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Weltwirtschaftsausblick Weltbank erwartet zögerliche Erholung der Weltwirtschaft

 ·  Die Weltbank warnt die Entwicklungsländer, es mit der lockeren Geld- und Fiskalpolitik nicht zu übertreiben. Viele dieser Länder arbeiteten schon an der Kapazitätsgrenze. Es drohen Überhitzungen.

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© AFP Weltbank-Chef Jim Yong Kim

Eine deutliche Belebung des Welthandels, ein leicht beschleunigtes Wachstum in den Entwicklungsländern und eine weiterhin nur zögerliche Entwicklung in den Ländern hohen Einkommens – das sind die Kernaussagen des neuen Weltwirtschaftsausblicks der Weltbank, der in der Nacht zum Mittwoch in Washington veröffentlicht wurde. Die Erholung bleibe fragil und unsicher, erklärte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim in einer Stellungnahme.

Nach der Prognose bleiben die Entwicklungsländer die treibende Kraft in der Welt. Den Entwicklungsländern als Gruppe prognostiziert die Weltbank eine Beschleunigung des Wachstums von 5,1 auf 5,5 Prozent. Die deutliche Abschwächung in großen Ländern wie China oder Brasilien wird dabei zum Teil überwunden, auch dank einer expansiven Geld- und Fiskalpolitik. In China wird das Wachstum sich nach Einschätzung der Weltbank in diesem Jahr von 7,9 auf 8,4 Prozent beschleunigen, in Indien von 5,1 auf 6,1 Prozent. Für Brasilien erwartet die Weltbank nach dem Wachstumseinbruch im vergangenen Jahr auf 0,9 Prozent nun eine deutliche Beschleunigung auf 3,4 Prozent.

„Monetäre Liquidität löst keine Probleme“

Die Wirtschaft in den Ländern hohen Einkommens als Gruppe wird gemäß der Vorausschau 2013 unverändert um 1,3 Prozent wachsen. Dabei ist eine unverändert lockere Geldpolitik unterstellt. Für die Weltwirtschaft erwartet die Weltbank in diesem Jahr ein Wachstum von 2,4 Prozent, nahezu unverändert gegenüber den 2,3 Prozent des Vorjahres. Erst für das kommende Jahr sehen die Ökonomen der Entwicklungshilfeorganisation eine deutliche Beschleunigung auf 3,1 Prozent. Der Welthandel soll um 6 Prozent wachsen, nach 3,5 Prozent im vergangenen Jahr. Treibende Kraft werden nach der Prognose zunehmend die Entwicklungsländer sein, deren Handel untereinander zulegt.

„Insgesamt sieht die Lage etwa besser aus“, sagte der Chefökonom der Weltbank, Kaushik Basu, in Washington vor Journalisten. Die Abwärtsrisiken seien kleiner geworden, nachdem der Euroraum begonnen habe, auch mit Hilfe der Europäischen Zentralbank die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. Die Weltbank sieht eine Erholung an den Finanzmärkten, auch als Folge einer lockeren Geldpolitik in Amerika und in vielen Entwicklungsländern. Die bessere Finanzlage aber brauche Zeit, um sich in der realen Wirtschaft und in höheren Wachstumsraten niederzuschlagen. „Mehr monetäre Liquidität bringt Zeit, aber sie löst die Probleme nicht“, sagte Basu. „Die nächsten zwei bis drei Jahre bleiben schwierig.“

Entwicklungsländer erhalten wieder Kapital von außen

Basu warnte, dass nicht nur in den Ländern hohen Einkommens, sondern auch in vielen Entwicklungsländern die Geld- und Fiskalpolitik im vergangenen Jahr deutlich gelockert worden sei, um der Abschwächung entgegenzuwirken. Dabei arbeiteten viele der dortigen Wirtschaften schon an der Kapazitätsgrenze, so das eine andauernde Lockerung schnell Inflation hervorrufen könne. Die Weltbank mahnt die Entwicklungsländer deshalb, die fiskal- und geldpolitischen Puffer wieder aufzubauen, die sie vor der Finanz- und Wirtschaftskrise gehabt hätten. Entscheidend sei, sich fiskal- und geldpolitisch auf die Lage der heimischen Wirtschaft zu konzentrieren und nicht auf mögliche Schwankungen in den Ländern hohen Einkommens, erklärte Basu. Er verband dies mit einem Appell an die Entwicklungsländer, zu den angebotsorientierten Wirtschaftsreformen der neunziger Jahre zurückzufinden.

Als Zeichen der besseren Lage an den Finanzmärkten hat der Kapitalzufluss in die Entwicklungsländer sich gegen Jahresende 2012 wieder erholt, nachdem er im zweiten Quartal im Zuge der Euroraum-Spannungen um 16 Prozent gefallen war. Im Jahresschlussquartal erreichte er nach der Weltbankschätzung netto 170 Milliarden Dollar und lag damit so hoch wie seit Sommer 2008 nicht mehr. Basu begründete dies auch damit, dass die Zeit des Deleveraging, des Schrumpfens der Bankbilanzen im Euroraum sich dem Ende zuneige und die Banken wieder verstärkt Kredite ins Ausland vergäben.

Europa als größtes Risiko

Als größtes Abwärtsrisiko sehen die Weltbankökonomen dennoch unverändert den Euroraum. Die Weltbank erwartet, dass die Euro-Wirtschaft in diesem Jahr um 0,1 Prozent schrumpfen wird, nach einem Minus von 0,4 Prozent im vergangenen Jahr. Hinter dieser Schrumpfung verbirgt sich aber eine im Jahresverlauf erwartete zunehmende Beschleunigung des Wachstums im Euroraum. Basu warnte, dass der Euroraum die Krise noch nicht überwunden habe.  Sollte das Momentum der Reformen wie etwa die Bankenunion nicht aufrechterhalten bleiben und einige Länder des Euroraums in diesem Jahr vom Kapitalmarkt ausgeschlossen werden, könne dies das Wachstum in den Entwicklungsländern um 1,1 Prozentpunkte oder mehr belasten. Basu betonte, dass die Geldspritzen der Europäischen Zentralbank die Finanzmärkte beruhigt hätten, aber irgendwann auch mal enden würden.

Die Vereinigten Staaten mahnt die Weltbank dazu, sich endlich auf einen tragfähigen Plan zum mittelfristigen Abbau der Staatsdefizite zu einigen. Unter der Annahme, dass das einigermaßen gelingt, rechnet die Weltbank mit einem Wachstum von 1,9 Prozent, nach 2,2 Prozent im vergangenen Jahr. Eine andauernde Unsicherheit über die Finanzpolitik und ein Vertrauensverlust in den Dollar könnten aber die Vereinigten Staaten in die Rezession treiben.

Die Wachstumszahlen der Weltbank für die Weltwirtschaft sind nicht mit denen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu vergleichen. Unterschiede liegen darin, wie die Weltwirtschaft statistisch zusammengesetzt wird. Die Weltbank vergleicht die Länder auf Basis der Wechselkurse von 2005 (und passt diesen Vergleichsmaßstab alle paar Jahre an.) Der IWF vergleicht die Länder dagegen mit fiktiven Kaufkraftstandards, was den Schwellen- und Entwicklungsländern generell ein größeres Gewicht einräumt. Dabei ist unterstellt, dass ein Dollar etwa in Indien eine höhere Kaufkraft hat als in den Vereinigten Staaten, weil viele Produkte dort billiger sind. Gemessen mit Kaufkraftstandards, erwartet die Weltbank ein Weltwirtschaftswachstum in diesem und im kommenden Jahr von 3,0 und 3,4 Prozent, anstatt der genannten 2,3 und 2,4 Prozent.

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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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