27.03.2011 · Irlands Regierung bittet die EZB um mittel- bis langfristige Liquiditätshilfen. Bald wird die irische Notenbank auch das Ergebnis eines „Stresstests“ der Banken des Landes veröffentlichen.
Von Marcus Theurer, LondonDie Krise der irischen Banken ist offenbar noch schlimmer als befürchtet. Die irische Regierung dringt darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die maroden irischen Großbanken auch mittel- bis langfristig mit Liquiditätshilfen versorgt. Am Donnerstag veröffentlicht außerdem die irische Notenbank das Ergebnis eines weiteren „Stresstests“ für die irischen Banken. Befürchtet wird, dass bei dieser Bilanzprüfung neue Milliardenlöcher auftauchen.
Die Geldhäuser hatten erst im November im Rahmen eines Notkredits für Irland durch die anderen Euro-Länder und den Internationalen Währungsfonds einen Kapitalpuffer von bis zu 35 Milliarden Euro zugesagt bekommen. Ob dieser ausreicht, hängt maßgeblich vom Ergebnis des Stresstests in dieser Woche ab. Die irischen Banken haben in den vergangenen beiden Jahren wegen exorbitanter Verluste mit Immobilienkrediten bereits eine Kapitalerhöhung von 46 Milliarden Euro benötigt. In den vergangenen Monaten sind auch die zweitgrößte Bank Allied Irish Banks und der Marktführer Bank of Ireland zunehmend in Bedrängnis geraten.
Irland Banken hängen seit Herbst am Liquiditätstropf der EZB
Der neue irische Ministerpräsident Enda Kenny hat EZB-Präsident Jean-Claude Trichet um eine Verlängerung der Liquiditätshilfen für die maroden irischen Banken gebeten. „Ich habe ihn an die Tragweite erinnert“, sagte Kenny auf dem EU-Gipfel Ende der vergangenen Woche in Brüssel vor Journalisten. Eine mittel- bis langfristige Refinanzierung der Banken durch die EZB verschaffe diesen mehr Glaubwürdigkeit an den Märkten als die bisherigen kurzfristigen Refinanzierungslinien durch die EZB und die irische Notenbank. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Wochenende unter Berufung auf Notenbankkreise, die EZB bereite ein neues Programm zur Liquiditätsversorgung der Banken in Irland und anderen Euro-Krisenländern vor. Landwirtschaftsminister Simon Coveney sagte unterdessen am Sonntag im staatlichen Rundfunk, dass bei der Sanierung der Banken ein größerer Kreis von Gläubigern zur Kasse gebeten werden solle, um die Last der Steuerzahler zu mindern.
Die irischen Banken hängen schon seit Herbst am Liquiditätstropf der EZB und der irischen Notenbank, weil sie von der normalen Refinanzierung am Interbankenmarkt weitgehend abgeschnitten sind. Die Hilfe der EZB ist eigentlich nur für Notfallsituationen und nicht als Dauereinrichtung gedacht, weshalb die Notenbank diese zunehmend kritisch sieht. Das Ausmaß der Bankenmisere in Irland ist bisher nicht absehbar. Die Banken haben 2010 notleidende gewerbliche Immobilienkredite im Volumen von 71 Milliarden Euro an die staatliche Auffanggesellschaft Nama übertragen. Befürchtet werden weitere hohe Belastungen durch Abschreibungen auf Immobilienkredite.
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