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Schuldenkrise Griechenland bekommt Hilfe. Aber zu welchem Zins?

11.04.2010 ·  Die Finanzminister im Euro-Raum wollen in einer Telefonkonferenz am Sonntag den milliardenschweren Rettungsplan für das hochverschuldete Griechenland beschließen. Auf die Modalitäten für mögliche Hilfskredite wie etwa die Zinshöhe konnten sich die 16 Euro-Länder bereits einigen.

Von Christian Siedenbiedel
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Was für eine schwarze Woche für Griechenland: Panik ergriff die Finanzmärkte, die Risikozuschläge für griechische Staatsanleihen erreichten neue Höchststände, und die Kreditwürdigkeit des Landes wurde herabgestuft. Immer wahrscheinlicher wird es, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington Athen nicht nur mit Beratung helfen muss - sondern mit Milliarden.

Der staatliche griechische Rundfunk meldete zum Wochenende, die Details für ein Nothilfepaket seien ausgehandelt. 20 bis 25 Milliarden Euro sollten der Währungsfonds und die europäischen Länder bereitstellen.

Die entscheidende Frage, um die es dabei geht: Wie hoch soll der Zins sein, zu dem Griechenland Geld geliehen wird? Ist er zu hoch, nützt es dem Land nichts. Ist er aber zu niedrig, werden andere Länder ermutigt, gleichfalls unsolide zu wirtschaften und sich auf Hilfe zu verlassen.

Zwei mögliche Geldgeber

Je unsicherer die privaten Anleger in aller Welt über die Kreditwürdigkeit Griechenlands werden, desto mehr Zinsen muss das Land für neue Anleihen zahlen. Es bekommt zwar weiter Geld, aber die Kreditaufnahme wird immer teurer. Investoren verlangten zuletzt für zehnjähige griechische Staatsanleihen eine Rendite von rund 7,4 Prozent - gut vier Prozentpunkte mehr als für entsprechende Papiere aus Deutschland. „In Griechenland wird jetzt diskutiert, ab welchem Zinssatz die Regierung den IWF um Hilfe bittet“, sagt Jens Bastian, Ökonom an der Athener Denkfabrik Eliamep.

Das Interesse Griechenlands muss es sein, möglichst billig an Geld zu kommen. Schließlich treiben hohe Zinsen das Land immer weiter in die Schuldenkrise. Seit die europäischen Politiker auf ihrem Gipfel am 25. März die Grundzüge eines Rettungsprogramms beschlossen haben, gibt es zwei mögliche Geldgeber jenseits des Kapitalmarktes: die anderen europäischen Staaten und den IWF.

„Möglichst marktnahe Zinsen“

Beide Kreditgeber verfolgen unterschiedliche Interessen, das spiegelt sich in der Höhe des Zinses wider. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zunächst versichert, die europäischen Länder sollten Griechenland nur zu einem „marktüblichen Zins“ Geld leihen. Das wären derzeit also rund sieben Prozent. Merkel wollte damit den Eindruck vermeiden, die anderen Länder ließen Griechenland eine Unterstützung zukommen, die nach den Regeln der Europäischen Währungsunion eigentlich nicht erlaubt ist.

Für die Griechen allerdings ist eine Hilfe zu marktüblichen Zinsen sinnlos: Zu diesen Zinsen können sie sich schließlich auch bei privaten Investoren verschulden. Und sollte irgendwann wirklich niemand mehr den Griechen Geld leihen - dann gäbe es auch keinen „marktüblichen Zins“ mehr. Entsprechend ist nun von „möglichst marktnahen Zinsen“ die Rede.

Eingespieltes Verfahren beim IWF

Ganz anders der IWF. Bei der internationalen Organisation gibt es ein eingespieltes Verfahren, wie Kredite an notleidende Länder vergeben werden. Er hat zwar nur geringe eigene Währungsreserven. Er kann aber sogenannte Sonderziehungsrechte ausgeben. Das ist eine Kunstwährung, die sich auf einen Korb von Währungen bezieht. Der IWF kann diese Sonderziehungsrechte direkt als Kredit vergeben oder bei den Notenbanken seiner Mitgliedsländer in Euro umtauschen, die er dann an Griechenland als Kredit vergibt. Sollten die Kredite einmal ausfallen, trifft das die Geldgeber des IWF: Der größte von ihnen ist Amerika, gefolgt von Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und China.

Je nach dem Programm, das in Anspruch genommen wird, liegt der Zins beim IWF etwas über drei Prozent. Die IWF-Kredite wären also deutlich billiger als die der anderen europäischen Länder. Dafür ist ihre Gesamthöhe in der Regel begrenzt. Für Griechenland war bislang von etwas mehr als zehn Milliarden Euro die Rede.

Außerdem verbindet der IWF seine Kredite immer mit Auflagen. In der Regel müssen etwa die Staatsausgaben gesenkt, die Gehälter im öffentlichen Dienst gekürzt und die Steuern erhöht werden. Bisweilen sorgen solche Auflagen im Land für Unruhen, sogar Regierungen sind darüber schon gestürzt. „Das macht den Fonds für viele Länder zum eher ungeliebten Freund und Helfer“, sagt Jörg Crämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. In der vergangenen Woche gab es deshalb sogar Gerüchte, die griechische Regierung wolle aus Furcht vor den Auflagen ganz auf die Hilfe des IWF verzichten. Das scheint sich aber nicht zu bewahrheiten.

Die Finanzminister der Eurozone wollen in einer Telefonkonferenz am Sonntag den milliardenschweren Rettungsplan für das hochverschuldete Griechenland beschließen. Es wir erwartet, dass im Anschluss an die Konferenz der Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker und EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel eine Pressekonferenz geben. Griechenland wird nach den Worten von Ministerpräsident George Papandreou offenbar ein Sicherheitsnetz der Europäischen Union notfalls in Anspruch nehmen. Das mit 300 Milliarden Euro verschuldete Griechenland benötigt bis Ende Mai mehr als 10 Milliarden Euro, um fällige Kredite abzuzahlen. Finanzexperten bezweifeln, dass sich Athen das nötige Geld an den Finanzmärkten besorgen kann. (Dow Jones)

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