27.06.2011 · Die Bundesregierung begrüßt den neuen Plan der französischen Banken und des Finanzministeriums zur Beteiligung privater Gläubiger an der Griechenland-Hilfe. Deutsche-Bank-Chef Ackermann reagiert zurückhaltend.
Von Ch. Schubert, H. Mußler, M. Schäfers und M. FrühaufDie französischen Banken wollen sich an der Rettung Griechenlands beteiligen. Das berichtete Präsident Nicolas Sarkozy am Montag auf einer Pressekonferenz im Elysée-Palast. Nach seinen Angaben wollen die Banken nur einen Teil der in den kommenden Jahren fälligen griechischen Staatsanleihen neu zeichnen, dies aber mit erheblich längerer Laufzeit. Einen entsprechenden Vorschlag hätten die französischen Institute nun ihren Wettbewerbern in Europa vorgelegt, denn sie strebten zur besseren Vergleichbarkeit von Engagements und Belastungen eine europäische Lösung an, hieß es in Regierungskreisen.
Angeführt vom Marktführer BNP Paribas schlägt die französischen Finanzwirtschaft vor, dass europäische Banken und Versicherer rund die Hälfte der in den kommenden Jahren fälligen Staatsanleihen in neue Papiere mit bis zu 30 Jahre Laufzeit umwandeln. Gleichzeitig sollen die Banken etwa in der Höhe von 20 Prozent ihres früheren Engagements zur eigenen Sicherheit in neue Anleihen mit der Höchstnote „AAA“ investieren, darunter unter Umständen Papiere des Euro-Stabilisierungsfonds EFSF. Die Zinsen dafür sollen während der Laufzeit von ebenfalls bis zu 30 Jahren nicht ausgezahlt, sondern kapitalisiert werden, so dass über die Laufzeit der Griechenland-Anleihen hinweg eine Art Sicherheitsrücklage für die Gläubiger entsteht. Die Rendite der Griechenland-Anleihen könnte indexiert und immer dann aufgestockt werden, wenn Griechenland gutes Wirtschaftswachstum erzielt, hieß es in französischen Regierungskreisen.
Bundesregierung offen für das französische Modell
Sarkozy glaubt, dass „dieses System für andere Länder bestimmt interessant sein kann“. Es sei aber nicht das „Alpha und Omega“, sondern könnte noch abgeändert werden, sagte der französische Präsident. Eine staatliche Garantie, wie sie deutsche Banken gefordert haben, sei indes nicht vorgesehen, verlautet aus dem Elysée-Palast. Weil unter Umständen nur 50 Prozent der fälligen Griechenland-Anleihen verlängert werden, hoffen die französischen Banken darauf, neue Investoren zu gewinnen, darunter auch Fonds und Versicherer.
Die Bundesregierung ist offen für das französische Modell. In den Gesprächen mit der Finanzwirtschaft werde über solche Vorschläge diskutiert, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. In Bankenkreisen wird das französische Konzept als „sehr interessant“ bezeichnet. Es stelle einen Orientierungspunkt für die laufenden Verhandlungen mit dem Bundesfinanzministerium dar.
Ackermann warnt vor Umschuldung
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, wertete den Vorschlag zurückhaltender als „eine eigene französische Lösung“. Der von ihm geführte internationale Bankenverband IIF arbeitet im Auftrag der Regierungen an Modellen, um eine Laufzeitverlängerung griechischer Schulden zu erreichen. „Noch aber haben wir nicht alle Gläubiger im Boot“, sagte Ackermann in Frankfurt. Komplexe rechtliche und bilanzielle Fragen seien zu klären. „Die Bundesregierung erwartet von uns, dass wir Möglichkeiten finden. Aber ob das in dieser Woche gelingt, ist offen“, so der Deutsche-Bank-Chef.
Die Bundesregierung dringt weiterhin auf eine freiwillige Zusage privater Gläubiger an einem neuen Rettungspaket für Griechenland. Der Anteil müsse quantifizierbar, berechenbar und substantiell sein, damit der externe Finanzbedarf, der durch die öffentlichen Hände gedeckt werden müsse, spürbar gesenkt werden könne, sagte Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen in Berlin. Seinen Worten zufolge geht die Bundesregierung davon aus, dass das Parlament in Athen in dieser Woche dem neuen Sparpaket der Regierung zustimmen wird. Die Euro-Finanzminister könnten dann auf ihrem Treffen am 3. Juli im Kern das neue Hilfsprogramm für Griechenland vereinbaren. Sollte die Parlamentsmehrheit in Athen wider Erwarten nicht erreicht werden, müsse jedoch die Eurozone darauf vorbereitet sein. An den Finanzmärkten wird befürchtet, dass eine Ablehnung des Sparpakets zur Insolvenz Griechenlands führt. Denn dann dürften die Eurogruppe und der Internationale Währungsfonds die Auszahlung der dringend benötigten Kredittranche über 12 Milliarden Euro verweigern.
Ackermann warnte davor, dass ein schneller Schuldenschnitt Griechenlands größere Verwerfungen an den Kapitalmärkten auslösen könnte als der Zusammenbruch von Lehman im September 2008. Er plädierte dafür, zunächst die Schuldenlast Griechenlands zu stabilisieren und eine Umschuldung allenfalls am Ende zu machen. „Wenn Griechenland fällt, fallen auch die griechischen Banken und die sind ja auch von anderen Banken finanziert“, sagte er.
Die europäischen Finanzjongleure sind mit ihrer Weisheit am Ende.
Gerhard Both (g.both)
- 27.06.2011, 16:57 Uhr
Griechen-Abstimmung nur Augenwischerei
Anton Kettenruettler (kettenruettler)
- 27.06.2011, 17:14 Uhr
Die Bundesregierung begrüßt es, wenn vom Privatsektor Vorschläge kommen..
Raoul Duke (RaDuke)
- 27.06.2011, 17:39 Uhr
Auch hier hilft wieder einmal nur der klassische Staatsbankrott
Volker Spielmann (Schildwache)
- 27.06.2011, 19:01 Uhr
Der Michel wird wieder einmal verdummt
Edda Kuhlmann (DTaggert)
- 27.06.2011, 19:36 Uhr