber noch keine Zentralbank gewagt. Zweitens kann sie versuchen, die Banken zu animieren, mehr Kredite zu vergeben. Das tut Draghi, indem er ihnen Refinanzierungen zu sehr günstigen Konditionen anbietet. Die neuen TLTRO-Kredite laufen vier Jahre zu nur 0,15 Prozent Zins. „Aber die Banken wollen gar nicht mehr Refinanzierung, als sie jetzt schon haben“, gibt Holtemöller zu bedenken. Die dritte Möglichkeit der EZB zur Bilanzausweitung ist der direkte Kauf von Wertpapieren. Auch dadurch pumpt Draghi Geld in die Märkte. „Die Bilanzausweitung beabsichtigt, dem Geld- und Kreditsystem einen expansiven Schub zu geben“, erklärt Manfred Neumann, Geldtheoretiker an der Universität Bonn. „Die Frage ist aber, was die Banken mit dem zusätzlichen Geld machen. Ich glaube, es wird so nicht klappen.“

          Was ist Draghis technisches Ziel?

          Der EZB-Chef hat die Erwartung geäußert, durch eine Kombination von Maßnahmen (Langfristkredite, Käufe von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen über mindestens zwei Jahre) die EZB-Bilanz von derzeit 2,05 Billionen Euro wieder auf ihren Höchststand von März 2012 zu heben. Das war die Zeit nach zwei großen Geldleihen („Dicke Bertha“-Geldkanone), als die Banken so viel Kredite aufgenommen hatten, dass die EZB-Bilanz auf mehr als 3 Billionen Euro gestiegen war. Das heißt, die Bilanz soll um rund 50 Prozent ausgeweitet werden.

          Hat sich die EZB wirklich ein Bilanzziel gesetzt?

          Das ist umstritten. Viele Bankanalysten haben die Formulierung des EZB-Rats so interpretiert. Allerdings wurde im Rat hart um die Formel gerungen. Strenggenommen hat die EZB nur die „Erwartung“ geäußert, dass ihre Maßnahmen einen Effekt haben werden, der die Bilanz wieder auf das Niveau von Anfang 2012 bringt. Die Bundesbank war nach Informationen der F.A.Z. strikt gegen die Nennung eines expliziten Bilanzziels, weil dies die EZB zu stark unter Zugzwang gesetzt hätte, weitere expansive Maßnahmen nachzuschieben, falls die 3 Billionen Euro nicht erreicht würden. Die Nennung einer Erwartung ist kein so explizites Bilanzziel wie das der japanischen Notenbank. Sie hatte vor anderthalb Jahren verkündet, die Geldbasis verdoppeln zu wollen.

          Wenn die Zentralbank ihre Bilanz ausweitet, wächst dann in gleichem Maße die Geldmenge?

          Nicht unbedingt. Es hängt von der Reaktion der Banken und Konsumenten ab. Als Geldmenge M0 bezeichnet man die Summe der umlaufenden Banknoten und Einlagen der Banken bei der Zentralbank. M0 lag in der Eurozone zuletzt bei gut 1,2 Billionen Euro. Wenn nun die Banken durch die Geldschwemme der EZB angeregt würden, mehr Kredite zu vergeben, würde die weitere Geldmenge M1 steigen. M1 lag im September bei rund 5,7 Billionen Euro, die weitere Geldmenge M3 liegt bei fast 11 Billionen Euro. „Der Faktor, um den die weitere Geldmenge M3 wächst, wenn die Geldbasis steigt, ist der Multiplikator“, erklärt Holtemöller. Der Multiplikator ist nicht stabil. „Vor der Krise lag der Multiplikator bei gut 10, in der Krise ist er auf 5,5 gefallen und erst nach Draghis ‚Whatever it takes’-Rede wieder gestiegen.“ Wenn Banken das zusätzliche Zentralbankgeld nicht weiterreichten, hat es keinen Effekt auf die Geldmenge.

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          Wenn die Geldmenge stark steigt, gibt es, dann Inflation?

          Langfristig ist das so. „Kurzfristig ist der Effekt einer Ausweitung der Zentralbankbilanz auf die Inflation sehr ungewiss“, sagt Holtemöller. In Japan und Amerika hat die Ausweitung der Geldbasis bislang keinen abrupten Anstieg der Inflation bewirkt. Die Verbraucherpreise in Japan sind nach langjähriger Deflation leicht in den Inflationsbereich gedreht. Allerdings hat die Geldflut der Zentralbank einen Anstieg der Vermögenspreise und Börsenkurse bewirkt (Vermögenswerteinflation). „Die Geldmengenausweitung wirkt zumeist nicht direkt auf die Konsumgüterpreise“, sondern beeinflusse Preise von Wertpapieren, Investitionsgütern, Rohstoffen oder Häusern, erklärt Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am Institut für Weltwirtschaft (IfW) Kiel.

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