12.05.2010 · Erst wurden die Banken gerettet, dann Griechenland und jetzt der Euro. Was kosten eigentlich die vielen Rettungschirme jeden einzelnen Bürger? Für welche Beträge bürgen wir? Manfred Schäfers hat die Summen mit den vielen Nullen einmal heruntergerechnet.
Der Preis für diese Schirme sprengt jede Vorstellungskraft. Das Rettungspaket für die Banken aus dem Herbst 2008 ist 480 Milliarden Euro schwer, das wenige Monate später nachgeschobene für Unternehmen 115 Milliarden Euro. Die Garantie für Griechenland erreicht 22,4 Milliarden Euro. Das zwei Tage später geschnürte Euro-Rettungspaket kann die Deutschen sogar 123 Milliarden Euro kosten. Mit insgesamt 720 Milliarden Euro wollen die europäischen Regierungen den Spekulanten den Schneid abkaufen (siehe Wie der Euro-Rettungstopf funktioniert). In der Krise haben sich offensichtlich rasant die Nullen vermehrt, die hinter den natürlichen Zahlen stehen.
Dagegen ist, um ein Beispiel aus dem normalen Leben im deutschen Mai zu nehmen, ein ordentlicher Regenschirm schon für 30 Euro zu bekommen. Demnach entspricht das aktuelle deutsche Garantiepaket zur Verteidigung des Euro 41.000.000.000 Exemplaren. Da dies ebenso wenig greifbar ist wie die abstrakte Zahl, ist offensichtlich ein anderer Vergleich besser, um die wahren Größen zu erkennen. In Deutschland gibt es knapp 30 Millionen unbeschränkt Steuerpflichtige. Für das Bankenrettungspaket bürgt somit jeder von ihnen mit 16.000 Euro, für die Unternehmen mit 3450 Euro, für Griechenland mit 766 Euro, für die Verteidigung der Währungsunion mit 4100 Euro - insgesamt also im Gegenwert eines netten Mittelklasseautos.
9000 Euro je Einwohner für alle vier Pakete
Auch der Vergleich mit dem, was die Bürger und Unternehmen im Laufe eines Jahres erwirtschaften, ist von Aussagekraft: Das Bruttoinlandsprodukt betrug zuletzt rund 2400 Milliarden Euro, je Einwohner sind das rund 30.000 Euro. Die vier Rettungschirme für Banken, Unternehmen, Griechenland und den Euro addieren sich auf 740 Milliarden Euro. Je Einwohner sind das etwa 9000 Euro, also etwas weniger als ein Drittel des durchschnittlichen Bruttoinlandsprodukts je Einwohner.
Staat und Bürger müssen stets damit rechnen, dass eine Garantie fällig wird. Doch bisher ist der schlimmste Fall noch nicht eingetreten. Aus dem Rettungsschirm für die Banken, der im Herbst 2008 aufgespannt worden ist, wurden bisher Hilfen von 219,3 Milliarden Euro vorsorglich beantragt, unterzeichnet wurden davon 172,5 Milliarden Euro: 144,4 entfallen auf Garantien und 28 Milliarden Euro auf Rekapitalisierungen. Wie die Bundesregierung jüngst berichtete, hat der Sonderfonds 2008 und 2009 rund 415 Millionen Euro an Zinsen gezahlt. Dem stehen sogar mehr Einnahmen gegenüber. So sind an Gebühren aus Garantien und Eigenmittelhilfen insgesamt rund 703 Millionen Euro in den Fonds geflossen. Demnach hat er mit der Bankenrettung Geld verdient.
Auch die aktuellen Zahlen des Wirtschaftsfonds wecken die Hoffnung, dass es nicht so schlimm kommen muss, wie die haushaltsrechtlichen Obergrenzen befürchten lassen. Seit seiner Einrichtung Anfang März 2009 haben bis Ende Februar 2010 insgesamt 12 200 Unternehmen Mittel über 11,5 Milliarden Euro erhalten. Das ist ein Zehntel der ursprünglich genannten Summe. Den deutschen Steuerzahlern bleibt nach dem vergangenen Wochenende die Hoffnung, dass die Euro-Rechnung nicht höher ausfallen wird. Falls die Beschlüsse die Inflation steigen lassen und den Euro aufweichen werden, geht es um ganz andere Größenordnungen. Nur ist der Zahltag dann später. Manfred Schäfers
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |