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Schuldenkrise Märkte erwarten von EU-Gipfel keine große Lösung

21.07.2011 ·  Wenn heute die EU-Chefs zusammenkommen, erwarten die Analysten allenfalls einen Fortschritt in der Griechenland-Frage. Eine Bankenabgabe und Eurobonds könnten aus Sicht der Banken zu einer umfassenderen Lösung beitragen.

Von Bettina Schulz und Daniel Mohr
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An den Finanzmärkten blicken die Anleger mit großer Sorge auf den am heutigen Donnerstag stattfindenden EU-Gipfel. Der jüngste Rückzug vieler Fondsmanager vom italienischen Anleihemarkt hat den Marktteilnehmern vor Augen geführt, wie schnell sich die Turbulenzen der Schuldenkrise ausweiten können. Die Verhandlungen werden daher mit Skepsis betrachtet: „Wir erwarten, dass sich der Gipfel weitgehend mit der Schuldenkrise Griechenlands befasst und nicht zu einer Lösung für die gesamte Schuldenkrise der Währungsunion findet“, heißt es bei Nomura in London. Die Krise sei aber lange über den Punkt vorangeschritten, an dem eine vorläufige Lösung für Griechenland Stabilität bringe.

„Die Ergebnisse dieses EU-Gipfels sind kurzfristig wichtig, aber sie helfen nicht auf dem Weg zu einer mehr integrierten Wirtschafts- und Fiskalunion“, sagen die Analysten von Barclays Capital. „Die Optionen, die am besten geeignet wären, einen endgültigen Strich unter die Schuldenkrise zu ziehen - zum Beispiel die Emission von Eurobonds als großer Schritt Richtung Fiskalunion -, sind gleichzeitig die Lösungen, die es am wenigsten geben wird“, resümiert Nomura. „Auf jeden Fall ist wichtig, dass die Märkte nach dem EU-Gipfel in den Lösungsvorschlägen den politischen Willen der Regierungschefs erkennen, die Währungsunion aufrechtzuerhalten“, warnen die Fachleute der Berenberg Bank.

Analysten sehen Bankenabgabe positiv

Eine Privatgläubigerbeteiligung in welcher Form auch immer gilt als politisch opportun und würde ordnungspolitisch die Banken auch für ihre frühere Fahrlässigkeit in ihrer Anlagepolitik bestrafen. Die Krise würde aber wohl - wie von den Ratingagenturen schon signalisiert und von vielen Marktteilnehmern befürchtet - auf Portugal und Irland sowie möglicherweise sogar auf Italien und Spanien übertragen. Zudem würde dies zusätzlichen Kapitalbedarf bei Banken auslösen und Probleme mit den Ratingagenturen und der Europäischen Zentralbank (EZB) heraufbeschwören.

Allerdings wird von Analysten die Variante einer Bankenabgabe positiv gesehen, obwohl sie von den Banken zumindest in Deutschland offiziell abgelehnt wurde. „Dass es hierbei nicht zu einer Ratingabstufung auf Default kommt, dürfte der größte Pluspunkt für die EZB sein“, heißt es bei der Deutschen Bank. Die Berenberg Bank findet ebenfalls viele positive Aspekte: „Eine Abgabe oder Steuer würde auf alle Banken gerecht verteilt. Sie würde niemanden davon abhalten, abermals Anleihen der verschuldeten Länder zu kaufen.“ Allerdings helfe eine Abgabe oder Steuer nicht, die Schuldenlast von Griechenland zu reduzieren.

Ausweitung der Mittel des künftigen Rettungsmechanismus

Viel Anklang an den Finanzmärkten fände zudem die Idee einer künftigen Emission von Eurobonds durch die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF). Diese würden nach Einschätzung der Fachleute von Nomura Spanien und Italien günstigere Refinanzierungskonditionen einräumen, politische Solidarität signalisieren, die Ausbreitung der Schuldenkrise beenden und Stabilität dank einer kräftigen Erholung an den Finanzmärkten bringen. Hohe rechtliche und parlamentarische Hürden stünden dagegen. Angesichts politischer Opposition gilt diese Lösung als wenig wahrscheinlich, obwohl Analysten der Deutschen Bank glauben, dass ein gespaltener Eurobond-Markt eine Lösung sein könnte. Dabei müssten sich Länder ab einer bestimmten Schwelle zusätzliches Kapital zu möglicherweise deutlich höheren Renditen als den für sie günstigen Eurobonds alleine am Kapitalmarkt beschaffen.

Die Märkte rechnen zudem auf Dauer mit einer Ausweitung der Mittel des künftigen Rettungsmechanismus EFSF, was dem Markt signalisieren würde, dass mehr als genug Mittel vorhanden wären, um auch Spanien zu retten und um möglicherweise Anleihen aufzukaufen. Dies könnte jedoch den Ratings von Frankreich und Deutschland schaden und zu systemischen Risiken an den Finanzmärkte führen, heißt es in der Londoner City.

Eine andere Option wäre, dem EFSF zu erlauben, Anleihen der verschuldeten Länder aufzukaufen, was im Prinzip ein Bewertungsabschlag (haircut) für die dann verkaufenden Banken wäre und eine sukzessive Umstrukturierung von Schulden ohne Abstufung der Ratingagenturen ermöglichen könnte. Dies würde vom Markt mutmaßlich gut aufgenommen. Aber die Kehrseite der Medaille dieser Variante ist, dass die Mittel des EFSF aufgestockt werden müssten, hoch verschuldete Staaten einen falschen Anreiz erhielten, die Anleihekäufe allein nicht zu einer nachhaltigen Solvenz zum Beispiel Griechenlands führen würden und es rechtliche Hürden wie den deutschen Parlamentsvorbehalt gibt. Die lange Liste der Nachteile macht es nach Ansicht der Analysten von Nomura daher wenig wahrscheinlich, dass etwas Derartiges entschieden wird.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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