11.05.2010 · Mancher Händler traute seinen Augen nicht als der Dow Jones vergangene Woche binnen kürzester Zeit um bis zu 1000 Punkte abstürzte. Ein technischer Fehler? Nervöse Märkte? Die Ursachen sind noch immer nicht geklärt. Trotzdem wollen Börsenaufsicht und Betreiber solche Phänomene künftig vermeiden.
Alle amerikanischen Aktienbörsen wollen ein gemeinsames System von Handelsunterbrechungen einführen, um extreme Kursschwankungen wie in der vergangenen Woche in Zukunft zu vermeiden. Darauf haben sich die Vorstandschefs von sechs Börsenbetreibern bei einem Treffen mit der Vorsitzenden der Börsenaufsicht SEC, Mary Schapiro, geeinigt. Zu den Börsenbetreibern gehören neben der New Yorker Börse Nyse auch die elektronische Börse Nasdaq sowie kleinere elektronische Märkte wie Bats oder Direct Edge. Die Börsen wollen der Aufsicht innerhalb von 24 Stunden konkrete Vorschläge unterbreiten.
Eine abschließende Erklärung für die Ursachen der Kursschwankungen am vergangenen Donnerstag gibt es indes noch nicht. Die behördlichen Ermittler konzentrierten sich zuletzt aber auf die unterschiedlichen Richtlinien der New Yorker Börse Nyse und konkurrierender elektronischer Börsen als möglichen Verstärker des Kurssturzes. Konkret geht es dabei um die automatische Aussetzung des elektronischen Handels bei hunderten von Aktien an der Nyse, wenn die Kurse der Papiere zu stark fallen. An den elektronischen Börsen gab es bisher keine derartigen Sicherheitsschalter, mit denen die Nyse in Paniksituationen den Handel verlangsamen will. Die Preisfindung wird in diesem Fall von Börsenmaklern übernommen.
Der Dow Jones war am Donnerstag innerhalb von Minuten um fast 1000 Punkte abgestützt und hatte damit mehr als 9 Prozent seines Wertes verloren, bevor sich die Kurse wieder erholten. Es war der bisher höchste Punktverlust während des Handels an einem Tag. Normalerweise wenig schwankungsanfällige Aktien wie die des Konsumgütergiganten Procter & Gamble sackten innerhalb von Minuten um 37 Prozent ab. Die Kurse amerikanischer Aktien hatten am Donnerstag wegen der griechischen Schuldenkrise schon vor dem dramatischen Absturz unter Druck gestanden. Gerüchte machten die Runde, dass möglicherweise ein falsch eingegebener Großauftrag für den Verkauf eines einzelnen Aktienpakets computergestützte Verkaufsprogramme ausgelöst und so in einer Kettenreaktion den gesamten Aktienmarkt nach unten gezogen hatte.
Dieses Szenario scheint mittlerweile verworfen. Wahrscheinlicher erscheint den Ermittlern, dass die negative Kettenreaktion von der eigentlich zur Stabilisierung des Marktes gedachten Unterbrechung des elektronischen Handels von Aktien wie Procter & Gamble verstärkt wurde. Obwohl die Aktien an der Nyse zeitweise manuell gehandelt wurden, ging der Handel dieser Aktien an den elektronischen Börsen unverändert weiter. Die Nyse-Aufträge wurden von Computern an die Konkurrenzbörsen weitergeleitet, wo es aber nicht genügend Käufer gab. Fachleute hatten angesichts der gestiegenen Fragmentierung der Aktienmärkte bereits in der Vergangenheit einen Mangel an konsistenten Regularien kritisiert. Die Nyse hatte einst nahezu ein Monopol im Handel mit dort gelisteten Aktien. Ihr Marktanteil ist in den vergangenen Jahren wegen der Konkurrenz elektronischer Börsen aber von 80 Prozent auf 30 Prozent gesunken. Der Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat, Christopher Dodd, hatte am Sonntag in einem Fernsehinterview die Einrichtung von neuen „marktweiten“ Handelsunterbrechungen angeregt.
Peinliche Angelegenheit für SEC und USA
Karsten Krug (kkrug)
- 11.05.2010, 14:06 Uhr
Technischer Fehler?
Torlin Monger (TMonger)
- 11.05.2010, 14:35 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.531,70 | +0,62% |
| EUR/USD | 1,2486 | −0,44% |
| Rohöl Brent Crude | 106,57 $ | −0,64% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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