19.02.2010 · Die deutschen Hypothekenbanken haben mit Vorliebe in südeuropäische Staatsanleihen investiert, allen voran die verstaatlichte Hypo Real Estate. Nun müssen sie in der Schuldenkrise der Griechen um ihr Geld zittern - und mit ihnen der deutsche Steuerzahler.
Ausgerechnet die verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE) hat besonders stark in Anleihen finanzschwacher Euro-Staaten investiert. Wegen der griechischen Schuldenkrise muss die Münchener Bank - ähnliche wie manche andere deutsche Hypothekenbank - nun um ihr Geld fürchten. Vor allem wenn das Misstrauen der Anleger auch auf Portugal, Irland, Italien und Spanien übergreifen sollte, droht Ärger. Dann könnten die Risikoprämien noch weiter steigen, was die Kurse der Anleihen noch stärker drücken würde.
Die HRE ist über ihre Tochtergesellschaft Deutsche Pfandbriefbank in Milliardenhöhe in Griechenland engagiert. Vom sogenannten Deckungsstock für öffentliche Pfandbriefe von 59 Milliarden Euro entfallen 7 Prozent auf griechische Anleihen, also rund 4 Milliarden Euro. Zählt man auch die Anleihen aus Italien, Spanien und Portugal hinzu, entfällt nach Daten der britischen Bank Barclays ein Viertel des HRE-Deckungsstocks oder 15 Milliarden Euro auf Staatsanleihen finanzschwacher Euro-Länder. Das ist das 22-fache des Kernkapitals der Bank. Die HRE musste in der Finanzkrise in einer teils staatlich, teils privat organisierten Stützung mit Eigenkapital und Garantien von mehr als 100 Milliarden Euro gerettet werden. Die Bank gehört mittlerweile dem Bund. Das gesamte Engagement der deutschen Hypothekenbanken in den fünf finanzschwachen Euro-Ländern summiert sich auf rund 87 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa dem 1,6-fachen des Kernkapitals.
Eigene, hausgemachte Krise
Seit der Verstaatlichung hat die HRE nach Aussage eines Sprechers der Bank keine griechischen Anleihen mehr gekauft. „Unsere Bank hat im vergangenen Jahr nur minimales Staatsfinanzierungsgeschäft gemacht“, sagte der Sprecher. Die HRE plant, bis zu 210 Milliarden Euro an Vermögenswerten in eine sogenannte Abwicklungsanstalt des Bundes auszulagern, darunter auch Staatsanleihen. Deutlich kleiner und mit neuem Namen - Deutsche Pfandbriefbank oder PBB - will sich die HRE-Kernbank künftig auf die Immobilien- und Staatsfinanzierung in Europa konzentrieren.
Der einstige Dax-Konzern in München wird nach der Abspaltung der Altlasten auf eine Spezialbank mit einer Bilanzsumme von rund 150 Milliarden Euro schrumpfen. Die HRE hat ihr Griechenland-Engagement bisher nicht abgeschrieben. „Aus der aktuellen Marktsituation bei griechischen Anleihen resultieren für uns keine erfolgswirksamen Veränderungen“, sagte ein HRE-Sprecher.
Die hohen Klumpenrisiken der deutschen Hypothekenbanken in den finanzschwachen Euro-Ländern wird auch in der kommenden Woche ein Thema sein, wenn einige der Banken Zahlen vorlegen. Am Dienstag wird die Aareal Bank über ihr Geschäftsergebnis im vierten Quartal 2009 berichten, am Donnerstag ist die Eurohypo an der Reihe. Die Lage dieser beiden Immobilienbanken könnte unterschiedlicher kaum sein. Die Aareal Bank mit Sitz in Wiesbaden machte in jedem Quartal seit Ausbruch der Finanzkrise Gewinn. Vieles spricht dafür, dass es auch im vierten Quartal 2009 so war. Eine eigene, hausgemachte Krise in den Jahren 2004 und 2005 bewahrte die Aareal Bank vor viel Neugeschäft 2006 und 2007.
Ausstieg aus der Staatshilfe
Weil ihre Aktionäre, darunter die Bayerische Beamtenversicherung, keine Kapitalerhöhung hätten zahlen können, nahm allerdings auch die Aareal Bank Anfang 2009 eine stille Einlage des Bankenrettungsfonds Soffin von 525 Millionen Euro und 4 Milliarden Euro Staatsgarantien für Anleihen in Anspruch. Da die Bank aber auch ohne die stille Einlage auf eine Kernkapitalquote von mehr als 8 Prozent käme, dürften auf den Vorstandsvorsitzenden Wolf Schumacher die Frage zukommen, wann die Aareal Bank damit beginnt, die Staatshilfe zurückzuzahlen. Womöglich wird er schon bald einen Ausstieg aus der Staatshilfe skizzieren.
Die Commerzbank, zu der die Eurohypo gehört, macht hingegen noch keine Anstalten, ihre 18 Milliarden Euro Staatshilfe zurück zu zahlen. Dies liegt auch an der Eurohypo, die nach einem Fehlbetrag von fast 1 Milliarde Euro im Jahr 2008 auch 2009 einen hohen Verlust erlitten hatte. Die Eurohypo, der Ende August 2007 vom Gutachter Ernst & Young noch ein Unternehmenswert von 8,3 Milliarden Euro bescheinigt worden war, zählt zu den größten Sorgenkindern im Commerzbank-Konzern, der an der Börse mit nur 7 Milliarden Euro bewertet wird.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.536,90 | +0,66% |
| EUR/USD | 1,2484 | −0,45% |
| Rohöl Brent Crude | 106,64 $ | −0,58% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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