10.04.2010 · Die Euro-Länder haben sich nach Angaben aus Diplomatenkreisen auf die Modalitäten für mögliche Hilfen an Griechenland geeinigt. Kredite an den hochverschuldeten Staat sollen demnach billiger als am Markt üblich vergeben werden.
Von Alexander Armbruster und Gerald BraunbergerDie Euro-Staaten haben sich nach Informationen aus EU-Kreisen auf eine Zinshöhe für mögliche Hilfskredite an Griechenland geeinigt. Der Zins sei in etwa so hoch wie bei Krediten des Internationalen Währungsfonds (IWF), sagte ein mit den Beratungen Vertrauter am Freitag in Brüssel nach einem Treffen von Experten der Euro-Staaten. Nach Reuters-Berechnungen wäre das eine Rate von rund fünf Prozent, was zumindest gegenüber dem aktuellen Marktzins von über sieben Prozent eine Erleichterung wäre. Zuvor hatten die großen Euro-Länder Griechenland abermals demonstrativ den Rücken gestärkt, indem sie ihre Solidarität bekräftigten.
Der Euro legte um fast einen Cent zu auf Kurse bei 1,3480 Dollar, denn die Anleger sahen die Auszahlung von Hilfen an Griechenland nun näher rücken. Auch die Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes durch die Ratingagentur Fitch auf die Note „BBB-“ von „BBB+“ konnte den Kursanstieg nur vorübergehend dämpfen. Die Agentur bewertete den Ausblick für das hochverschuldete Land zudem negativ, weil sich die Wirtschaftslage verschlechtere und die Zinslast wachse.
Zuvor stiegen während des Freitags wichtige Aktienindizes in Europa und erholten sich von ihren Vortagsverlusten. Der deutsche Leitindex Dax kletterte um rund 1 Prozent auf über 6200 Punkte, der für europäische Aktien repräsentative Index Stoxx 600 legte ähnlich stark zu. Parallel dazu notierten auch griechische Staatsanleihen etwas fester. Dennoch senden ihre Kurse weiterhin Signale drohenden Ungemachs aus: Sowohl zwei als auch zehn Jahr laufende griechische Staatsschuldtitel rentierten auch am letzten Börsentag der Woche über 7 Prozent und damit weiter in einem Rekordabstand zu den in Europa als Maßstab und sicher geltenden deutschen Bundesanleihen mit derselben Laufzeit.
Damit prallen am Finanzmarkt weiterhin zwei grundsätzlich verschiedene Meinungen aufeinander. An den Aktienmärkten steigen die Kurse seit ihrem Krisentief im März des vergangenen Jahres nahezu ungebrochen. Die Anleger sind hier überwiegend optimistisch, dass die Wirtschaft weiter wachsen wird und die Unternehmen ihre Gewinne steigern können. Alleine für die 30 im Dax gelisteten deutschen Standardwerte prognostizieren die professionellen Marktbeobachter einen Gewinnanstieg in diesem Jahr um durchschnittlich 50 Prozent. Auf Basis dieser Erwartungen und gemessen an aktuellen Börsenkursen sind Aktien zumindest in Deutschland verglichen mit der Vergangenheit nicht teuer.
Zu diesem positiven Szenario gehört allerdings, dass Griechenland seine Schulden fristgerecht tilgen und weiter genügend Kredit am Kapitalmarkt aufnehmen können wird. An den Rentenmärkten wird genau das bezweifelt. Seitdem im Herbst des vergangenen Jahres bekannt wurde, wie schlimm es um die Staatsfinanzen des südeuropäischen Landes bestellt ist, verlieren griechische Schuldtitel fast kontinuierlich an Wert. Spiegelbildlich dazu stieg ihre Rendite, zumal in dieser Woche. Zehnjährige griechische Staatsanleihen rentierten im Freitagshandel mit bis zu 7,3 Prozent, zweijährige Papiere nur knapp darunter mit etwas über 7,2 Prozent. Auch die Versicherung gegen einen Zahlungsausfall des Landes wurde zum Wochenschluss teurer: Wer sich am Freitag beispielsweise gegen den Ausfall fünf Jahre laufender griechischer Staatsanleihen mit einem Volumen von 10 Millionen Euro absichern wollte, musste dafür rund 443.000 Euro pro Jahr bezahlen. Zu Wochenbeginn kostete das nach Angaben des Finanzportals Bloomberg noch 342.000 Euro.
Debatte über Hilfen für Griechenland
Am Markt mehrten sich denn auch Stimmen, wonach Griechenland nun nicht mehr ohne die Hilfe von außerhalb auskommen könne. „Griechenland hat im Grunde kurzfristig nur zwei Möglichkeiten: Entweder geht es auf die Nachfrage der Anleger zu deren Konditionen ein. Oder es nutzt die Hilfe des Internationalen Währungsfonds und der EU“, sagt Asoka Wöhrmann, für den Anleihemarkt zuständiger Geschäftsführer der Fondsgesellschaft DWS. Griechenland hatte mehrfach geäußert, die aktuellen Marktzinsen für seine Schulden für zu hoch zu halten. Nach eigenen Aussagen will es jedoch auch auf den Nothilfeplan der Europäischen Union verzichten. „Wir haben gesagt, dass Griechenland keine Absicht hat, diesen Mechanismus zu nutzen“, erklärte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou der Nachrichtenagentur Reuters zufolge nach einem Treffen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou am Freitag.
Vertreter der Europäischen Kommission in Brüssel sowie der Regierungen in Berlin, Paris und Rom betonten, dass Athen dennoch auf die Hilfszusagen des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Union bauen könne. Analysten der schweizerischen Großbank UBS halten ein Hilfeersuchen Athens in den kommenden Tagen für möglich.
In Griechenland ist die Industrieproduktion im Februar mit einer Jahresrate von 9,2 Prozent eingebrochen. Dagegen hat die Inflation im März auf eine Jahresrate von 3,9 Prozent zugenommen. Athen will in der kommenden Woche Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von 26 und 52 Wochen über 1,2 Milliarden Euro versteigern. Der legendäre Investor George Soros gibt der Bundesregierung eine Mitschuld an den Risikoaufschlägen für griechische Staatsanleihen in den vergangenen Tagen: „Wenn Deutschland sich darauf einlassen würde, Geld zu günstigeren Konditionen zu geben, würden die Marktzinsen fallen. Ich hoffe, dass Deutschland erkennen wird, dass das Gerede über Kredite zu Marktzinsen die falsche Medizin ist. Das würde Griechenland in den Abgrund treiben.“
DWS glaubt weiter an Zahlungsfähigeit Athens
Wie auch immer sich das Land entscheidet – DWS-Chef Wöhrmann erwartet, dass es zahlungsfähig bleiben wird. „Wir sind in unseren Fonds, die Volatilität vertragen können, eine Position in griechischen Anleihen eingegangen, zu der wir nach wie vor stehen.“ Den Anstieg der Renditen in dieser Woche hält er für übertrieben. „An den fundamentalen Daten hat sich nichts geändert im Vergleich zur Woche vor Ostern.“ Damit teilt er die Meinung der Aktienmärkte – und damit den Grund dafür, dass dort die Kurse gestiegen sind.
Sehr geehrter Herr Soros,
Edda Kuhlmann (DTaggert)
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Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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