Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Forderung nach mehr Geld zur Aufstockung seiner „Feuerkraft“ reduziert. Nach Informationen der F.A.Z. steht eine Aufstockung um nur noch 400 Milliarden Dollar zur Diskussion. Im Januar noch hatte der Fonds 500 bis 600 Milliarden Dollar mehr gefordert. Mit der geringeren Aufstockung würde die Kreditvergabekapazität des IWF von rund 382 Milliarden Dollar etwa verdoppelt. Eine Entscheidung wird wohl am kommenden Freitag fallen, wenn die großen Industrie- und Schwellenländer (G 20) gemeinsam mit dem Lenkungsausschuss des Währungsfonds in Washington beraten.
In europäischen Kreisen der G 20 der hieß es, eine Erhöhung um 400 Milliarden Dollar sei angemessen, nachdem die Europäer ihre finanzielle „Brandmauer“ auf 800 Milliarden Euro aufgestockt hätten. Die geschäftsführende Direktorin des IWF, Christine Lagarde, begründet die geringere Geldforderung damit, dass es einen Hoffnungsschimmer für die Weltwirtschaft gebe. „Einige der Dramen, die wir uns Ende 2011 vorgestellt hatten, sind nicht eingetreten“, sagte Lagarde in der vergangenen Woche. Die bessere Lage an den Finanzmärkten sei aber nicht dauerhaft gesichert. „Je mehr, desto besser“, hat Lagarde sich noch nicht konkret auf einen Betrag für die Aufstockung festgelegt.
Unterdessen sieht EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen nach den Euro-Ländern nun andere Anteilseigner des IWF in der Pflicht, dessen finanzielle Ausstattung zu verbessern. Im Interview mit dem „Wall Street Journal Deutschland“ forderte Asmussen diese Länder dazu auf, dem Fonds bei seiner Frühjahrstagung konkrete Zusagen für zusätzliche Gelder zu geben.
EZB soll in die Pflicht genommen werden
Das zusätzliche Geld soll dem IWF - wie schon 2009 - über bilaterale Kreditlinien von Mitgliedstaaten zugeführt werden. Die Eurostaaten haben schon 150 Milliarden Euro (knapp 200 Milliarden Dollar) zugesagt. 30 bis 35 Milliarden Euro könnten von den anderen EU-Staaten kommen. Japan wird nach einem Bericht der Zeitung „Nikkei“ wohl 60 Milliarden Dollar beisteuern. Die gleiche Summe käme damit wohl von China. Das Geld soll in den allgemeinen Haushalt fließen, um „unschuldige“ Länder vor Ansteckungsgefahren unter anderem durch die Euroschuldenkrise zu schützen.
Länder wie Japan, China, Brasilien oder Russland hatten als Voraussetzung für Kredite an den IWF verlangt, dass zuerst die Europäer ihre Brandmauer erhöhten. Die von den Euroeuropäern im März beschlossene Ausweitung ihres „Rettungsschirms“ auf 800 Milliarden Euro erfüllt indes nicht die ursprüngliche Forderung des IWF, weil 300 Milliarden Euro davon nur zeitweise zur Verfügung stehen werden. Japans Finanzminister Jun Azumi sagte noch in der vergangenen Woche, die Europäer müssten sich mehr anstrengen. Im Fonds wird darauf verwiesen, dass die Lage sich mit den langfristigen Ausleihungen der Europäischen Zentralbank an europäische Banken verändert habe. Aus IWF-Sicht wird die EZB so explizit für den Bau der europäischen Brandmauer in die Pflicht genommen. Damit verbindet sich die Erwartung, sie werde ihre lockere Geldpolitik so lange fortsetzen, bis die Krise überwunden sei.
Die Verhandlungen im IWF werden dadurch belastet, dass die Schwellenländer mehr Einfluss im Fonds fordern. Die bilateralen Kreditzusagen würden in gewisser Weise eine Erhöhung ihrer Stimmgewichte präjudizieren. Das Direktorium des IWF hat gerade mit den Beratungen über eine Quotenformel begonnen, die bis 2013 abgeschlossen sein sollen. Die Quoten der Mitgliedsländer bestimmen den Stimmanteil im Direktorium. Die Vereinigten Staaten, größter Anteilseigner im Fonds, haben klargestellt, dass sie sich an der Aufstockung der Finanzen nicht beteiligen. Das erschwert die Verhandlungen zusätzlich. Die Gespräche belastet auch, dass der Zeitrahmen für die schon früher beschlossene Verdoppelung der Quoten in Frage steht. Eigentlich sollte diese bis zur Jahrestagung im Oktober abgeschlossen sein. Mit der Quotenverdoppelung rückt China auf Rang drei der Anteilseigner vor, auch Brasilien und Indien erhielten größere Stimmgewichte. Zugleich müssen die Europäer zwei der 24 Sitze im Direktorium abgeben.
Einer der drei Bewerber um das Amt des Weltbankpräsidenten, der frühere kolumbianische Finanzminister José Antonio Ocampo, hat seine Kandidatur zurückgezogen. Damit wird es noch wahrscheinlicher, dass der amerikanische Kandidat Jim Yong Kim das Rennen machen wird. Kim erhielt am Wochenende die Unterstützung von Russland, einem der großen Schwellenländer. Kim sei ein Weltklasse-Fachmann, der Erfahrung in praktischer Arbeit habe, erklärte Russlands Finanzminister Anton Siluanov. Für den 52 Jahre alten Mediziner und derzeitigen Präsidenten der Elite-Universität Dartmouthhatten sich schon Kanada, Mexiko, Japan und Südkorea ausgesprochen. Wie im vergangenen Jahr bei der Berufung der Französin Christine Lagarde zur geschäftsführenden Direktorin des Internationalen Währungsfonds gelingt es den BRICS-Staaten damit auch diesmal nicht, sich hinter einem Kandidaten aus dem Kreis der Schwellen- und Entwicklungsländer zu vereinen. Ocampo erklärte, er hoffe, dass die Entwicklungsländer nun der nigerianischen Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala ihre Stimme gäben. Sie war von Südafrika vorgeschlagen worden und hat die Unterstützung der Afrikanischen Union. Das Direktorium der Weltbank plant, an diesem Montag den neuen Präsidenten zu bestimmen. Dabei gibt es zunächst eine Probeabstimmung. Zeigt diese eine große Mehrheit für einen Kandidaten, kann der Unterlegene sich noch aus dem Rennen zurückziehen, um so das Bild der Eintracht zu wahren. (pwe.)
Auch mit Hunderten von Milliarden lassen sich die Probleme von Staaten
sicher nicht lösen.
Hans Edelmann (aktienfluechtling)
- 16.04.2012, 15:03 Uhr
Uff, nochmal Glück gehabt
Roland Magiera (Roland_M)
- 16.04.2012, 12:52 Uhr
Wie optimistisch Frau Lagarde!
mathias dumke (alfons01)
- 16.04.2012, 11:59 Uhr
Eigentlich müsste man schon Billionen rechnen.....
wolf haupricht (emilgilels)
- 16.04.2012, 11:47 Uhr
„Einige der befürchteten Dramen sind nicht eingetreten"
Michael Arndt (Mikel1962)
- 16.04.2012, 11:02 Uhr