16.11.2010 · Ein Zahlungsausfall Irlands würde die britischen Banken am härtesten treffen, da sie zu den größten Gläubigern zählen - gefolgt von deutschen Finanzhäusern. Die britische Regierung würde sich einer Rettungsaktion wohl nicht verweigern.
Von Stefan Ruhkamp und Bettina SchulzIrlands Schuldenkrise trifft Großbritannien ungleich härter als der Fall Griechenland. Die britischen Banken sind noch vor den deutschen die wichtigsten Gläubiger Irlands. Sie halten gegenüber Staat, Unternehmen, Banken und anderen Schuldnern auf der Nachbarinsel Forderungen im Wert von rund 150 Milliarden Dollar. Das zeigen die Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.
Schon meldet die Tageszeitung „The Times“, dass es bei einer Rettung der irischen Staatsfinanzen wohl nicht ohne eine britische Beteiligung gehen werde. Das könne 6 Milliarden Pfund kosten. Das britische Schatzamt habe deutlich gemacht, dass Großbritannien in einem EU-Rettungsplan seinen Teil übernehmen würde, um einen strauchelnden Verbündeten zu beschützen und das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen, schreibt die Zeitung. „Das ist nicht Griechenland - wir sind enge Handelspartner“, habe ein Regierungsbeamter gesagt.
Auf den Märkten wird erwartet, dass bei einem irischen Hilferuf zunächst der mit Garantien über 60 Milliarden Euro versehene Stabilisierungsmechanismus (EFSM) der EU-Kommission in Anspruch genommen wird, weil dafür kein einstimmiger Beschluss der Regierungen notwendig ist. An diesem Programm sind alle 27 Mitgliedsländer der EU beteiligt, also auch Großbritannien. Der britischen Regierung dürfte wegen der großen Forderungen der britischen Banken besonders an einer Lösung der Krise gelegen sein. Zumal ausgerechnet die verstaatlichte Royal Bank of Scotland nach den zuletzt verfügbaren Angaben der Stresstests irische Anleihen in Höhe von 5,2 Milliarden Euro im Bestand hatte. Barclays hat irische Anleihen indessen verkauft. Die Bank hatte im Sommer nur noch Titel im Wert von 210 Millionen Euro im Buch: für 465 Millionen Euro griechische Anleihen, für 5,3 Milliarden Euro spanische und für 1,2 Milliarden Euro portugiesische Anleihen.
Vor allem HRE ist engagiert
Nach den Briten stehen vor allem die deutschen Banken im Feuer. Sie halten gegenüber irischen Schuldnern 138 Milliarden Dollar an Forderungen. Die Forderungen gegenüber dem irischen Staat schlagen in den 14 größten deutschen Banken mit knapp 13 Milliarden Euro zu Buche. Diese Zahlen sind genau bekannt, weil Europas Großbanken beim Stresstest im Juli dieses Jahres aufschlüsseln mussten, welche Anleihen der EU-Staaten sie besitzen.
Aus deutscher Sicht ist das Engagement in der verstaatlichten Hypo Real Estate am größten. Sie besaß zum Stichtag 31. März 2010 Forderungen gegenüber dem irischen Zentralstaat und den Gebietskörperschaften von 10,3 Milliarden Euro. Zählt man alle Titel der öffentlichen Hand in den finanzschwachen Ländern Portugal, Irland, Griechenland und Spanien zusammen, bangt die HRE um rund 35,5 Milliarden Euro. Das ist mehr als die Forderungen von Deutscher Bank, Commerzbank, DZ-Bank und Landesbank Baden-Württemberg, die jeweils 7 bis 8 Milliarden Euro an Titeln der vier finanzschwachen Euro-Länder in den Büchern stehen haben; diese Länder werden im Händlerjargon unter dem Begriff PIGS zusammengefasst. Alle deutschen Großbanken kommen in dieser Kategorie auf Positionen von gut 75 Milliarden Euro.
Auch französische Banken müssen sich sorgen
Hinzu kommen andere Forderungen und Wertpapiere, die mit Kreditrisiken verbunden sind. Das können Verbriefungen sein, die mit irischen und spanischen Baukrediten besichert sind, oder Kredite, die an griechische und portugiesische Unternehmen vergeben wurden. Rechnet man alle Forderungen der deutschen Banken gegen Schuldner in den vier finanzschwachen Euro-Staaten zusammen, summiert sie sich auf knapp 400 Milliarden Dollar. Sollte sich die Schuldenkrise weiter zuspitzen und die ohnehin schon hohen Risikoaufschläge sich noch erhöhen, drohen den Banken Wertverluste und auf einen Teil der Positionen auch Abschreibungen in den Bilanzen.
Schon jetzt ist der im Stresstest als negatives Szenario skizzierte Renditeanstieg der irischen und portugiesischen Anleihen übertroffen worden. Das bereitet nicht nur den deutschen Banken Sorgen. Neben den Briten und Deutschen sind es vor allem die französischen Banken, die um ihr Geld fürchten müssen. Ihre irischen Forderungen sind mit 50 Milliarden Dollar relativ überschaubar. Dafür ist die französische Position gegenüber Portugal und Griechenland größer als die deutsche. Eine spanische Zahlungskrise dürfte für kein Bankensystem ohne große Verwerfungen verkraftbar sein: Deutsche Banken halten Forderungen über 181 Milliarden Dollar gegenüber spanischen Schuldner, gefolgt von Frankreich mit 162 Milliarden und Großbritannien mit 110 Milliarden Dollar.
Selber Schuld. Einfach eine Nachschußpflicht für die Aktionäre einführen, wenn
Bryan Hayes (bhayes)
- 15.11.2010, 21:49 Uhr
Koste es, was es wolle, wir (und vor allen anderen wir Deutschen) hauen sie
Wilhelm Koch (kochmeint)
- 15.11.2010, 22:32 Uhr
Im Angesicht der Weihnachtsstimmung
Herold Binsack (Devin08)
- 15.11.2010, 23:40 Uhr
Exportweltmeister Deutschland
Holger Muschal (Holly01)
- 16.11.2010, 00:52 Uhr
und wieder ist die HRE stark engagiert
Paul Banaschak (paul.banaschak)
- 16.11.2010, 08:52 Uhr