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Rating-Agenturen Fünf Vorschläge für ein besseres Rating

13.06.2010 ·  Es gibt viele Ideen, die Rating-Agenturen zu regulieren. Alle haben einen Haken.

Von Patrick Bernau und Winand von Petersdorff
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Mehr Konkurrenz zulassen

Die Idee: Bisher gibt es nur drei große Rating-Agenturen auf der Welt. Sie haben große Macht. Da wäre es doch gut, wenn es noch mehr Rating-Agenturen gäbe - am Ende wäre jede einzelne weniger einflussreich. Es gäbe genügend Firmen, die sich mit Kreditbewertung auskennen. Letztlich müsste vor allem die amerikanische Börsenaufsicht ihre Regeln bloß so ändern, dass neue Agenturen leichter auf den Markt kommen.

Der Haken: Rating-Agenturen werden von den bewerteten Firmen finanziert. Schon heute bezahlen viele Firmen nur zwei der drei Agenturen, weil ihnen zwei Ratings reichen. Darum ist nicht klar, ob eine dritte und vierte Agentur viel Geld verdienen könnten. Damit sie überhaupt gegründet werden könnten, müsste die Regulierung gelockert werden.

Schärfer regulieren

Die Idee: Rating-Agenturen sollen mittels scharfer Regulierung zu Unabhängigkeit und Neutralität gezwungen werden. Vorgesehen ist zum Beispiel ein Rotationsprinzip. Analysten, die sich mit Papieren bestimmter Firmen und Branchen befassen, werden alle paar Monate ausgetauscht, um zu große Nähe zu den Kunden zu vermeiden.

Der Haken: Je schärfer die Regulierung, desto schwieriger wird es, neue Rating-Agenturen zu gründen und mehr Konkurrenz zu schaffen. Und: Auch die beste Regulierung kann Fehlbewertungen nicht verhindern. Irrtümer bleiben möglich. Auch das alte Dilemma der Rating-Agenturen bleibt erhalten: Stufen sie ein Land zu früh herab, dann treiben sie es mit in die Pleite. Stufen sie es zu spät herab, ärgern sich die Investoren.

Die Anleger zahlen lassen

Die Idee: Statt sich von den bewerteten Firmen bezahlen zu lassen, sollen Rating-Agenturen ihr Geld lieber von den Investoren bekommen. Das macht sie unabhängiger.

Der Haken: Viele große Investoren haben schon heute eigene Analysten, die Kredite bewerten - sie verlassen sich ohnehin nicht auf die Rating-Agenturen und würden für ihre Dienste auch nicht bezahlen. „Ich würde es nicht tun“, sagte beispielsweise der berühmte amerikanische Investor Warren Buffett kürzlich vor dem amerikanischen Kongress. Auch die meisten Privatanleger würden kein Geld dafür ausgeben. Ob genügend zahlende Kunden übrig blieben, ist unklar.

Staatliche Rating-Agenturen

Die Idee: Die Rating-Agenturen sind an der Wall Street aktiv und darum zu sehr mit amerikanischen Interessen verflochten, sagen Kritiker. Besser wäre es, wenn Europa selbst eine Rating-Agentur gründete - womöglich eine staatliche.

Der Haken: Auch staatliche Rating-Agenturen sind nicht vor Irrtümern gefeit. Und je näher eine Rating-Agentur den europäischen Staaten stünde, desto schwerer täte sie sich, schlechte Noten an finanzschwache Europa-Staaten zu vergeben. Vielleicht würde den Investoren heute noch vorgegaukelt, griechische Anleihen seien sicher. Die Investoren verlören das Vertrauen und ignorierten die Agentur.

Rating-Agenturen verbieten

Die Idee: Rating-Agenturen haben viel Macht. Sobald sie ein Land herunterstufen, werden viele Anleger misstrauisch. Das kann ein Land, das auf der Kippe steht, in den Abgrund reißen. Da wäre es besser, wenn es keine Rating-Agenturen gäbe - jeder Anleger müsste sich selbst ein Bild machen, und es gäbe keinen Dominoeffekt.

Der Haken: Ohne Rating-Agenturen wären die Kapitalmärkte deutlich ineffizienter, weil viel mehr Misstrauen aufkäme. Papiere, die man nicht kennt, kauft man nicht - auch wenn sie gut sind. Einige große Investoren würden ihre eigene Analyseabteilungen aufstocken. Viele kleine Investoren würden viel vorsichtiger einkaufen und den Kapitalmärkten damit Liquidität entziehen. Das würde die Bewertung vor allem unbekannter Papiere verschlechtern.

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