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Historischer Rückblick Der Plan des Nicholas Brady

 ·  In den achtziger Jahre waren etliche Länder Lateinamerikas in eine große Schuldenkrise geraten. Im Jahre 1989 präsentierte der amerikanische Finanzminister Nicholas Brady dann den nach ihm benannten Brady-Plan. Bis heute sind sich Fachleute in der Beurteilung des Plans uneins.

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Die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren das Jahrzehnt der großen lateinamerikanischen Schuldenkrise. Staaten wie Mexiko, Argentinien, Brasilien und Venezuela hatten in den siebziger Jahren hohe Schulden bei mehreren hundert westlichen Banken aufgenommen, die sie zu Beginn der achtziger Jahre in eine schwere Krise trieben. Verursacht hatte die Krise ein Abschwung der Weltwirtschaft, zu dem der starke Anstieg der Ölpreise Ende der siebziger Jahre und die gleichzeitige Hochzinspolitik der amerikanischen Zentralbank Fed beigetragen hatten. Alleine Mexiko stand mit rund 80 Milliarden Dollar in der Kreide; ein Kollaps des Landes hätte vor allem amerikanische Banken in erhebliche Schwierigkeiten gebracht. Die Schulden der damaligen Zeit bestanden überwiegend aus Bankkrediten, denn die Märkte für Staatsanleihen waren weitaus weniger entwickelt als heute.

Die Industrienationen versuchten zunächst, durch die Gewährung neuer Kredite Zeit für eine wirtschaftliche Erholung Lateinamerikas zu gewinnen. Im Ergebnis nahmen die Kredite der Banken an Lateinamerika zwar ab, die öffentlichen Kredite aber zu. Weder wurden den Schuldnerländern wirksame Sanierungsprogramme verordnet, noch kam es zu Umschuldungen. Somit verbesserte sich an der maroden Lage der lateinamerikanischen Staatsfinanzen nichts.

Ein Versuch, Zeit zu gewinnen

Im Jahre 1989 präsentierte der amerikanische Finanzminister Nicholas Brady dann den nach ihm benannten Brady-Plan: Er sah eine Verwandlung der Bankkredite Mexikos in handelbare, auf Dollar lautende Anleihen in mehreren Typen, die sogenannten Brady-Bonds, vor. Mit ihnen war zugleich eine Umschuldung verbunden. Eine Version der Brady-Bonds "Discount-Bonds") sah einen Verzicht der Banken auf ein Drittel ihrer Forderungen vor; dafür erhielten sie auf die verbleibenden Forderungen einen Zinsaufschlag. Bei einer anderen Version ("Par-Bonds") kam es nicht zu einem Schuldenschnitt; dafür mussten die Gläubiger niedrigere Zinsen akzeptieren.

Um von den Gläubigern akzeptiert zu werden, brauchten die Brady-Bonds oft eine Besicherung. Sie bestand aus Nullkuponanleihen der Vereinigten Staaten von Amerika. Um diese von Washington erwerben zu können, gaben der Internationale Währungsfonds und andere westliche Adressen den hochverschuldeten lateinamerikanischen Ländern Kredit. Der Brady-Plan war, wie häufig in schweren Schuldenkrisen, ein Versuch, Zeit zu gewinnen - Zeit, in der sich Lateinamerika wirtschaftlich erholen und ihre Gläubigerbanken die Lasten der Umschuldung verdauen konnten. Zwischen 1989 und 1994 wandelten 18 hochverschuldete Länder Kredite über 190 Milliarden Dollar in Brady-Bonds um. Auf diesem Wege ermäßigte sich ihre Schuldenlast um 60 Milliarden Dollar. Die mit den Umschuldungen verbundenen Reformprogramme haben die Gesundung der lateinamerikanischen Volkswirtschaften vermutlich gefördert. Dennoch sind sich Fachleute in der Beurteilung des Brady-Plans bis heute uneins.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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