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Kreditwürdigkeit Jetzt auch Portugal auf „Ramsch-Niveau'“

06.07.2011 ·  Die Ratingagentur Moody's sieht die Kreditwürdigkeit Portugals stark gefährdet und stuft langfristige Staatsanleihen deutlich herab. Die Analysten sehen das vor einem weiteren Rettungspaket. Die portugiesische Regierung widerspricht.

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Die Ratingagentur Moody's hat die Bonitätsnote von Portugal am späten Dienstag um gleich vier Stufen auf „Ramsch“ herabgestuft. Der Ausblick für das Rating ist negativ, was weitere Herabstufungen in nächster Zeit möglich macht. Zur Begründung erklärten die Analysten, dass Portugal womöglich Griechenlands folgen und eine zweite Rettungsaktion benötigen könnte. Die Risikoaufschläge portugiesischer Staatsanleihen stiegen am Mittwoch im frühen Handel deutlich an.

Moody's senkte die Kreditwürdigkeit des Landes von zuvor „Baa1“ auf nun „Ba2“. Die neue Note liegt zwei Stufen unter der Schwelle zur Güteklasse Investment-Grade. Die Herabstufung sei zum Teil auf „das wachsende Risiko zurückzuführen, dass Portugal eine zweite Finanzierungsrunde benötigen wird, bevor das Land wieder an den privaten Markt zurückkehren“ könne, hieß es in der Stellungnahme von Moody's. Zudem werde es immer wahrscheinlicher, dass die Beteiligung privater Investoren als Vorbedingung verlangt werden könnte. Die Analysten verwiesen dabei auf den neuen Rettungsplan für Griechenland, der ähnliches vorsieht. Ein weiterer Grund für die Herabstufung bestand Moody's zufolge darin, dass es Portugal unter Umständen nicht gelingen könnte, seine Defizitziele zu erreichen.

Portugals Regierung verweist auf Konsens im Land

Portugal ist - nach Griechenland - das zweite Land im Euroraum, das von Moody's mit einer Bonitätsnote unterhalb der Güteklasse Investment-Grade eingestuft wurde. Erst im Mai hatte das Land ein Rettungspakt über 78 Milliarden Euro von der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) erhalten, um seine Finanzen wieder in Ordnung zu bringen.

In einer Reaktion auf die Herabstufung erklärte die portugiesische Regierung in der Nacht zum Mittwoch, dass Moody's die Wirkungen der in der vergangenen Woche angekündigten außerordentlichen Einkommenssteuer ignoriert habe (siehe ). Zudem bestehe ein „breiter politischer Konsens“ für die Umsetzung der Maßnahmen, die mit der EU, der Europäischen Zentralbank und dem IWF vereinbart worden seien, hieß es in einer Stellungnahme des portugiesischen Finanzministeriums.

Auch die Bundesregierung hat die Abwertung für Portugal und daraus folgende Mutmaßungen über ein zweites Hilfspaket für das Land scharf kritisiert. Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen sagte am Mittwoch: „Ich würde ganz klar sagen: es ist sehr voreilig, darüber überhaupt schon zu spekulieren.“ Das portugiesische Programm stehe schließlich erst am Anfang. Zudem gebe es eine neue Regierung, die sich klar zu Anpassungen verpflichtet habe. „Ich würde dringend raten, dass man der neuen Regierung Zeit gibt, das was sie zugesagt hat, auch umzusetzen“, sagte Asmussen. „Wir sind zuversichtlich, dass die neue Regierung den Willen hat und auch die Möglichkeiten, dieses erste Programm umzusetzen und Portugal wieder auf einen klaren Wachstumspfad zu bringen“.

Der Terminkontrakt Bund-Future notierte 58 Basispunkte höher bei 126,19 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen portugiesischen Staatsanleihen kletterte am Vormittag um 76 Basispunkte auf 11,78 Prozent. Die Risikoprämie gegenüber Bundesanleihen stieg auf 884 Basispunkte. Bei den zweijährigen Papieren stieg die Rendite um 177 Basispunkte auf 14,71 Prozent. Kreditausfall-Swaps auf Portugal-Anleihen verteuerten sich um 79 Basispunkte auf 850 Basispunkte, zeigten Preise von CMA. Portugal will heute über die Auktion von Schatzwechseln mit Laufzeit bis Oktober eine Milliarde Euro beschaffen.

S&P-Chef verteidigt sein Vorgehen

In der Diskussion um die Macht der Ratingagenturen hat der Deutschlandchef von Standard & Poor's, Torsten Hinrichs, seine Branche verteidigt (siehe ). „Wir stufen Länder nicht immer herab, wenn sie Geld einsammeln müssen, sondern wir haben eine kontinuierliche und andauernde Überwachung aller Schuldner an den Märkten“, sagte er am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin“. Die Bewertung von Ländern und anderer Kapitalmarktteilnehmer sei „absolut wichtig“ für Investoren. „Nur so ist gewährleistet, dass die Investoren sich ein breites Bild machen können über die Qualitäten an den Kapitalmärkten und eine Wahl treffen können, in welche Papiere sie investieren wollen.“

Quelle: FAZ.NET mit Bloomberg, dpa, Reuters
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