13.09.2011 · Rom bittet Peking um Beistand in der Schuldenkrise: Gespräche des italienischen Finanzministers Tremonti mit dem chinesischen Staatsfonds CIC lösen Spekulationen über Käufe von Staatsanleihen aus.
Von Christian Geinitz, Tobias Piller und Markus FrühaufItalien gerät immer mehr in die Schuldenkrise und hat nun China um Hilfe gebeten. Der stellvertretende Wirtschaftsminister Italiens, Antonio Gentile, bestätigte am Dienstag Gespräche mit chinesischen Vertretern. Dabei sei es um industrielle Investitionen gegangen, sagte er. Die Vertreter der chinesischen Regierung haben sich jedoch auch mit dem italienischen Finanzminister Giulio Tremonti getroffen, was Spekulationen über Käufe von Staatsanleihen auslöste. Enttäuschend verlief die Auktion neuer Staatsanleihen, da Italien die höchsten Zinsen seit Einführung des Euro zahlen musste.
In der vergangenen Woche soll Tremonti mit dem Vorsitzenden des Staatsfonds China Investment Corporation (CIC), Lou Jiwei, sowie Vertretern der chinesischen Notenbank gesprochen haben. Die italienische Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ spekulierte, dass chinesische Investoren bis zu 10 Prozent der Staatsverschuldung von 1,9 Billionen Euro übernehmen könnten. Zudem hoffen die Italiener auf Investitionen in die italienische Infrastruktur. CIC-Chef Jiwei soll auch mit der Spitze der „Cassa Depositi e Crediti“, einer öffentlichen Einrichtung auch für Investition in Infrastruktur, sowie Verkehrsminister Altiero Matteoli gesprochen haben. Für Italien wäre eine Beteiligung Chinas an großen Verkehrsprojekten wie Hochgeschwindigkeitsstrecken für Züge in Süditalien oder die Brücke über die Straße von Messina interessant.
Die größten Devisenreserven der Welt
China unterhält mit 3,2 Billionen Dollar die größten Devisenreserven der Welt. Der CIC verwaltet Vermögenswerte von fast 410 Milliarden Dollar. Er gibt seine liquiden Mittel, die für Investitionen in italienische Staatsanleihen in Frage kämen, im Jahresbericht aber mit nur 4 Prozent an. Schon mehrfach hatte China angekündigt, Euroländern wie Griechenland, Spanien oder Portugal in der Schuldenkrise helfen zu wollen. Die Finanzierungsbedingungen dieser Länder hatten sich danach aber nicht verbessert. Die Meldungen zu Italien ähnelten früheren chinesischen Hilfsversprechen, ohne dass die Zinsaufschläge für griechische, portugiesische oder spanische Anleihen gesunken wären, schreibt Gary Jenkins, Analyst von Evolutions Securities in London. Außerdem ist nach Ansicht von Fachleuten ein größeres Engagement Chinas im Euroraum nicht belegt.
Regierung und Zentralbank in Peking wollen sich zu den Spekulationen nicht äußern. Finanzfachleute in China sagten dieser Zeitung, das Engagement sei denkbar, werde aber wenig an der Situation in Europa ändern: „Die Erwartung, dass China Europa rettet, sind weit überzogen“, sagte die Chefvolkswirtin der UBS in China, Wang Tao. Sie verwies darauf, dass das Land Euro-Anlagen über allenfalls 700 Milliarden Dollar halte. Das Engagement in Euro-Staatsanleihen sei trotz früherer Kaufankündigungen gering. Yi Xianrong von der staatlichen Denkfabrik Cass unterstrich, dass China trotz limitierter Möglichkeiten großes Interesse an der Stabilität in Europa habe, da es ein wichtiger Exportmarkt sei.
Bei der Auktion neuer Staatsanleihen plazierte die italienische Regierung nur 6,5 Milliarden Euro am Markt, angestrebt war ein Volumen von bis zu 7 Milliarden Euro. Von einem Warnzeichen sprach Commerzbank-Analyst David Schnautz. Denn die Nachfrage sei angesichts der gebotenen Rekordzinsen enttäuschend ausgefallen. Für die neuen fünfjährigen Anleihen über 3,9 Milliarden Euro musste das italienische Finanzministerium eine Rendite von 5,6 Prozent zahlen. Das ist der höchste Zins in dieser Laufzeit seit Einführung des Euro. Darüber hinaus wurden Schuldtitel mit Fälligkeit 2018 und 2020 begeben. Vor der Auktion soll die Europäische Zentralbank (EZB) am Markt nach Angaben von Händlern italienische Staatsanleihen in einem geringeren Umfang gekauft haben. Dies sei ungewöhnlich, da die EZB in der Regel erst nach Auktionen am Sekundärmarkt auftrete. Trotzdem gaben die Kurs italienischer Staatsanleihen am Dienstag weiter nach, entsprechend stiegen die Renditen.
Gefährliche Liebschaften
Philipp Schwab (cdu-politik.de)
- 14.09.2011, 13:44 Uhr
Das ist lächerlich, doch bald ist Weihnachten
Karl Hammer (cromagnon)
- 14.09.2011, 04:01 Uhr
Ich bin immer wieder verblüfft.
Robert Arnold (RobertArnold)
- 14.09.2011, 00:28 Uhr
Wir ...
Reinhard Wolf (Pumuckel42)
- 14.09.2011, 00:20 Uhr
Doch hat der Fuchs die Nase erst hinein, so weiß er bald den Leib nachzubringen
Volker Spielmann (Schildwache)
- 13.09.2011, 23:19 Uhr
Christian Geinitz Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.
Jüngste Beiträge