Die chinesische Wirtschaft hat sich im vergangenen Jahr trotz mancher Enttäuschungen gut gehalten. Sie steht aber nach Ansicht von Finanzfachleuten vor ernsthaften Prüfungen im laufenden Jahr, wenn das Wachstum auf den schwächsten Wert seit zehn Jahren fallen könnte. Das senke die Chancen, dass die Volksrepublik wie vor drei Jahren die Krisen an anderer Stelle ausgleichen könne, hieß es. Zur Abkühlung in Fernost tragen neuen Daten zufolge die Nachfrageschwäche in Amerika und Europa, die Abkühlung der Anlageninvestitionen einschließlich der aufgeblähten Immobilienwirtschaft sowie die restriktive Geldpolitik bei. Letztere verteuert Kredite von Unternehmen und Verbrauchern und beeinträchtigt daher Investitionen und Konsum.
Sollte sich das Wachstum zu stark abschwächen und der Preisauftrieb weiter normalisieren, erwarten Analysten Unterstützung in Form einer gelockerten Geldpolitik und staatlicher Ausgabenpakete. Ein stabiles Wachstum Chinas gilt auch international als wünschenswert, da Nordamerika, die EU und Japan mit Schwierigkeiten kämpfen. China ist der größte Einzelmarkt der Welt, die stärkste Exportnation, der reichste Devisenbesitzer und der wichtigste Gläubiger Amerikas.
Wunsch der Regierung
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes - die gesamte inländische Wertschöpfung - lag 2011 real um 9,2 Prozent höher als 2010. Der absolute Wert betrug 47,2 Billionen Yuan, nach derzeitigem Kurs etwa 5,9 Billionen Euro. Das teilte das Nationale Statistikbüro am Dienstag mit. Gegenüber dem Wachstum im Vorjahr war das ein Rückgang um 1,2 Prozentpunkte. Die Abschwächung nahm im Jahresverlauf immer mehr zu. Im letzten Quartal betrug der Zuwachs 8,9 Prozent. Das bedeutete den schwächsten Wert seit dem zweiten Quartal 2009 - mitten in der globalen Wirtschaftskrise. Allerdings fiel die Abflachung moderater aus als erwartet. Deshalb reagierten die Aktienmärkte innerhalb und außerhalb Chinas mit Kursgewinnen auf die Zahlen, auch die Währung Renminbi (Yuan) legte zu.
Größere Wachstumsrückgänge gab es in den Anlageninvestitionen. Das entsprach dem Wunsch der Regierung, nach deren Ansicht das Land zu abhängig von Ausgaben für die Infrastruktur, für Kapazitätserweiterungen der Staatsbetriebe und für spekulative Immobilienprojekte ist. Die Infrastrukturausgaben erhöhten sich um knapp 6 Prozent, im Vorjahr waren es - getrieben vom größten Konjunkturpaket der chinesischen Geschichte - noch 20 Prozent. Die Anlageninvestitionen fielen im Dezember geringer als im November aus. Das ist bedeutsam, da sie 64 Prozent zum BIP beisteuern. In die Immobilienwirtschaft, die es allein schon auf 13 Prozent des BIP bringt, floss 2011 real 20 Prozent mehr Geld als 2010. Der Anstieg war fast ein Viertel geringer als im Vorjahr. Chinas Export stieg 2011 um mehr als 20 Prozent auf fast 1,9 Milliarden Dollar; nach heutigem Kurs macht das 23 Prozent des BIP aus. Die Verbraucherpreise legten im ganzen Jahr um 5,4 Prozent zu - deutlich über dem Regierungsziel von 4 Prozent.
Regierung und Analysten erwarten, dass China wegen seiner Abhängigkeit vom Export und wegen der notwendigen Abkühlungspolitik das Gröbste noch nicht überstanden hat. Bankfachleute wie Ken Peng von BNP Paribas gehen für das erste Quartal von einem Wachstum von 7,9 Prozent aus. Damit wäre eine Schwelle unterschritten, die als notwendig gilt, um die Beschäftigung zu sichern. Regierungsvolkswirte wie Lu Zhongyuan vom DRC-Forschungsinstitut des Staatsrats prognostizieren für das Gesamtjahr 8,5 Prozent. Das wäre der schwächste Anstieg seit zehn Jahren. Eine sich abkühlende Wirtschaft sei unvermeidbar angesichts schwächerer Exporte und Anlageninvestitionen. Ökonomen warnen aber davor, die Lage zu dramatisieren, da die Steuerung von Inflation, Wachstum und Fehlallokationen recht gut gelinge. „Das generelle Wachstumsmoment ist weiter kräftig“, sagte Kevin Lai von Daiwa in Hongkong. Er erwartet deshalb auch keine Zinssenkung.
Impetus nicht zu erkennen
Gerhard Rohlfs (gerhardrohlfs)
- 17.01.2012, 20:47 Uhr
Na und?
Closed via SSO (jgr271)
- 17.01.2012, 19:27 Uhr