07.05.2010 · Die Krise des Euro beunruhigt Japan: Premierminister Hatoyama befürchtet ein Übergreifen der Krise auf sein Land. Um die Sorge vor Liquiditätsengpässen zu dämpfen, pumpte die Bank von Japan rund 16,7 Milliarden Euro in die Märkte.
Von Carsten Germis, TokioDie Krise in Europa versetzt weitere Länder in Unruhe. In Tokio ließ Japans Ministerpräsident Yukio Hatoyama seine Sorge, die griechische Schuldenkrise könnte auf weitere europäische Länder übergreifen und die globale Wirtschaft treffen, am Freitag offen erkennen. „Ich bin sehr besorgt“, sagt er. Gleichzeitig wies er seine Minister an, „die Situation durch Zusammenarbeit mit anderen Ländern“ unter Kontrolle zu halten.
Die Bank von Japan pumpte 2 Billionen Yen (rund 16,7 Milliarden Euro) in den Markt, um die Sorge vor möglichen Liquiditätsengpässen zu dämpfen. Die Notenbank wolle so die Märkte beruhigen, hieß es. Es dürfte zwar keine Probleme an den heimischen Finanzmärkten geben, sagte ein Sprecher, „aber wir haben uns dafür entschieden, ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen, um ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln“.
Japanische Exportunternehmen leiden
Zuvor hatte die Angst vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf weitere Euro-Länder den zweiten Tag in Folge zu deutlichen Kursverlusten an der Börse in Tokio geführt. Dazu trug vor allem die rasante Festigung des Yen gegenüber dem Euro, aber auch dem amerikanischen Dollar bei. Anfang Januar waren in Tokio für ein preiswertes Sushi-Mittagessen für 1000 Yen noch 7,45 Euro zu zahlen, am Freitag waren es bereits 8,77 Euro.
Während die Anleger in den vergleichsweise sicheren Yen flüchteten, mussten vor allem die Titel japanischer Exportunternehmen mit Geschäften in Europa starke Kursverluste verkraften. So fiel zum Beispiel die Aktie des Elektronikkonzerns Panasonic um 2,5 Prozent, obwohl das Unternehmen gute Jahreszahlen vorlegen konnte.
Zweimal ist die japanische Notenbank in den vergangenen zwei Jahren bereits diesen radikalen Schritt gegangen; im Dezember 2008, als sie den Leitzins auf 0,1 Prozent senkte und Banken und Brokerhäusern wegen der globalen Finanzkrise ebenfalls 2 Billionen Yen zur Verfügung stellte, und im Dezember 2009 vor dem Hintergrund der Schuldenkrise in Dubai.
Sicherer Hafen Yen
Die Notenbank erhofft sich mit ihrer Entscheidung vom Freitag, die Börse indirekt zu stützen und den Anstieg des Yen in Schranken zu halten. Sollte der gewünschte Effekt nicht eintreten, will sie notfalls weitere Finanzspritzen setzen. „Die Möglichkeit sollte nicht ausgeschlossen werden“, sagte der Sprecher. Man werde die weitere Marktentwicklung genau beobachten.
Obwohl Japan selbst stark verschuldet ist, gilt der Yen Anlegern trotz niedriger Zinsen als sicherer Hafen. Der Unterschied Japans zu den europäischen Staaten ist, dass weit über 90 Prozent der Staatsanleihen von japanischen Anlegern gehalten werden. Sollte der Yen gegenüber dem Euro und dem Dollar aber weiter an Wert gewinnen, fürchtet Japans Regierung um den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes, der bislang ausschließlich vom Export getrieben ist. Hirofumi Hirano, der Sprecher Hatoyamas, sagte, die Regierung verfolge die Entwicklung des Yen aufmerksam. Gegebenenfalls würden „angemessene Maßnahmen“ ergriffen.
Finanzminister Naoto Kan wies die Finanzmärkte in Tokio darauf hin, dass sich die G-7-Finanzminister einig seien, „dass exzessive Sprunghaftigkeit oder außer Rand und Band geratene Bewegungen bei den Wechselkursen nicht wünschenswert sind“. Als Finanzminister ist Kan derjenige in der Regierung, der die Bank von Japan notfalls anweisen kann, Yen zu verkaufen, um den Wechselkurs nach unten zu drücken. Am Freitag zeigte sich der Minister auf einer Pressekonferenz aber noch sehr gelassen und meinte, dass eine Intervention in den Markt, die es zuletzt 2004 gegeben hat, nicht nötig sein dürfte. Der Dollar sei bereits wieder bei mehr als 90 Yen angelangt, „und ich denke, dass er sich stabilisiert“, sagte Kan.
Carsten Germis Jahrgang 1959, Wirtschaftskorrespondent für Japan mit Sitz in Tokio.
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