04.03.2010 · Nach dem Sparprogramm vom Mittwoch fiel Griechenland die Plazierung seiner neuesten zehnjährigen Anleihe leicht. Immerhin boten die Hellenen auch einen satten Aufschlag. Skeptikern bietet das Rhön-Klinikum eine sechsjährige Alternative.
Von Martin HockNach der leichten Beruhigung der Märkte infolge des angekündigten harschen Sparprogramms kann sich Griechenland nun die mit Spannung erwartete Anleihe auflegen. Die Rente im Volumen von 5 Milliarden Euro und einer Laufzeit von 10 Jahren soll die Emissionsrendite 300 Basispunkte über dem Referenzzinssatz liegen. Dies würde einem Niveau von 6,39 Prozent entsprechen. Bestehende griechische Anleihen dieser Laufzeit rentieren derzeit 36 Basispunkte niedriger.
Damit läge die Rendite rund 3,3 Prozentpunkte über der zehnjähriger Bundesanleihen. Insofern überrascht kaum, dass nach Auskunft aus Bankenkreisen Angebote im Volumen von 16 Milliarden Euro eingingen und die Rendite der am Markt befindlichen zehnjährigen Papiere um zehn Basispunkte auf 6,03 Prozent gestiegen ist.
Hohe Nachfrage keine Überraschung
„Die rege Nachfrage überrascht nicht“, sagte Anleihenexperte Klaus Holschuh von der DZ Bank. „Die Anleger sehen, dass sie einen attraktiven Zinsaufschlag bekommen. Auch die Sparanstrengungen der Athener Regierung werden honoriert.“
„Die Emission scheint zur passenden Zeit zu kommen“, sagt Michiel De Bruin, Leiter des Bereichs europäische Staatsanleihen bei F&C Investments. „Die Stimmung im Bezug auf Griechenland hat sich nach den gestrigen Ankündigungen zum Haushalt aufgehellt. Das machen sie sich nun zunutze. Die Preisgestaltung liegt im Rahmen der Erwartungen.“
Die Verlockung ist groß, die Bedenken auch. Politiker von CDU und FDP fordern die griechische Regierung zum Verkauf von Staatseigentum und unbewohnter Inseln auf, der Chef des renommierten Münchener ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, glaubt dass Griechenland im Euro kaum zu halten sein werde.
Moody's droht mit Herabstufung
Die Ratingagenturen Moody's und Fitch begrüßten am Mittwoch zwar die zusätzlichen Sparmaßnahmen, weil dies zeige, dass es der Regierung ernst mit der Defizitreduzierung sei. Doch der Geduldsfaden der Agenturen scheint kurz zu sein. Moody's ließ keinen Zweifel daran, dass im Fall einer zögerlichen Umsetzung der Pläne die Bonitätsnote wohl gesenkt würde.
Moody's ist die einzige der drei großen Ratingagenturen, die die Kreditwürdigkeit Griechenland noch mit einer A-Note bewertet. Stuft auch sie das hoch verschuldete Land auf eine B-Note herab, hätte dies Folgen für den Bankensektor. Um an Geld der
Europäischen Zentralbank (EZB) zu gelangen, können Banken nur Staatsanleihen als Sicherheit hinterlegen, die von mindestens einer Ratingagentur eine A-Note erhalten haben. Nur bis Ende des Jahres gilt noch eine Ausnahmeregel, wonach auch Papiere mit der Note „BBB-“ angenommen werden.
Nach Ansicht Holschuhs zeigt die Reaktion des Marktes, dass die Möglichkeit einer Staatspleite und damit eines Zahlungsausfalls am Markt als gering eingeschätzt wird. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland von der EU, dem IWF und den großen Euro-Ländern im Stich gelassen wird, wird vom Markt als vergleichsweise gering eingeschätzt.“ Unter diesen Umständen erscheint die Anleihe fast als Schnäppchen. Anlegern aber, die an der Fähigkeit des Landes zweifeln, in zehn Jahren seine Schulden tilgen zu können, wird dies kaum ein Trost sein.
Konservativer: Rhön-Klinikum
Eine ganz andere Alternative bietet sich am Markt für Unternehmensanleihen. Der Klinik-Betreiber Rhön-Klinikum begibt eine Anleihe im Volumen von 440 Millionen Euro on sechs Jahren Laufzeit, deren Rendite dem Vernehmen nach bei 4,05 Prozent liegen soll. Mit einer Bonitätsnote von „Baa2“ zählt das Unternehmen noch zu Emittenten, deren Papiere als investmentwürdig eingeschätzt werden.
Erst von zwei Wochen hob Moody's die Bonitätsnote von der untersten Stufe des Investment-Grad-Bereichs (Baa3) auf die aktuelle Note an. Der Krankenhausbetreiber habe in den vergangenen Jahren eine Reihe von Krankenhäusern erfolgreich in den Konzern integriert, verfüge er über ein breites Portfolio und weise stabile Gewinnmargen auf. Darüber hinaus würden steigende Personalkosten durch Effizienzgewinne wettgemacht. Berücksichtigt sei auch die höhere finanzielle Flexibilität dank der Kapitalerhöhung um 460 Millionen Euro im August 2009.
Zwar weist Griechenland immer noch die besseren Bonitätsnoten auf. Indes hat das nicht allzu viel zu heißen. Berücksichtigt man nur das Moody's-Rating so beträgt der Abstand drei Stufen. Doch für die Agenturen Standrad & Poor's und Fitch, die Rhön-Klinikum nicht beurteilen gilt das nicht. Hier beträgt der Abstand zwischen Griechenland und der Moody's-Note für Rhön nur noch eine Stufe. Das sagt viel aus über den Zustand eines Staates, der auf hoheitliche Einnahmen zurückgreifen kann, ebenso wie die Tatsache dass eine griechische Staatsanleihe mit sechsjähriger Restlaufzeit fast zwei Prozentpunkte höher rentiert als die neue Anleihe des Rhön-Klinikums.
Der Klinik-Betreiber will den Emissionserlös zum einen zur Refinanzierung bestehender Finanzverbindlichkeiten nutzen. Darunter dürfte auch die Rückzahlung einer im Juli fälligen Anleihe im Volumen von 110 Millionen Euro fallen. Das übrige dürfte wohl Akquisitionszwecken zugute kommen.
Denn angesichts des Privatisierungsbedarfs der öffentlichen Hand ergeben Kliniken auf der grünen Wiese wenig Sinn. Durch die mangelnde Effizienz der oft defizitären Einrichtungen drückt dies zwangsläufig immer wieder auf die Margen des Betreibers. Bislang ist es Rhön-Klinikum aber immer wieder gelungen, übernommene Kliniken zu sanieren. So brachte die größte Konzerntochter, das 2006 übernommene Universitätsklinikum Gießen-Marburg 2009 erstmals nennenswerte Gewinne.