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Wettbewerb So könnte der Euro aus Griechenland verschwinden

 ·  In Großbritannien hat eine Jury den besten Vorschlag zum Euro-Ausstieg prämiert. Der Gewinner sagt: Der Ausstieg sollte an einem Wochenende geschehen. Eurobonds hält er trotzdem für nötig.

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Bis zum großen Knall muss alles streng geheim bleiben, sonst drohen Panik und Chaos. Für den Tag, an dem der Euro geht, sollte möglichst ein Wochenende gewählt werden, weil dann das Geschäftsleben weitgehend ruht. Die Geldautomaten im Land werden vorübergehend stillgelegt, Kapitalverkehrskontrollen verhindern, dass Bürger und Unternehmen ihr Vermögen ins Ausland retten. Die Notenbanken pumpen Liquidität in den Markt, um den Patienten zu stabilisieren und eine drohende Bankenkrise einzudämmen.

Könnte so das Ende des Euro in Griechenland und anderen Krisenländern der Europäischen Währungsunion aussehen? Das Konzept stammt von dem britischen Ökonomen Roger Bootle, der dafür am Donnerstag in London den Wolfson Economics Prize verliehen bekam. Die von dem britischen Einzelhandelsmanager Simon Wolfson gestiftete Auszeichnung ist mit einem üppigen Preisgeld von 250.000 Pfund (rund 310.000 Euro) ausgestattet und damit nach dem Wirtschaftsnobelpreis der zweithöchst dotierte Ökonomenpreis der Welt. Gesucht war ein Plan, wie ein Ausscheiden von einem oder mehreren Mitgliedsländern aus der Währungsunion organisiert werden kann. 422 Einsendungen gab es, fünf davon wurden für den Sieg nominiert. Der Sieger wurde von einer fünfköpfigen Jury gekürt, der Wirtschaftsfachleute aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien angehörten.

Die geringsten Sorgen macht sich der Preisträger Bootle um Geldscheine und Münzen. Die Herstellung der neuen Drachme wird zwar Monate dauern und kann wegen der notwendigen Geheimhaltung kaum im Voraus anlaufen. „Aber das ist wirklich das kleinste Problem“, glaubt der Ökonom, im Hauptberuf Chef des Londoner Wirtschaftsanalyse-Hauses Capital Economics. Große Zahlungen würden ohnehin bargeldlos abgewickelt und für kleine Beträge könnten in Griechenland für einen Übergangszeitraum Drachmen- und Euro-Münzen parallel verwandt werden.

Dennoch lässt er keinen Zweifel daran: Wenn der gebeutelte Euro-Club eines oder mehrere Mitglieder verliert, wird es neben Gewinnern auch große Verlierer geben. „Die Arbeitslosen in Griechenland wären die Profiteure“, prognostiziert Bootle. Er rät den Wechselkurs der neuen Drachme zunächst im Verhältnis Eins zu Eins zum Euro festzulegen. Anschließend wäre allerdings am Devisenmarkt mit einer starken - und erwünschten - Abwertung der Drachme zu rechnen. Das würde zum Beispiel den Griechenland-Urlaub für Ausländer billiger machen und könnte so den Tourismus im Land ankurbeln. Aber zugleich würden in Athen wohl sofort die Preise für zahlreiche Güter des täglichen Bedarfs drastisch steigen, weil eine Abwertung die Importe verteuert.

Für die ausländischen Gläubiger Griechenlands wäre die Rückkehr der Drachme ebenfalls ein schwerer Schlag. Bootle empfiehlt den Griechen, ihre Euro-Schulden in der neuen Währung zurückzuzahlen, auch wenn dies in vielen Fällen zu erbitterten Rechtsstreitigkeiten führen könnte. Am Ende müssten die Gläubiger wohl auf einen erheblichen Teil ihrer Forderungen verzichten, um Griechenland einen Neuanfang zu ermöglichen. Dies werde sowohl private Investoren treffen als auch Europas Notenbanken, die im Rahmen des Target-Zahlungssystems hohe Forderungen gegen Griechenland haben.

„Das ist ein gewaltiges Problem“, räumt der Preisträger ein. Andererseits: Ist das Geld nicht ohnehin schon verloren, weil die Griechen als Mitglieder der Währungsunion ihre Euro-Schulden kaum jemals werden begleichen können? „Ob ein Land seine Schulden bedienen kann, hängt letztlich vom realen Wirtschaftswachstum ab und das wird in Griechenland höher sein, wenn es aus dem Euro aussteigt“, gibt Bootle zu bedenken.

Eurobonds könnten nötig werden, sagt der Preisträger

Und wie steht es um die Ansteckungsgefahr für andere geschwächte Euro-Länder? Wenn das Tabu erst einmal gebrochen ist und Griechenland den Euro-Club verlässt, werden die Investoren dann nicht auch anderen Wackelkandidaten wie Spanien, Portugal, Irland und Italien das Vertrauen entziehen? Eine gemeinsame Schuldenhaftung in Form von Eurobonds könnte unumgänglich werden, um einen Dominoeffekt zu verhindern, glaubt Bootle.

Auf längere Sicht sieht er aber ein ganz anderes Problem: Wenn die griechische Wirtschaft sich tatsächlich erholen sollte, nachdem das Land dem Euro den Rücken gekehrt hat, könnten andere Krisenländer versucht sein, dem Vorbild zu folgen: „Am größten ist die Gefahr für den Euro, falls der Ausstieg Griechenlands ein Erfolg wird“, sagt Bootle. Dann bleibe vielleicht am Ende nur noch eine Kernwährungs-Union starker Länder wie Deutschland, den Niederlanden und Österreich übrig, während die anderen Mitglieder wieder auf eigene Währungen setzten.

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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