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Spekulationen über Griechenland Misstrauen gegen die Banken wächst

 ·  Die Spekulationen über eine griechische Umschuldung nehmen zu. Während die Politik weiter versucht zu beruhigen, kauft die Europäische Zentralbank wieder Anleihen. Und die Bankaktien sind die großen Verlierer.

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Die Kurse an den Börsen sind am Montag von den Spekulationen über eine größere Umschuldung Griechenlands erschüttert worden. Während Politiker in Berlin und Brüssel versuchten, die Märkte zu beruhigen, sank der Deutsche Aktienindex in der Spitze um 4,3 Prozent und lag erstmals seit gut zwei Jahren zeitweise unter 5000 Punkten.

Der europäische Aktienindex Euro Stoxx 50 sank um bis zu 4,9 Prozent und stand mit weniger als 2000 Punkten so tief wie seit dem ersten Quartal 2009 nicht mehr. Offenbar zerrten öffentliche Gedankenspiele von Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) über eine „geordnete Insolvenz“ Griechenlands an den Nerven der Anleger. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, forderte Griechenland auf, die zugesagten Reformen und Einsparungen mit „fester Entschlossenheit“ umzusetzen.

Vor allem die Kurse französischer Banken, die größten privaten Gläubiger Griechenlands brachen ein, auch weil die Ratingagentur Moody's deren Bonitätsnoten bald herabstufen dürfte. Die Aktien des Marktführers BNP Paribas und die der seit längerem von Gerüchten belasteten Société Générale verloren mehr als 10 Prozent. Auch in Deutschland waren Bankaktien die großen Verlierer. Deutsche Bank und Commerzbank haben nun seit Monatsanfang 24 Prozent an Wert verloren - doppelt so viel wie der Dax.

Plötzlich abgeschnitten

In der europäischen Schuldenkrise kann sich nach Einschätzung von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark kein Land in Sicherheit wiegen. „In der aktuellen Situation ist kein Land wirklich geschützt“, sagte Stark der „Irish Times“, in einem Interview, das am Montag veröffentlicht wurde, aber vor Starks Rücktrittsankündigung am Freitag geführt wurde. Er bezog seine Warnung auf die Gefahr, dass Länder plötzlich von Kapitalmarkt abgeschnitten werden könnten - wie beispielsweise Griechenland. „Das kann auch größeren, hoch entwickelten Volkswirtschaften passieren.“ Direkt sprach Stark Irland an, bezog indirekt aber auch Spanien und Italien in seine Warnung mit ein.

Die EZB hat nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche abermals knapp 14 Milliarden Euro für Anleihekäufe ausgegeben. Seit Wiederaufnahme des Programms zugunsten finanzschwacher Euroländer und dessen Ausweitung auf spanische und italienische Staatsanleihen im August hat sich die Gesamtsumme binnen fünf Wochen auf 143 Milliarden Euro verdoppelt.

Die Ängste um einen Zahlungsausfall von Griechenland haben den Bundesanleihen am Montag mit 1,7 Prozent die niedrigste Rendite seit Bestehen der Eurozone eingebracht. Anleger erhalten damit nicht einmal ihre Kaufkraft, da die Jahresinflationsrate zuletzt 2,5 Prozent betrug. Sie nehmen den negativen Realzins als Preis für die hohe Sicherheit hin.

Keine Gefährdung der Liquidität

Die Bundesregierung betonte am Montag, dass - abhängig vom Bericht der Troika aus Europäischer Kommission, EZB und Internationalem Währungsfonds - die nächste Tranche aus dem ersten Griechenland-Hilfspaket im Oktober fließen könnte. „Der leicht angepasste Zeitplan gefährdet nicht die Liquidität in Griechenland“, betonte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Die Troika wird nach seinen Angaben Mitte September nach Athen zurückkehren und bis Ende des Monats den Bericht fertig stellen. Er versuchte, die Berichte über Arbeiten im Bundesfinanzministerium an Plänen für den Fall einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands herunterzuspielen. „Alle alternativen Überlegungen führen uns heute in der Sache nicht weiter.“

Der Sprecher des Bundeswirtschaftsministers Rösler sah sich am Montag zu der Klarstellung genötigt, gemeinsames Ziel sei, dass Griechenland im Euroraum bleibe. Auch eine Staatsinsolvenz sei derzeit kein Thema. Regierungssprecher Steffen Seibert beschrieb die Linie der Bundesregierung mit den Worten: Man helfe gegen strenge Auflagen, weil die griechischen Probleme sonst eine Gefährdung der gesamten Eurozone mit sich trügen. Der Sprecher des EU-Währungskommissars Olli Rehn betonte, in der EU-Kommission würden keinerlei Szenarien für einen griechischen Schuldenschnitt geprüft.

Quelle: F.A.Z. von ham./mas./wmu.
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