30.08.2011 · Die Emission von Schuldtiteln bringt Italien 7,7 Milliarden Euro. Jedoch nur, weil die EZB den Markt mit Anleihenkäufe stützt.
Von Stefan RuhkampItalien hat neue Staatsanleihen zu besseren Finanzierungsbedingungen als bei der vorangegangenen Auktion im Juli begeben. Allerdings war der Verkauf der Schuldtitel von Stützungskäufen der Europäischen Zentralbank begleitet. Italien emittierte Anleihen mit verschiedenen Laufzeiten im Wert von insgesamt 7,7 Milliarden Euro. Für Titel mit zehn Jahren Laufzeit lag die Rendite bei 5,2 Prozent, nachdem Italien bei der letzten Emission im Juli noch knapp 5,8 Prozent hatte bieten müssen und die Marktrendite danach sogar auf mehr als 6 Prozent gestiegen war. Für dreijährige Anleihen fiel die Emissionsrendite auf 3,87 Prozent nach 4,8 Prozent bei der Auktion im Juli.
Das italienische Finanzministerium wollte am Dienstag 6 bis 8 Milliarden Euro an neuen Anleihen auf den Markt bringen, so lautete die Ankündigung. Die Nachfrage der Anleger hatte einen Wert von insgesamt gut 10 Milliarden Euro. Damit war die Überzeichnung geringer als bei den Emissionen der vergangenen Monate. Allerdings wurde auf den Märkten mit Erleichterung registriert, dass Italien überhaupt willens und in der Lage ist, Anleihen mit langer Laufzeit zu begeben, wenn auch zu einem Renditeaufschlag von rund 3 Prozentpunkten im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen.
Die Renditen steigen
Dass Italien derzeit zu wenig mehr als 5 Prozent Schuldtitel mit langer Laufzeit begeben kann, hat mit der Anfang August wieder einsetzenden Intervention der Europäischen Zentralbank (EZB) zu tun. Nach einer Pause von gut vier Monaten hatte die EZB nach ihrer Ratssitzung am 4. August den Kauf von Staatsanleihen finanzschwacher Euroländer wiederaufgenommen. Zunächst wurden nur portugiesische und irische Titel gekauft, seit dem 8. August kauft die Zentralbank auch Anleihen aus Spanien und Italien. Für diesen Zweck hat die EZB seitdem mehr als 40 Milliarden Euro ausgegeben – für alle Anleihenkäufe seit dem Beginn des Kaufprogramms im Mai 2010 mehr als 115 Milliarden Euro.
Durch die jüngsten Markteingriffe wurde die Rendite zehnjähriger spanischer und italienischer Anleihen von mehr als 6 auf zeitweise 4,9 Prozent gedrückt. Seit einigen Tagen steigen die Renditen allerdings und liegen wieder oberhalb von 5 Prozent, obwohl die EZB laut Berichten von Händlern auch am Dienstag auf dem Anleihemarkt intervenierte. Negativ habe sich ausgewirkt, dass die italienische Regierung das angekündigte Sparprogramm in Teilen verschiebe oder ganz aufgegeben habe.
Alarmbereitschaft der Anleger signalisiert auch der hohe Satz für Absicherungsgeschäfte für den Fall einer italienischen Zahlungsunfähigkeit. Die Absicherungsprämie für eine Laufzeit von fünf Jahren liegt derzeit bei jährlich 3,7 Prozent der versicherten Summe. Das ist nach wie vor nahe dem vor einigen Wochen erreichten Rekordniveau von 3,9 Prozent.
Andererseits kamen von einigen Londoner Banken ermutigende Analysen. So urteilt J P Morgan, Italien könne den Schuldenabbau schaffen und habe das in früheren Episoden schon bewiesen. Wegen des im Vergleich zu anderen Schuldenländern relativ geringen erwarteten Haushaltsdefizits von 1,4 Prozent im Jahr 2012 sei die Verringerung der Schuldenlast in Reichweite. Die Befürchtungen, dass Italien seine Schulden nicht tragen könne oder wolle, seien deshalb übertrieben. Derzeit erwirtschaftet Italien mit einem Primärüberschuss von 0,9 Prozent – das ist der Haushaltssaldo unter Herausrechnung der Schuldzinsen. Laut Prognosen wird dieser Überschuss nächstes Jahr auf 3,7 und in den Folgejahren auf rund 5,5 Prozent steigen. Das sei genug, um Italiens Verschuldungsquote bis 2014 allmählich von 120 auf 110 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu reduzieren. Eine ähnliche Anpassung sei Italien schon Ende der achtziger bis Ende der neunziger Jahre gelungen. 1988 habe der Staat mit einem Primärdefizit von 3,5 Prozent begonnen und habe 1997 einen Primärüberschuss von 6,6 Prozent erreicht.
aber allein im September muss Italien 60 Milliarden plazieren- da wird sich
Torsten Krause (tkrause)
- 31.08.2011, 17:04 Uhr
@ Marcel Kernics
Gerhard Grell (EchtGrell)
- 30.08.2011, 23:32 Uhr
Seine eigenen Staatsanleihen zu kaufen ist aber wie Gelddrucken, nur billiger…
Volker Spielmann (Schildwache)
- 30.08.2011, 23:04 Uhr
Die tatsächlichen Kosten der Krise
Marcel Kernics (MarcelCe)
- 30.08.2011, 22:45 Uhr
Steigende Zinsen und steigende Absicherung trotz Anleihekäufe der EZB
Ruben Rybnik (makrologistiker)
- 30.08.2011, 22:21 Uhr