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Irische Banken Im Teufelskreis des Misstrauens

18.11.2010 ·  Im Mittelpunkt der Sorgen um Irland stehen die Geldinstitute des Landes. Große Kunden fürchten um ihre Einlagen und ziehen Geld ab. Die Eigenkapitalquoten sind gering. Letzte Zuflucht bleibt der Tropf der EZB.

Von Marcus Theurer, London
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In Dublin hat niemand die Feuerwehr gerufen, aber die Helfer sind bereits am Werk: Am Donnerstag begann ein Krisenteam mit Finanzexperten der EU-Kommission, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) damit, die irische Finanzen zu durchleuchten. Im Mittelpunkt stehen dabei die maroden Großbanken, die bisher von der Regierung in Dublin notdürftig über Wasser gehalten werden. Doch der internationale Finanzmarkt wettet darauf, dass den Iren demnächst das Geld dafür ausgeht.

Europas Regierungen fürchten, dass aus der Schuldenkrise in Irland ein neuer Flächenbrand im Euro-Raum wird, wenn sie nicht schnell den klammen Iren und ihren Alptraumbanken aus der Patsche helfen. Analysten schätzen die Kosten dafür auf bis zu 85 Milliarden Euro. Trotz weitreichender Garantien der irischen Regierung für die Banken ziehen Großkunden ihre Einlagen ab und am Interbankenmarkt, über den sich die Kreditinstitute normalerweise international refinanzieren, ist das Misstrauen offenbar dramatisch gewachsen.

„Fast vollständig abhängig“ von Notfallfinanzierung

Die Ratingagentur Fitch warnte am Donnerstag, die irischen Banken seien inzwischen „fast vollständig abhängig“ von der Notfinanzierung durch die Zentralbanken. Die Bank of Ireland hat im September 10 Milliarden Euro an Einlagen von Unternehmen verloren. Dabei gilt das größte irische Kreditinstitut im Vergleich zu anderen Banken im Land noch als solide.

Video: Streit in Irland

Beim kleineren Konkurrenten Irish Life and Permanent sind im August und September ebenfalls 11 Prozent der Einlagen abgeflossen. Im Oktober hat sich bei beiden Konzernen nach eigenen Angaben die Einlagenbasis allerdings wieder stabilisiert. Für weitere Verunsicherung könnte an diesem Freitag die Allied Irish Bank sorgen, wenn sie ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Auch bei der Nummer zwei unter den irischen Banken dürften die Kundeneinlagen deutlich gesunken sein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, aber auch der irischen Regierung selbst haben in den vergangenen Wochen eine Debatte über die Beteiligung von Anleihegläubigern an den Kosten der Finanzkrise angestoßen - und damit die Märkte verschreckt. Dabei schätzen Analysten, dass die führenden irischen Geldhäuser 2011 fällige Anleihen im Gesamtvolumen von mehr als 13 Milliarden Euro refinanzieren müssen.

Fluchtpunkt Frankfurt

Als letzte Zuflucht bleibt der Liquiditätstropf der Notenbanken. Analysten schätzten, dass sich die irischen Banken im Oktober im Volumen von 95 Milliarden Euro bei der EZB in Frankfurt refinanziert haben. Die im europäischen Vergleich winzige Volkswirtschaft auf der grünen Insel hätte damit rund ein Viertel der Bankenrefinanzierung durch die Notenbank im gesamten Euro-Raum aufgesogen. Ein Alarmsignal.

Der irische Notenbankchef Patrick Honohan glaubt, dass die Banken nur mit sehr viel frischem Geld das dringend benötigte Vertrauen von Kunden und Märkten zurückgewinnen können. Nötig sei eine „Überkapitalisierung“ der Institute, sagt der Zentralbanker. Zurzeit gilt die Kapitaldecke der Banken als problematisch niedrig. Hohe Verluste vor allem aus faulen Immobilienkrediten rissen gewaltige Löcher in die Bilanzen. Ende September kam die Bank of Ireland auf eine Eigenkapitalquote, gemessen an der sogenannten Equity Tier 1 Ratio, von 8,2 Prozent. Die von den irischen Aufsichtsbehörden verordnete Untergrenze liegt zwar bei 7 Prozent, aber andere Länder verlangen inzwischen deutlich größere Eigenkapitalpuffer von ihren Banken.

Der Finanzmarkt und die anderen Euro-Länder fürchten, dass dem irischen Staat nach mehreren Runden an Kapitalhilfen das Geld ausgeht, um befürchtete weitere Bilanzlöcher zu stopfen. Allein in den größten Krisenherd, die komplett verstaatlichte Anglo Irish Bank, hat die Regierung bisher knapp 30 Milliarden Euro gepumpt - eine Summe die fast 20 Prozent des irischen Bruttoinlandsprodukts entspricht.

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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