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Schuldenkrise Griechische Banken brauchen mehr Geld

07.04.2010 ·  Sorgen der Finanzmärkte vor einer Eskalation der griechischen Schuldenkrise ebben nicht ab. Anleger verlangen für griechische Staatspapiere so hohe Risikoprämien wie nie zuvor. Die Banken benötigen mehr Geld aus dem Rettungsfonds, Berlin aber stärkt Athen den Rücken.

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Griechenlands Banken brauchen mehr Geld von der Regierung. Die wegen der Schuldenkrise belasteten Institute hätten um die Freigabe von weiteren 17 Milliarden Euro aus dem Rettungsfonds gebeten, sagte Finanzminister George Papakonstantinou am Mittwoch. Die Regierung berate mit der Zentralbank darüber, wie die Mittel verteilt werden sollten. Die Bundesregierung verlässt sich trotz der andauernden Unsicherheiten an den Finanzmärkten auf die einschneidenden Spar-Zusagen der griechischen Regierung.

Bankenkreisen zufolge haben sich die vier größten Institute des Landes mit der Bitte an die Regierung gewandt. Eine Entscheidung über die Verteilung werde bis Ende der Woche erwartet. Das insgesamt 28 Milliarden Euro schwere Paket war 2008 wegen der Kreditkrise von der konservativen Vorgängerregierung verabschiedet worden. Bei den bislang unangetasteten Mitteln handelt es sich vor allem um Kreditbürgschaften.

Berlin stärkt Athen den Rücken

Die Not der Banken unterstreicht die Probleme der griechischen Wirtschaft, die in diesem Jahr voraussichtlich um zwei Prozent schrumpfen wird. Wegen der Schuldenkrise des Euro-Landes haben viele Anleger griechische Bankenaktien abgestoßen. Der Branchenindex gab in diesem Jahr bereits 20 Prozent nach. Die Skepsis an den Finanzmärkten erschwert den Banken zudem die Refinanzierung. Die Rating-Agentur Moody's senkte inzwischen die Bonitäts-Einstufung für fünf griechische Institute.

Video: Schuldenkrise Griechenland – Notfallplan steht

Die deutsche Bundesregierung geht weiterhin davon aus, dass Griechenland an dem mit der EU vereinbarten Zusagen zur Sanierung seiner maroden Staatsfinanzen festhält. Von Sorgen über die Entwicklung in Griechenland wollten deutsche Regierungssprecher nicht sprechen. Auch bei der EU-Kommission hieß es, man habe keine Kenntnis von Veränderungen am Notfallplan für Griechenland. Die Regierung habe nach wie vor nicht um Finanzhilfe gebeten.

Risikoprämien für griechische Staatspapiere steigen weiter

Ungeachtet dieser Äußerungen ebben die Sorgen der Finanzmärkte vor einer Eskalation der griechischen Schuldenkrise ebben nicht ab. Anleger verlangten am Mittwoch für griechische Staatspapiere so hohe Risikoprämien wie nie zuvor: Der Renditeunterschied zwischen zehnjährigen Staatspapieren aus Griechenland und Deutschland kletterte den zweiten Tag in Folge auf einen Rekordwert, diesmal bis auf 412 Basispunkte. Am Dienstag erreichte er 406 Punkte. Auch eine Versicherung gegen den Ausfall griechischer Papiere wurde deutlich teurer. Anleger mussten gut 401.000 Euro bezahlen, um Bonds im Wert von zehn Millionen Euro für fünf Jahre zu versichern. Das signalisiert anhaltende Zweifel an den Märkten, ob die griechischen Sparanstrengungen zum Erfolg führen.

Eurostat veröffentlicht neue Defizit-Daten

Die EU-Partner werden bald mehr Klarheit über das Ausmaß der griechischen Schuldenkrise bekommen. Die europäische Statistikbehörde Eurostat werde am 22. April die Defizit- und Schuldenwerte der EU-Länder für 2009 veröffentlichen, kündigte eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel an. Sie reagierte nicht auf Gerüchte, wonach das griechische Defizit im vergangenen Jahr bei rund 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gelegen haben soll - und damit deutlich höher als die bisher gemeldeten 12,7 Prozent. Eurostat habe die aktuellen Schuldenschätzungen der Mitgliedstaaten erhalten und überprüfe derzeit die Daten, sagte die Sprecherin. Sie kommentierte - wie schon am Vortag - die verschlechterten Kapitalmarktbedingungen für griechische Staatsanleihen nicht.

IWF-Fachleute besuchen unterdessen das Problemland und haben ihre Hilfe bei Prüfungen der aktuellen Entwicklung angeboten. Die Bundesregierung geht davon aus, derzeit alles getan zu haben, um zur Wiederherstellung des Vertrauen in Griechenland an den Märkten beigetragen zu haben, erklärte ein Finanzministeriumssprecher.

Die Finanznachrichtenagentur „Market News International“ hatte am Dienstag unter Berufung auf hochrangige griechische Regierungsvertreter berichtet, die dortige Regierung fürchte harte Auflagen IWF im Gegenzug für Finanzhilfen, die zu Unruhen führen könnten (Renditen griechischer Staatsanleihen steigen dramatisch). Deshalb strebe Griechenland einen Rettungsplan mit klarerem europäischen Schwerpunkt an. Die Regierung hatte aber bereits am Dienstag Darstellungen über Änderungswünsche an dem verabredeten Nothilfepaket in Abrede gestellt. Beim EU-Gipfel in Brüssel Ende März hatten die Euro-Länder den Notfallplan beschlossen (Euro-Staaten einigen sich auf Rettungsplan für Griechenland. Dieser sieht im äußersten Notfall- also wenn Griechenland keine anderen Finanzierungsquellen mehr haben sollte - bilaterale Hilfen der Euro-Partner in Verbindung mit IWF-Unterstützungen vor. Eine Entscheidung dazu müssten die Regierungen des Euroraumes allerdings einstimmig treffen.

Uneinig über den Zins für die Hilfen

Unterdessen hieß es in Kreisen der Euro-Länder, dort sei man sich uneinig über den Zins, den man gegebenenfalls Griechenland für bilaterale Hilfen abverlangen sollte. Deutschland und die Niederlande forderten höhere Aufschläge als die anderen
Staaten, um Schuldenländern keinen falschen Anreiz zu geben. Nach einem Bericht der „Financial Times“ plädiert Deutschland für Zinsen von sechs bis 6,5 Prozent, während der große Rest der Euro-Zone sich mit vier bis 4,5 Prozent begnügen würde. Eine
Sprecherin der EU-Kommission sagte, die Euro-Länder hätten sich auf eine Berechnungsmethode für den Zins geeinigt. In der gemeinsamen Erklärung hieß es, angestrebt werde kein Durchschnittszins, sondern eine Rate, die keine Subvention enthalte und einen
Anreiz setze, so schnell wie möglich wieder Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen.

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