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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Schuldenkrise Euro-Sorgenländer erholen sich langsam

 ·  Seit Ausbruch der Krise haben Irland, Spanien und Portugal ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Griechenland kommt nur schwer voran. Italien bemüht sich um Reformen, doch vieles bleibt Stückwerk.

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© dpa Die Lage in einigen Euro-Krisenländern wird langsam besser - Griechenland kommt allerdings weiter nur langsam voran

Weiterhin quält sich die Euro-Peripherie mit tiefen Rezessionen, hoher Arbeitslosigkeit, sinkenden Einkommen und steigenden Schuldenlasten. Doch ökonomische Indikatoren belegen, dass einige der Krisenländer, allen voran Irland, aber auch Spanien und Portugal, ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessert haben. Das zeigt sich an sinkenden Lohnstückkosten und besseren Leistungsbilanzen dieser Länder.

In den Jahren nach Beginn der Währungsunion erlebte die Euro-Peripherie zunächst einen künstlichen Boom, befeuert durch billige Kredite, infolge dessen auch die Löhne weit schneller als die Produktivität stiegen. In Irland und Griechenland erhöhten sich dadurch die Lohnstückkosten bis 2009 um fast 40 Prozent, in Spanien und Italien um mehr als 30 Prozent, in Portugal um gut 25 Prozent. Im Euro-Durchschnitt stiegen die Lohnstückkosten dadurch um gut 20 Prozent, in Deutschland dagegen nur um rund 6 Prozent. Die Folge waren ein drastischer Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit der Peripherie und ein rapider Einbruch, nachdem die Blase geplatzt war. Seitdem mussten die Randländer das Ruder herumreißen - mit unterschiedlichem Erfolg.

Vor allem in Irland gute Fortschritte

„Irland hat, gemessen an den Lohnstückkosten, seit 2009 rund 90 Prozent des Verlusts der preislichen Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Euroraum-Durchschnitt wettgemacht“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. „Spanien und Portugal haben mehr als die Hälfte zurückgewonnen, und dieser Aufholprozess solle in diesen Ländern weitergehen, weil sie ihren Lohnfindungsprozess dezentralisiert haben.“ Nur in Italien seien die Lohnstückkosten seit dem Höhepunkt mehr oder weniger unverändert geblieben, kritisiert Krämer. „Das Land hat nichts an Wettbewerbsfähigkeit zurückgewonnen, dabei dürfte es wohl bleiben, weil die Monti-Regierung den Bereich der Lohnfindung nicht reformiert hat.“

Skeptiker wie Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn halten die Produktionskostenniveaus der südeuropäischen Euroländer noch immer für viel zu hoch. Griechenland müsste nochmals um etwa 30 Prozent real abwerten, um mit seinen Produkten auf dem Weltmarkt preislich wettbewerbsfähig zu werden. Zudem weisen Skeptiker darauf hin, dass die durchschnittlichen Lohnstückkosten durch die massenhaften Entlassungen statistisch verzerrt werden: In Spanien etwa haben mehr als 600000 Bauarbeiter, darunter viele ungelernte, ihre Jobs verloren.

Diese wenig produktiven Arbeitskräfte fallen aus der Statistik. Von „Entlassungsproduktivität“ sprechen Ökonomen. „Die Fortschritte bei der Korrektur der Lohnstückkosten kommen zu einem guten Teil von Produktivitätssteigerungen aufgrund von Entlassungen und dem notwendigen Strukturwandel“, sagte Andreas Rees, Deutschland-Chefvolkswirt der Bank Unicredit. Er sieht insgesamt gute Fortschritte, vor allem in Irland, aber auch in Griechenland und Spanien.

Griechenland lebt weiter über seine Verhältnisse

Auf dem Höhepunkt der Blase hatten die Peripheriestaaten gigantische Leistungsbilanzdefizite. Ihr Import lag weit über dem Export von Waren und Dienstleistungen. Griechenland hatte 2007 ein Leistungsbilanzdefizit von unglaublichen 14,6 Prozent des BIP, Spanien rund 10 Prozent und Portugal fast 11 Prozent, Irland immerhin fast 6 Prozent. Seitdem hat vor allem Irland seine Leistungsbilanz drastisch verbessert und konnte 2010 und 2011 sogar Überschüsse ausweisen. In Griechenland hingegen ist die Korrektur nur schwach, das Land lebt weiterhin weit über seine Verhältnisse, finanziert durch die Hilfskredite. Im vergangenen Jahr hatte Griechenland immer noch fast 10 Prozent Defizit, Spaniens Defizit hatte sich seit dem Höhepunkt auf 3,5 Prozent gedrittelt, Portugals auf 6 Prozent halbiert

„Der Abbau der Leistungsbilanzdefizite erfolgt vor allem über Importverringerung“, erklärt Rolf Langhammer, Außenhandelsexperte am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Im Zuge der Rezessionen können sich die Krisenländer weniger Einfuhr von Waren leisten. Ihre etwas verbesserte Wettbewerbsfähigkeit hilft aber nach und nach auch dem Export. Eine Studie der Deutschen Bank zeigt, dass seit der Krise die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse mit diesen Ländern drastisch zurückgegangen sind.

„Italien scheint auf einem soliden Kurs, um sein Leistungsbilanzdefizit mit Deutschland zu schließen“, heißt es in der Studie. Auch Unicredit-Ökonom Rees lobt: Italien sei beim Ausgleich der Handelsbilanzen mit Abstand am weitesten von allen Südeuropäern. Weil das Land auch recht viel nach Deutschland exportiert (13 Prozent Anteil), kann es auch vom Erfolg deutscher Unternehmen in der Welt indirekt profitieren. Spanien hat in Lateinamerika große Wachstumsmärkte. Im größten und wichtigsten Schwellenland China sind die Südeuropäer aber generell nur schwach vertreten, höchstens indirekt spüren sie etwas vom dortigen Wachstum.

Große Defizite in Spaniens Reformen

In Irland und Spanien war ein wichtiger Faktor der Krise das Platzen von Immobilienpreisblasen, auch in Griechenland sinken die überhöhten Preise. „Obwohl in Spanien eine beträchtliche Anpassung stattgefunden hat, ist der spanische Markt nach unseren Berechnungen immer noch um circa 25 Prozent überbewertet“, sagt Jochen Möbert, Analyst bei Deutsche Bank Research. Der andauernde Preisverfall belastet die Wirtschaft schwer.

„Der außerordentlich hohe Wohnungsleerstand lähmt die Investitionstätigkeit im Bausektor weiter“, sagt Jürgen Donges, ehemaliger deutscher Wirtschaftsweiser, der in Spanien lebt. Manche Beobachter sprechen von mehr als einer Million leerstehender Häuser. Die faulen Hypothekenkredite bringen zudem die Banken in Bedrängnis. „Da diese jetzt aber auf eine Bad Bank übertragen werden sollen, schwindet eines der verbliebenen Risiken der geplatzten Immobilienblase“, meint Donges.

Was den Stand der Reformen in Spanien angeht, sieht er noch große Defizite. Zwar versuche die Regierung das Haushaltsdefizit zu senken, doch tue sie dies zu stark über Steuererhöhungen und zu wenig über Ausgabenkürzungen. „Das Rentenniveau beispielsweise ist für Ministerpräsident Rajoy unantastbar.“ Zudem gebe es immer noch viele unproduktive sektorspezifische Subventionen. „Und die Gewerkschaften und die Arbeitgeberverbände werden weiterhin vom Staat großzügig alimentiert, trotz einiger Kürzungen“, kritisiert er.

Auch in Italien, wo der Technokrat Mario Monti große Reformen angekündigt hat, bleiben diese bislang Stückwerk. Das Land hätte besonders viel zu tun, um als Standort für Investoren interessanter zu werden. Laut der jüngsten Untersuchung der Weltbank im „Doing Business“-Report liege es in vielen Kategorien „auf Niveau eines Entwicklungslandes“, kritisiert Jörg Krämer von der Commerzbank, etwa was die Qualität des Rechtssystems und die Korruption angeht.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft.

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