Home
http://www.faz.net/-gqu-qbwr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kreditausfallversicherungen Leichte Entspannung am CDS-Markt

02.03.2010 ·  Die Politik sagt dem intransparenten Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) den Kampf an. Daraufhin sind die Prämien für die Absicherung griechischer Anleihen gesunken.

Von Markus Frühauf
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Die griechische Regierung kämpft um das Vertrauen der Finanzmärkte. In den kommenden Tagen muss das Land eine zehnjährige Anleihe über 8 Milliarden Euro plazieren, um die fällig werdenden Titel - bis Ende Mai 20 Milliarden Euro - tilgen zu können.

Der Markt für Kreditausfallversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS), signalisierte am Montag Entspannung. Nachdem die Risikoprämie für Griechenland in der vergangenen Woche mit 400 Basispunkten wieder in der Nähe ihres Höchstwerts angelangt war, kam es am Montag zu einem Rückgang auf 353 Basispunkte. Damit kostete die Absicherung einer Forderung von 1 Million Euro eine jährliche Prämie von 35.300 Euro.

Angeklagt: die üblichen Verdächtigen

Den Rückgang begründeten CDS-Händler mit der stärker werdenden Erwartung eines Rettungspakets der Euro-Partnerstaaten. So soll die Bundesregierung den Ankauf griechischer Anleihen über ihre Förderbank KfW prüfen. Ähnliches soll auch Frankreich erwägen. Zudem wurden die Stimmen lauter, wonach der CDS-Handel strenger reguliert werden soll. „Wir sind der Meinung, dass mehr Transparenz bei CDS nötig ist“, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums am Montag. Lösungen müssten auf internationaler Ebene gefunden werden, nationale Alleingänge seien nicht zielführend, fügte er hinzu. Am Sonntag hatte die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde bereits eine strengere Regulierung des CDS-Marktes gefordert.

Im Fall von Griechenland befinden sich wieder die üblichen Verdächtigen auf der Anklagebank: Investmentbanken und Hedge-Fonds. Nach einem Bericht der „Financial Times“ sollen Hedge-Fonds inzwischen Versicherungsschutz auf Griechenland verkaufen.

Londoner CDS-Händler hatten berichtet, dass Hedge-Fonds die ersten Investoren waren, die CDS, also Versicherungsschutz, auf Griechenland gekauft haben. Das sei im vergangenen Oktober gewesen, nachdem die neugewählte griechische Regierung ihre Defizitprognose für 2009 auf 12,7 Prozent der wirtschaftlichen Leistung verdoppelt hatte. Trifft nun zu, dass die Hedge-Fonds am CDS-Markt von der Käufer- auf die Verkäuferseite gewechselt sind, dann wetten sie auf eine Rettung Griechenlands durch die Euro-Partnerländer.

Eine aktive Rolle in den Spekulationen gegen Griechenland sagen Finanzkreise dem Hedge-Fonds Paulson & Co. nach. Das 32 Milliarden Dollar schwere Anlagevehikel soll schon in der Finanzkrise mit Wetten gegen die Zahlungsfähigkeit von Lehman Brothers und Royal Bank of Scotland aufgefallen sein. Die CDS-Spekulationen auf Griechenland sind nun auch von der deutschen Finanzaufsicht Bafin analysiert worden. Dass Griechenland gezielt in den Abgrund gezockt werde, dafür gebe es keine Hinweise, verlautete aus dem Umfeld der Bafin.

Neujustierung der Risiken

Der CDS-Markt gilt als intransparent, weil die Kontrakte im unregulierten Bereich, also unter Banken, gehandelt werden. Nach oben schießende Risikoprämien können wie im Fall Griechenlands auch auf den Anleihemarkt übergreifen und so die Refinanzierungskonditionen erheblich verteuern. Spekulation über CDS-Kontrakte erfordert einen geringeren Kapitaleinsatz, als wenn entsprechende Positionen über Anleihen aufgebaut werden müssen.

Das Volumen an CDS-Kontrakten auf Griechenland hat sich binnen Jahresfrist auf 84 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Auch bei anderen Industrieländern seien die CDS-Aktivitäten spürbar gestiegen, weil die Investoren begonnen hätten, ihre Länderrisiken neu zu adjustieren, schreibt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in ihrem jüngsten Quartalsbericht. Die BIZ verweist darauf, dass der CDS-Markt für Industrieländer vor Jahren praktisch nicht existiert habe. Die Investoren in Staatsanleihen hätten sich hauptsächlich gegenüber Schwellenländerrisiken abgesichert.

Der Rückgang der CDS-Prämie hat auch die Renditen griechischer Staatsanleihen gedrückt. Der zehnjährige Schuldtitel rentierte am Montag zeitweise bei 6,18 Prozent und damit 300 Basispunkte über der Bundesanleihe. Die Renditedifferenz lag zeitweise schon bei 400 Basispunkten.

Sieben-Prozenter erwartet

Trotz der Entspannung erwarten Fondsmanager und Analysten einen hohen Zinskupon von 7 Prozent bei der neuen zehnjährigen Anleihe. Ansonsten könnte die Plazierung scheitern, weil etwa deutsche Banken keine neuen griechischen Anleihen mehr in ihr Portfolio nehmen wollen.

Commerzbank-Analyst David Schnautz hält die Emission nur einer Anleihe über 8 Milliarden Euro für nicht ausreichend, um die im April anstehenden Tilgungen von rund 12 Milliarden Euro abzudecken. Seiner Einschätzung zufolge benötigt Griechenland mindestens noch eine zweite Schuldtitelemission.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 5